Zum zehnjährigen Bestehen zeigen die 16 Kapitels-Quilterinnen im Franziskaner ihre Arbeiten
Die Kapitels-Quilter wollen wieder Lust machen auf gemeinsames Handarbeiten, auf das Spiel mit Farben, Formen und Phantasie. Auf Stoffe. Sie zeigen ihr Lebenswerk und verbinden das mit der Hilfe für Sterbende.
SCHWÄBISCH GMÜND
(bt). Die Diagnose Krebs akzeptieren, die Folgen der Chemotherapie ertragen — daran kann eine Frau zerbrechen. Sich in einem tiefen, schwarzen Loch der Traurigkeit und Verzweiflung zu vergraben, ist durchaus eine Möglichkeit. Man kann natürlich auch quilten. Über irrsinnig komplizierten Mustern ein bisschen Frieden finden, Ruhe. Und in den anderen Quilterinnen Freundinnen, mit denen sie lachen kann, weinen, oder auch mal ein Sektle trinken. So erklärte dieser Tage eine Kapitels-Quilterin, was ihr diese Gemeinschaft bedeutet. Die Arbeit, die ihr in der schlimmsten Zeit die schlimmsten Stunden überstehen half, wird in der nächsten Ausstellung der Gmünder Patchworkerinnen zu sehen sein, ebenso all ihre Lieblingsarbeiten. Neid gibt’s nicht bei den Damen; jede nennt spontan ein halbes Dutzend Decken der anderen Patchworkerinnen, an denen sie sich nicht satt sehen kann. Utes „weißer Quilt“ etwa, für den ihr mal jemand
50 Euro geboten hat. Das brachte sie alle zum Lachen: Allein in diese reinweiße Decke, auf der ein zierlicher, mit Obst und Blumen gefüllter Korb aus hunderten Einzelteilen zu sehen ist, hat die erfahrene Näherin rund
200 Stunden investiert; die Quiltstiche selbst bilden ein kompliziertes Muster. Die beiden Senioreninnen Carmen und Hanne, beide über
80 Jahre alt, müssen, da sind sich alle einig, den Elefanten-Quilt ausstellen, für den ausschließlich selbstgefärbte Stoffe verwendet wurden, oder die Indianerdecke „Seminole“, der niemand ansieht, dass sie aus ebenfalls eigenhändig gefärbter Bettwäsche entstanden ist. Irenes Vater ist gestorben; er war ein großer Rosenfreund, und in liebendem Gedenken hat sie aus seinen alten Hemden eine Decke gearbeitet, auf die sie ganz viele selbstgenähte Rosen applizierte. Die „Liebenden im Wald“, die sich dem Betrachter nur in einiger Distanz zu erkennen geben, ist ebenfalls eine ganz außergewöhnliche Arbeit.
Das Wort Quilt kommt aus dem Englischen und steht für eine mindestens dreilagige Steppdecke ebenso wie für Gemeinschaft. Wie die frühen amerikanischen Siedlerinnen tauschen die Gmünder Quilterinnen Nachrichten und Geschichten aus, holen sich Rat und Hilfe, entwerfen gemeinsam etwas, und manchmal verarbeiteten sie die mitgebrachten Patchworkstücke zu einem Quilt.
Viele der Ausstellungsstücke, und das liegt in der Natur des Quiltens, sind den Frauen, die sie angefertigt haben, sehr wichtig. Sie haben Kinderkleidung eingearbeitet, ihr Hochzeitskleid, oder ein Stückchen aus dem Wildseidenkostüm, in dem sie so glücklich waren. Aber auch ohne diese Bezüge sind ihre Arbeiten ausnehmend schön. Zur Jubiläumssausstellung haben sie seit Januar an einer großen Gemeinschaftsdecke gearbeitet, insgesamt
35 Stoffquadrate zum Thema „Florales“ genäht und gemeinsam zu einer Decke arrangiert, die nun zu Gunsten der Hospiz und der Palliativstation im Stauferklinikum verlost werden soll, ebenso wie ein Kissen und eine Stoffbox. Auch andere Erlöse aus dem Verkauf kleinerer und größerer Arbeiten sind für diesen guten Zweck bestimmt. Zur Vernissage hat sich unter anderem
Dr. Martin Redenbacher angekündigt, der den Förderverein Onkologie gegründet hat; Karl Baumhauer führt die Verlosung durch.
Die Ausstellung der Quilterinnen ist von Samstag,
7., bis Montag,
9. November von
10 bis
17 Uhr im Franziskaner zu sehen. Zur Vernissage am Freitag,
6. November, um
19 Uhr, spielt Pianist Gernot Reucher. Die Verlosung findet am Sonntag um
16 Uhr statt.
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