Organisationen zeigten im Franziskaner Film zum Europäischen Tag gegen Menschenhandel
Zum Europäischen Tag gegen Menschenhandel luden die Caritas Ostwürttemberg, Solwodi Ostalb, die Frauenbeauftragte der Stadt Gmünd und die Gleichstellungs– und Familienbeauftragte des Ostalbkreises zum engagierten Film von Marion Pfeifer „Geh mit mir“ in den Franziskaner ein.
Rabea Krumm von der Caritas begrüßte die Anwesenden mit dem Jahresmotto der Caritas „Soziale Manieren“, das sich gerade den Ausgegrenzten und am Rande stehenden Menschen zuwende. „Frauen, die quer durch Europa zur Prostitution verschleppt und gezwungen werden, stehen außerhalb und bedürfen unserer Hilfe und Offenheit“, betonte Rabea Krumm.
Genaue Zahlen zum europäischen Frauenhandel gebe es nicht, so Gleichstellungsbeauftragte Ingrid Krumm, aber laut Schätzungen der Parlamentarischen Versammlung sollen es in Europa
500 000 Frauen und Mädchen sein. Frauenhandel sei ein lukratives Geschäft für die Schlepper. Den Statistiken internationaler Organisationen zufolge sollen die Profite in den letzten zehn Jahren um
400% gestiegen sein.
Im Film „Geh mit mir“ geben diese Daten und Fakten den Rahmen für eine bewegende Information zur sexuellen Ausbeutung von Frauen in der Europäischen Union. Regisseurin Marion Pfeifer hat dem Film einen neuen Weg der Aufklärung über Menschenhandel beschritten. Sie beschreibt auf beeindruckende und zugleich bedrückende Weise das Innenleben einer zwangsprostituierten Frau.
Nicht beim Empören und Bedrücktsein verweilen wollten die Vertreterinnen und Vertreter von Solwodi, Terre des Hommes, des Klosters der Franziskanerinnen, des Clubs Soroptimist und des Aktionsbündnisses gegen Prostitution Leinfelden. „Gott steigt nicht vom Himmel herunter, um einzugreifen. Er hat ja uns!“ — mit diesen Worten von Schwester Lea Ackermann diskutierten die Anwesenden die Möglichkeiten des Engagements gegen Prostitution und Frauenhandel.
Vor dem Hintergrund, dass alle aus der Zwangsprostitution befreiten Frauen mit Hilfe von Razzien entkommen konnten, wurden wieder mehr Razzien in den Bordellen als eine Lösung gesehen. Die so befreiten Frauen müssten dann geschützt und nicht abgeschoben oder allein gelassen werden. In Wohn– und Zeugenschutzprojekten
z.B. von Solwodi wird hier vorbildlich mit den betroffenen Frauen gearbeitet und der Übergang in ein Leben ohne Prostitution ermöglicht.
Immer wieder gilt es die scheinbare Normalität einer Gesellschaft zu hinterfragen, die Prostitution als gesellschaftsfähig und normal erklärt. Eine solche Gesellschaft werde nicht nur vor dem Hintergrund der Käuflichkeit von Körpern und Menschen beziehungsunfähig werden und noch stärker Konsumhaltungen aufbauen, sondern auch grenzenlos verrohen, hieß es. Darauf müsse immer wieder hingewiesen werden.
Gespräche mit den Bundestags– und Landtagsabgeordneten wurden ebenso gefordert, wie die Nachfrage, was denn nun eigentlich aus dem Runden Tisch bezüglich der Flatrate-Bordelle geworden sei. Das Thema Prostitution und Zwangsprostitution ist ein Thema, das gerne vergessen und ausgeblendet wird, weil es die Schattenseiten unserer patriarchalen Gesellschaft so deutlich zeigt. Auch hier muss dem „Niemand will es wissen“ mit Information entgegengewirkt werden.
Was kann weiterhin hier vor Ort getan werden, war eine Frage, die von den Anwesenden diskutiert wurde. Von Prostitutions-Anzeigen in Zeitungen war die Rede und der Forderung, dass diese Anzeigen nicht mehr veröffentlicht werden sollten. Genauso intensiv wurde die Frage erörtert, ob man es hinnehmen müsse, dass in Schwäbisch Gmünd vor dem Hintergrund der Landesgartenschau ein Bordell entstehen solle.
Zwischen „niemals“ und „da ist dann wenigstens alles unter Kontrolle“ reichte das Spektrum der Meinungen. Noch weit entfernt sei man vom Modell Schweden, wo ein gesellschaftlicher Perspektivenwechsel eingeleitet wurde, indem dort eines klar ist: Freiertum ist ein Vergehen. Aber auch bei uns setze sich immer mehr die Einsicht durch, dass Prostitution in den meisten Fällen keine freie Entscheidung, sondern immer einer wirtschaftlichen und persönlichen Zwangslage geschuldet ist, die von der Prostitutionsindustrie und den Freiern ausgenutzt wird.
Noch keine Kommentare vorhanden.