Händler und Schausteller des Kirchweihmarkts von bitterer Kälte geplagt
Selbst erfahrene Beschicker des Gmünder Kirchweihmarktes können sich nicht erinnern, hier jemals eine solch bitterkalte Kirmes erlebt zu haben. Der gestrige verkaufsoffene Kirchweihsonntag entschädigte die Händler und Schausteller jedoch ein wenig. Von Heino Schütte
SCHWÄBISCH GMÜND. Willi Mair (
63) ist einer von den wackeren Kirchweihmarkthändlern und –schaustellern, die seit Mitte letzter Woche mit teils zornigen Blicken hinauf zum Wettergockeler auf dem Johannisturm ausharren. Gestern erzählte er im Gespräch mit unserer Zeitung, wie er und seine Kollegen auf Markt– und Johannisplatz den bitterkalten Temperaturen trotzten. Zeitweise rieselten ja schon Schneeflocken vom grauen Himmel, so dass die Szenerie im Herzen der Stauferstadt schon mehr einem Weihnachtsmarkt im Dezember als einem Krämermarkt im goldenen Oktober glich. Heißbegehrt war demnach der erste Glühwein, der an den Bewirtschaftungsständen flugs „aufgekocht“ wurde. Willi Mair, der als Vertreter einer Fensterbau-firma auf Märkten und Messen herumkommt, schätzt besonders die Kollegialität und Freundschaft unter den Marktbeschickern. Jeder gibt hilfreiche Tipps sofort weiter. In diesem Jahr war der hilfreichste Ratschlag der, dass zum Glück im nahen Rathaus die Türen offen standen. Kuschelig warm sei es in der Rathaustoilette oder im Sitzungssaal gewesen, wohin man sich immer mal wieder flüchtete, um sich dort für einige Minuten an einem Heizkörper die Füße oder den Allerwertesten aufzuwärmen. Viele seiner Kollegen hätten mit einem solch furchtbaren Wetter nicht gerechnet und daher in ihren Ständen keinen Heizstrahler paratgehabt. Besonders am Donnerstag sei es ganz schlimm gewesen. Abends, so Mair, sei er nach Aalen heimgekommen und habe sich wie ein Eisklotz gefühlt. Gleich zwei heiße Wärmeflaschen habe ihm seine fürsorgliche Frau hergerichtet. Doch der Schnupfen sei leider bereits perfekt gewesen. Gestern nun endlich ein paar Sonnenstrahlen und Regenpause. Dazu ein toller Kundenansturm, was die Marktleute ein wenig entschädigte. Ähnlich erging es auch den Schaustellern auf dem Schießtalplatz. Am Samstag, normalerweise einer der stärksten Besuchertage, regnete und graupelte es immer wieder. Leider ist der Schießtalplatz wegen der Tunnelbaustelle von der Innenstadt stark abgeschnürt. Wehmütig erinnert sich mancher ans frühere Miteinander von Markt und Vergnügungspark im Stadtzentrum, von dem alle profitierten. Eltern konnten bummeln gehen, und Kinder durften sich gleichzeitig an den Fahrgeschäften vergnügen. Viele bedauern die heute zerrissenen Gmünder Jahrmärkte.
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