Rems-Zeitung - Täglich eine gute Zeitung

Anzeige

Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Donnerstag, 01. Oktober 2009

Seine Quetschkommode brachte zeitlebens Licht in das Leben des Gmünders Peter Haas

Mit 14 Jahren hat Peter Haas angefangen, Quetschkommode zu spielen. Noch heute ist er fasziniert von dem Instrument, das ihm zeitlebens Kraft gegeben hat. Kraft, die er wieder spüren möchte. Ein neues Handzuginstrument kann er sich jedoch nicht leisten. Von Nicole Beuther

SCHWÄBISCH GMÜND. Vielleicht, so die Hoffnung des Arbeitslosen, gibt es jemanden, der eine Quetschkommode hat, die er nicht mehr benötigt. Gerne darf es ein älteres, auch ein reparaturbedürftiges Instrument sein. Seinen Zweck würde es allemal erfüllen, nämlich dem 50-​Jährigen eine Freude zu machen.
Haas ist in Gmünd aufgewachsen, hat hier die Realschule absolviert und anschließend eine Lehre bei ZF als Industrieschlosser gemacht. Das Spielen auf der Quetschkommode hat ihm sein Vater beigebracht. Ein Geschenk. Denn, wenn es etwas gab, was Peter Haas in den vergangenen Jahren seine Lebensfreude nicht vergessen ließ, dann war es die Quetschkommode.
So solide sich sein Lebenslauf anhört – nach seiner Ausbildung ging es abwärts. Drogen zerstörten nach und nach sein noch junges Leben. Bei der Bundeswehr fing Haas an, LSD zu nehmen. Mit 22 Jahren, er war inzwischen als Berufsmusiker tätig, ging er nach Barcelona, wo er sieben Jahre lang im dortigen Jazzclub auf einer Hammond-​Orgel spielte. So wie die Musik seinen Geist und seinen Körper im positiven Sinne vereinnahmte, waren es andererseits auch die Drogen, die ihn schon bald fest im Griff hatten. Als die zwei Mitbewohner, mit denen er in einer Wohngemeinschaft zusammenlebte, 1989 von der Polizei verhaftet wurden, kam er wieder nach Deutschland zurück. Seine Hammond-​Orgel wurde von den spanischen Polizisten beschlagnahmt. Mit Hilfe eines Anwalts bekam er sie ein Jahr später wieder. Inzwischen hatte er angefangen zu dealen, er geriet immer stärker in den Drogensumpf.
Einem neunmonatigen Gefängnisaufenthalt und einer zwölfmonatigen Therapie folgte ein Rückfall, er wurde wieder süchtig, nahm Heroin. Die Musik aber geriet nie in Vergessenheit. „Das ist wie eine Konversation“, erzählt Haas, der lange Zeit am Kalten Markt in Gmünd die Menschen mit seiner Musik erfreute. Sein Leben schien eine positive Wende zu nehmen, als er vor drei Jahren ein 80-​Euro-​Flugticket ergatterte. Das Ziel: Teneriffa. Peter Haas verliebte sich in eine Spanierin, löste seine Wohnung in Gmünd auf und lebte fortan mit seiner Freundin zusammen auf Teneriffa. Drei Jahre hielt das Glück an.
Seit 4. September dieses Jahres ist er wieder in Gmünd und sucht neben der großen Liebe eine neue Quetschkommode. Die hat er nämlich bei der Abreise aus Deutschland vor drei Jahren aus lauter Eile in Schwäbisch Gmünd zurückgelassen. Wer eine Quetschkommode abzugeben hat, kann sie ins Haus St. Elisabeth in der Klösterlestraße bringen.
 

Aktuelle Beiträge im Ressort Schwäbisch Gmünd


Noch keine Kommentare vorhanden.

Neuen Kommentar hinzufügen