„Die Wasser des Neckar“: Rems-Aktionen in Gmünd, Lorch, Waldhausen, Böbingen und Mögglingen
Baumgesichter gab’s in Gmünd und den Charme uralter Jahrmarktsmagie; Lorch beteiligte sich mit Wunschbooten auf der Rems — zwei Glanzlichter einer Aktion der Kulturregion Stuttgart, die gestern der Poesie des Lichts und des Neckar-Wassers nachspürte
SCHWÄBISCH GMÜND (bt /lk). „Mama, Du musst da unbedingt reingucken“, die Frau, die da so vehement für den mittleren der drei Guckkästen wirbt — in dem die Sonne untergeht über Burg und See -, sieht aus, als hätte sie selbst erwachsene Kinder. Jetzt aber kann sie es nicht erwarten, jeden einzelnen Guckkasten, jedes Kaleidoskop erkunden, und sich wie ein kleines Mädchen den Lichtfänger aufzusetzen — einen von wehenden Schleiern bedeckten Regenschirm — und damit durch die Lichterreihen zu tanzen, bis sie sich im Glühwürmchenreigen wähnt. Wie schade, dass diese romantische blaue Stunde gestern zur nassen, grauen Zitterpartie geriet ‚und nur wenige die Lichtinstallationen und Schattenspiele des Theaters Anu genießen konnten.
Es hätte so schön sein können. Sybille Hirzel vom Arbeitskreis „Schattentheater Festival“ hatte das
8. Internationale Schattentheater Festival, das gerstern Abend mit der Aida einen Höhepunkt feierte, mit so großen Erwartungen ins „Lichternetz“ eingeknüpft. Anstatt sich am Zauber zu freuen, ging sie freilich unentwegt umher, um all die ausgeblasenen und ertränkten Flämmchen wieder zu entzünden. Michael Schaumann vom Kulturbüro und Bürgermeister Bläse konnten verstehen, dass so viele Kinder, die sich am Sternenlauf beteiligen wollten, ausblieben. Trotzdem schade. „Anu“-Chef Stefan Behr aber zelebrierte unverdrossen ein ehernes Gesetz der Unterhaltungsbranche: „Die Show geht weiter“. Vor den Baumgesichtern erzählten Kinder, was sie sich am allermeisten wünschen auf der Welt — dass sie ihr Parfüm selbst mixen und bei der besten Freundin übernachten dürfen, Millionär werden oder Disneyland in Amerika besuchen. Mit Hilfe von Edelsteinen in Öl entstanden funkelnde Lichtbilder, Besucherinnen unter ihren Lichtfänger-Schirmen erinnerten an Gotteszells „Weiße Frau“, und selbst der wieder einsetzende Regen konnte diesem Szenario das Märchenhafte nicht nehmen. Das Rilke-Gedicht „Welches bist du mein Stern“ inszeniert zu sehen, den Spiegel im Spiegel, oder das gute, alte Jahrmarkts-Polyrama — doppelt gemalte Bilder verändern sich mit dem Lichteinfall, so dass beispielsweise die Sonne aufgeht — war ein bisschen Frösteln und Schaudern allemal wert.
Auch die beiden Kinder– und Jugendtreffs in Lorch und Waldhausen beteiligten sich. Unter Anleitung der Jugendtreffleiterinnen Leonie Kurz und Franziska Spinnler bemalten
30 Kinder Boote und gestalteten sie mit ihren Wünschen. Die Wünsche der Kinder waren sehr unterschiedlich. So wünschte sich ein Kind das der
VfB Meister wird, ein anderes wünscht sich gute Noten, oder viel Glück für Mama. Die Kerze auf den Wunschbooten wurde entzündet und ging um
18.
33 Uhr auf die Rems. Zur gleichen Zeit wurden an
27 weiteren Städten der Region Lichter ins Wasser gesetzt — von Bad Liebenzell im Westen bis Mögglingen im Osten von Gemmrigheim im Norden bis Beuron im Süden. Nachdem die Wünsche ausgesetzt wurde, gab es ein fröhliches Treiben vor und im Kinder– und Jugendtreff in Waldhausen. An einem Feuer oder an dem heißen Punsch konnte man sich wärmen. Die rote Wurst oder die frischgebackenen Waffeln schmeckte Kindern und Besuchern. Jugendliche zeigten eine Feuershow mit Feuerpois und die Jugendtreffleiterin spuckte Feuer. Die Jugendfeuerwehr der freiwilligen Feuerwehr leuchteten das Ufer aus und bauten einen Steg ans Wasser. Bei Würstchen, Waffeln und gemeinsamem Hoffen darauf, dass diese Wünsche erfüllt werden, klang der Abend gemütlich im Fackelschein aus.
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