Franz Huber freut sich über die Ergebnisse und den Rücklauf seiner Baumseelen-Aktion
Die „Baumseelen“ hängen an Ahorn und Zaubernuss, sind im Wurzelwerk einer ganzen Silberlinden-Allee vergraben, werden von Kindern begossen und von Trauernden gehegt. Franz Hubers Aktion trägt reiche Frucht.
SCHWÄBISCH GMÜND
(bt).
55 Briefe hat Franz Huber bis jetzt erhalten,
55 Belege dafür, dass er nicht allein ist. Dass auch andere nicht in eine Zukunft gehen wollen, in der die Vergangenheit keine Rolle spielt. Anfang
2008 hat der Gmünder Bildhauer mit der Kelle einen Ahorn ausgegraben, Wurzel um Wurzel eines Baumes freigelegt, den er einst mit seiner Tochter am Remsufer gepflanzt hatte. Aber er konnte ja nicht alle Bäume und Sträucher retten, und wenig später sind sie im Namen des Tunnels tatsächlich gefallen, sprich gefällt worden — ein Preis, den die Stadt und vor allem der Bund als Bauträger zu zahlen bereit waren.
Den kleinen Ahorn zu bewahren, entsprach nicht mal annähernd dem Kahlschlag an den Ufern der Rems, der Hubers „Hütte am Fluss“ auf Jahre hinaus den Zauber nehmen sollte, der seinen Zaunkönig vertrieb, die Bachstelzen, den Eisvogel. So wichtig diese Riesen-Baustelle für die Stadt ist: Es tat weh, dieses grüne Baumband zu verlieren, das das Haus Friedhofstraße
1 am Leonhardsfriedhof, aber auch all die anderen Gebäude jenseits der Rems so lange und so wirkungsvoll vor Lärm und Abgasen geschützt hatte. Huber reagierte darauf mit einer Baumseelen-Aktion: Mit Hilfe des Frauenprojekts „also-lia“ bot er Menschen, die ähnlich empfanden wie er, insgesamt
600 präparierte Ahornscheiben an, dazu gedacht, die symbolischen Baumseelen aufzunehmen. Jede dieser Scheiben sollte zu einem neuen Baum getragen werden. Altes Wissen lehre, so erklärt Huber, dass auch Bäume eine Seele haben. Wer demzufolge einen Baum fälle, müsse der Baumseele einen neuen Platz bieten und einen neuen Baum pflanzen. Die symbolischen Baumseelen wurden kostenlos ausgegeben: Die einzige damit verbundene Verpflichtung war, wie gesagt, das Versprechen, nicht nur einen Baum zu pflanzen, sondern Huber auch ein entsprechendes Foto zu schicken. Noch immer treffen diese Dokumentationen ein, oft verbunden mit sehr persönlichen Briefen. Ganz gleich ob mit der „Baumseele“ Trauer und liebende Erinnerung der Erde anvertraut werden oder Segenswünsche für die neugeborenen Enkel, ob in Remshalden eine ganze Allee gepflanzt wurde, die sogar das Motiv des Remswassers aufnimmt, oder ob Klösterleschule und Waldorfschule mit den Baumseelen pädagogische Konzepte umsetzten — Franz Huber hat einiges angestoßen. Seine Baumseelen sind jetzt mit Obstbäumen verbunden, mit einem stattlichen Trompetenbaum mit Palmen, Weiden und Zaubernuss, mit Douglasien, mährischen Ebereschen und dem Ahorn, dem sie entstammen. Bekannte Gmünder Familien haben sich eingedeckt, aber auch Baumfreunde aus dem Stuttgarter Raum, die nur zufällig von dieser Aktion erfahren haben. Völlig Fremde sind gekommen, aber auch enge Freunde, mit denen er trommelt oder die durch die Kunst mit ihm verbunden sind.
Um den Großteil des Verkehrs unter die Erde bringen und der Stadt die vielbeschworenen Entwicklungsmöglichkeiten schenken zu können, wurde die Rems mittlerweile umgebettet. Ein kleines Stück Garten bei der „Hütte am Fluss“ konnte die ganze Zeit über erhalten werden, und Huber hofft, dass seine Ringelnatter-Familie, die Blindschleichen, der Igel und andere Hausgäste dort eine Zuflucht gefunden haben.
2010 will er den neuen Garten in Angriff nehmen, will neue Bäume Wurzeln schlagen sehen. Hofft auf Sandsteinelemente mit Löchern in denen der Eisvogel nisten könnte, oder doch zumindest irgend ein Vogel. Bis es sowie ist, bindet der Mann, der die Münsterbauhütte geleitet und am Aufbau der Dresdener Frauenkirche mitgewirkt hat, seine Schaffenskraft und seine Träume ans Freudental-Projekt. Was ihm das Warten erleichtert: Einige Baumfreunde ohne eigenen Garten haben sich Baumseelen für Pflanzkübel gesichert; die Bäume, die darin wachsen, sind als Geschenk für Franz Huber gedacht und für den neuen Garten an der Rems bestimmt.
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