Heuchlinger Kirchenchor besuchte auch eine Gedenkstätte für die behinderten Opfer der Euthanasie in der NS-Zeit
„Wem Gott will recht Gunst erweisen…“ und er meinte es gut mit den Mitgliedern des Katholischen Kirchenchors Heuchlingen, als die Leintäler zu ihrem Jahresausflug starteten.
HEUCHLINGEN
(pm). Bei strahlendem Sonnenschein ging es auf der A
7, der mit
963 Kilometer längsten Autobahn Deutschlands Richtung Süden. Auf dem Autobahnrastplatz vor Vöhringen wurde das traditionelle Vesper eingenommen. Bei Sekt, Schwarzwurst, Marias berühmten Fleischküchlein und wunderbaren Brezeln vom „Oberen Beck“ kam man so richtig in Stimmung.
Pünktlich um
1 Uhr erreichten sie das Kloster Roggenburg. Das Kloster gehört zu den ältesten Prämonstratenserklöstern Europas. Von dort aus wurde auch das Kloster Adelberg auf dem Schurwald aufgebaut.
Die barocke Klosterkirche ist ein Juwel des Spätbarocks. Die Prämonstratenser wurden vom Hl. Norbert von Xanten (um
1080 bis
1134) gegründet. Der Name Prämonstratenser geht auf den französischen Ort Premontre (Nähe Reims) zurück, wo der Hl. Norbert die erste Klosterzelle gründete.
Die heutige Klosterkirche, eine Perle des Spätbarocks, wurde
1758 vom damaligen Augsburger Weihbischof Franz Xaver, Reichsfreiherr von Adelmannsfelden – geboren am
1.
7.
1721 in Hohenstadt im Ostalbkreis – eingeweiht. Seit
1982 leben und arbeiten im Kloster wieder Prämaonstratenser. Derzeit hat die Klostergemeinschaft Roggenburg
13 Mitglieder mit einem Altersdurchschnitt von
40 Jahren.
Von Roggenburg ging die Fahrt weiter nach Bad Krumbad. Von
1938 bis
1945 lebte hier der von den Nazis vertriebene Rottenburger Bischof Joh. Bapt. Sproll im Exil. In Predigten und Schriften wetterte er gegen den Nationalsozialismus und gegen die Euthanasie behinderter Menschen , da er erkannt hatte, dass sich christliche Werte und das Gedankengut der Nazis nicht vereinigen lassen.
In der wunderschönen Waldgrotte hinter dem Heilbad, in der auch Bischof Sproll schon gebetet hat, ließ sich der Chor von der Spiritualität des Ortes anstecken und sang stimmungsvolle Marienlieder. Weiter ging es nach Ursberg in die ebenfalls von den Prämonstratenser gegründeten Klosteranlage. Hier war die Gelegenheit zur Kaffeepause, dem Besuch des Museums und der barockisierten romanischen Klosterkirche. Genau wie in Roggenburg wurde das Kloster hier in Ursberg bei der Säkularisation aufgehoben und die Mönche wurden vertrieben.
1884 kaufte Dominikus Ringeisen die Klosteranlage und gründete hier das heute noch nach ihm benannte Hilfswerk für die Betreuung, Beschäftigung und die Begleitung behinderter und alter Menschen.
1887 rief er die Schwesterngemeinschaft der Josefskongregation ins Leben, die hier in Ursberg für das Wohl der behinderten und alten Menschen sorgen.
In der NS-Zeit wurden mehr als
500 Behinderte vom Nazisystem vor allem nach Grafeneck deportiert. Die meisten kamen nicht mehr zurück. Ein eindrucksvolles Denkmal vor der Kirche erinnert an diese dunkle Zeit deutscher Vergangenheit.
Von Ursberg aus fuhr man zum Abendessen und einem gemütlichen Ausklang in die „Frische Quelle“ nach Attenhofen. Ein Mitreisender sorgte mit seiner Ziehharmonika für gute Stimmung. Erfüllt von diesem schönen Tag trat man die Heimreise an.
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