Die katholische Religionsklasse mit den Schülern der 10 a und b präsentierte das Thema „Gemeinsam gegen Vandalismus“
Religionslehrer Walter Frankenreiter und seine Schüler hatten den Bürgermeister eingeladen, und Dr. Joachim Bläse besuchte die Klasse im Hans-Baldung-Gymnasium gern um Fragen zum Thema „Vandalismus“ zu beantworten. Eines blieb ganz besonders hängen, Vandalismus ist schon längst „schulübergreifend“ – auch in Gmünd. Von Giovanni Deriu
SCHWÄBISCH GMÜND. Wahrscheinlich hat das Hans-Baldung-Gymnasium als Gebäude seine besten Zeiten bereits hinter sich. Könnte das Mauerwerk schreien, man würde wohl ein ständiges „Wehklagen“ vernehmen. An allem nagt der Zahn der Zeit – doch wenn dazu noch „böswillig und absichtlich“ zerstört würde, dann schmerze das ganz besonders, gab Bürgermeister
Dr. Joachim Bläse ohne Beschönigung zu. Davor hatte „Reli“-Lehrer Frankenreiter mit dem Finger auf die Ecke im Raum
305 gezeigt: „Sehen Sie dort unten?“, auch das (der Putz war von der Wand geschlagen, die Streben sichtbar) sei mit Absicht geschehen, erklärte Frankenreiter, der das Projekt seiner Schüler, „Augen auf – Gemeinsam gegen Vandalismus“, betreut. Betretenes Schweigen, so übernahm Jana Dilli (
10 b) die Moderation, Bürgermeister Bläse wurde begrüßt, und er fragte vorab höflich, ob das „Du“ okay sei. Danke, dass „Ihr mich eingeladen habt“, und es folgten interessante Ausführungen zu Fragen auf einem DIN-A
4-Blatt, die Bläse vorab von der Klasse vorgelegt bekam. Keine der
14 Fragen wie, „Was ist ihrer Meinung nach Vandalismus?“, aus welchen Schichten kommen die Täter „üblicherweise“?, ließ der Bürgermeister aus. Ob es ein typischen Täterprofil gäbe, und wie hoch die Kosten für die Beseitigung von Vandalismus seien. Allemal interessante Fragen, mit örtlichem Bezug. Natürlich beschäftige das Thema „Vandalismus“ ungemein. Vandalismus bedeute immer, so Bläse, dass Dinge und „Einrichtungen“ mutwillig beschädigt würden. Es passiere eben nicht „zufällig“. Klar sei auch, in Kindergärten komme „Vandalismus“ nie vor. Bläses Mitarbeiter des Ordnungs– und Bauamts bestätigen stets, dass es zwischen „Gymnasien, Real– und Hauptschulen“ kaum Unterschiede gäbe. Alle seien betroffen – „weniger Vandalismus“ herrsche an Sonderschulen. Überall Waschräume, Waschbecken, Toiletten und deren Spülungen, die zerstört werden. Auch Jugendräume im Kreis blieben nicht verschont von den – ja, „Vandalen“. Schmierereien, so genannte „Graffities“ seien auch kein „Kavaliersdelikt“ oder Kunst, sondern Sachbeschädigung, so Bläse. Zumal er sich frage, ob der „Künstler“ in seiner „Findungsphase“ sei, wenn ein Graffiti Rechtschreibfehler habe. Lachen in der Klasse. Der Frust an den Schulen muss groß sein, denn „Zweidrittel“ der Beschädigungen beträfen sie. Ein genaues Täterprofil gäbe es nicht, querbeet seien die Rabauken unterwegs. Groß wurden die Augen, als Joachim Bläse die Kosten der Schaden-Reparaturen mit „
150 000 Euro“ pro Jahr bezifferte. Geld, das für Schulen, Jugendräume und im Sport fehlen würde. Irgendwie seien also alle betroffen, und bezahlt werden die Reparaturen durch Steuergelder, die auch die Eltern entrichten würden. Nicht nur in New York oder Mannheim würden immer mehr Eltern und auch Lehrer nach geschlossenen Arealen für Schulen „rufen“ – Stacheldrahtzäune, Kameraüberwachung und Security-Kontrollen am Eingang, doch das sei eine „Bankrott-Erklärung“, Bläse wolle eine lebensnahe Schule in der sich alle an „Spielregeln“ halten und Verantwortung übernehmen. Schule als Lebensraum, und nicht als Käfig. Die längst abgesegneten Umbaumaßnahmen im „
HBG“ werden „drei Millionen Euro kosten“, deshalb appellierte Bläse auch an die Schüler, die Schule als „meine“ zu sehen. Was einem gehöre, was einem gefalle, könne man doch nicht zerstören. Viele in der Klasse hoffen, dass sie irgendwann einmal wieder über einen längeren Zeitraum hinweg die Klassenzimmer nutzen können, wie in den Unterstufen. Ab der achten Klasse nämlich sei in den Klassen ein Kommen und Gehen, ein „Verhältnis“ zum eigenen Klassenraum können die meisten daher nicht aufbauen. Deshalb auch Bläses Tipp, Augen und Ohren „offen halten“ – sollte jemand einen Schüler ausmachen, der Dinge zerstöre, solle man diesen bei den Lehrern anzeigen – auch wenn das nicht als „cool“ gelte, jemanden zu „denunzieren“, also, zu verpetzen.
Vielleicht helfe man dabei aber auch dem Täter. Die wenigsten würden die Tat nämlich danach wiederholen, wenn sie für Schäden aufkommen müssten. Uncool sei viel mehr, wegzuschauen. Bei den Schülern kam der Austausch mit dem Bürgermeister sehr gut an. Schüler Maximilian Popig aus der
10 b meinte: „Es war echt interessant, was Herr Bläse uns erzählte.“ Eleni Scholze und Melanie Wagner fanden es (wie viele andere auch) klasse, dass sich der Bürgermeister für das Projekt interessiert habe – viel mehr, Bläse bestärkte die Klasse darin, weiterhin gegen „Vandalismus“ tätig zu sein.
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