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» Schwäbisch Gmünd | Dienstag, 13. Oktober 2009

Alkohol– und Gewaltszenen in der Nacht zum Samstag in der Gmünder Innenstadt lösen Empörung und Diskussionen aus

Für eine ganze Reihe von Straftätern und Ruhestörern wird die unruhige Nacht zum Samstag noch ein Nachspiel vor dem Richter haben. Helle Empörung und gewisses Unverständnis gegenüber der Justiz hat die Gewalttat gegen eine 74-​jährige Seniorin ausgelöst, die von einem 30-​jährigen Mann brutal zusammengeschlagen wurde.

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Bei dem 74-​jährigen Opfer handelt es sich, wie die Polizei bestätigt, um jene stadtbekannte und gerngesehene Frau, die von früh bis spät in der Innenstadt unterwegs ist, um sich ihren Lebensunterhalt durch das fleißige Aufsammeln von Pfandflaschen und –dosen zu verdienen. Der Nebeneffekt ihres Tuns: Sie bewahrt damit die Innenstadt vor noch mehr Glasscherben und Müll. Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei wurde die Seniorin am Samstag gegen 5.30 Uhr am Kalten Markt von einem 30-​jährigen „polizeibekannten“ Deutschen offenbar völlig grundlos zusammengeschlagen. Nach Zeugenaussagen sprang, trat und schlug der Mann augenscheinlich in Manier eines schlechten Karatefilms gegen Kopf, Rücken und Beine der wehrlosen Frau. Polizeibeamte, die gerade zufällig wegen anderer Delikte in der Nähe waren, sahen die Szene und gingen dazwischen. Möglicherweise haben sie dabei der Frau das Leben gerettet. Denn der Schläger zeigte sich so rabiat, dass er auch noch gegen die Polizeibeamten Widerstand leistete. Das Erstaunliche: Der Täter wurde trotz seiner offenkundigen Gewaltbereitschaft bereits am gleichen Tag wieder auf freien Fuß gesetzt. Wie Bernhard Kohn, Pressesprecher der Polizeidirektion erläuterte, sei zwar von der Staatsanwaltschaft zunächst der Tatvorwurf des versuchten Totschlags in Erwägung gezogen worden, doch wegen der Umstände, insbesondere aufgrund der zum Glück relativ milden Folgen, wieder verworfen worden. Ermittelt werde lediglich wegen gefährlicher Körperverletzung und des Widerstands gegen Polizeibeamte. Die Frau habe ja ausdrücklich auch nicht ins Krankenhaus gebracht werden wollen, sei aber mit ihren Verletzungen in hausärztlicher Behandlung. Der Täter sei der Polizei bereits wegen anderer Delikte bekannt gewesen, allerdings bislang noch nicht wegen Körperverletzungen. In der Nacht wurde ja die „Musik in Gmünder Kneipen“ gefeiert. Während es in den Lokalen durchweg friedlich, fröhlich und gesellig zuging, prägten Saufgelage mit mitgebrachtem Alkohol, Pöbeleien und Randale die Szenerie auf Straßen und Plätzen. Zwei Vermummte warfen einen Bierkrug durch die Heckscheibe eines Streifenwagens. Mehrere Schlägereien und Sachbeschädigungen gab es. Eine Polizeibeamtin wurde leicht verletzt. Drei Widerstandshandlungen, vier Beleidigungen, eine Sachbeschädigung und dazu die beschriebenen Körperverletzungen wurden zur Anzeige gebracht. Helmut Argauer, Leiter des Polizeireviers, zeigte sich überrascht: In letzter Zeit sei es durch etliche Maßnahmen im Rahmen der Aktion sichere Stadt doch sehr ruhig in Gmünd geworden. Dass es in der Nacht zum Samstag nun plötzlich wieder so zuging, sei sehr traurig. Ordnungs-​Bürgermeister Joachim Bläse freute sich nur über einen Aspekt: Der kommunale Ordnungsdienst habe in dieser Nacht viel Lob und Anerkennung geerntet. Auch von den Wirten und Veranstaltern der „Musik in Gmünder Kneipen“. Er, Bläse, müsse nun leider als Impuls der unschönen Sauf– und Gewaltszenen außerhalb der Kneipenmusik die Überlegung einbeziehen, ob die bei Stadtfest und Fasnet gültigen Sperrverordnungen und Selbstverpflichtungen der Einzelhändler gegen maßlosen Alkoholkonsum ausgeweitet werden müssen.
 

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