Vorsitzender der Ärzteschaft empfiehlt seinen Patienten keine Schweinegrippe-Impfung
Schweinegrippe wird allmählich zum Unwort, die entsprechende Impfung höchst misstrauisch beäugt. Auch Dr. Erhard Bode, Sprecher der Ärzte im Gmünder Raum, zeigte sich gestern im Gespräch mit der RZ eher skeptisch: „Wir empfehlen diese Impfung nicht“.
SCHWÄBISCH GMÜND
(bt).
Dr. med. Erhard Bode, Gmünder Arzt für Lungen–
u. Bronchialheilkunde bzw. Allergologie und Vorsitzender der Gmünder Ärzteschaft erklärte, wie vielfach im Land seien auch die Ärzte im Altkreis, in deren Namen er spricht, beim Thema „der so genannten Schweinegrippe eher reserviert“. Dann wurde er deutlicher, sprach von „Hin und her“ und „Unsicherheiten“; mit gutem Grund rieten die meisten Fachgesellschaften von der Impfung ab. Darauf angesprochen, dass immer wieder an die Öffentlichkeit appelliert wird, bestimmte Gruppen vorrangig impfen zu lassen — Kinder und Jugendliche, die das Virus schnell verbreiten, oder Personen unter
50 Jahren, die eine geringere natürliche Immunität gegen das Virus besitzen sowie die eigentlichen Risikogruppen wie Schwangere, Kleinkinder ab
6 Monaten, ältere Menschen oder Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen oder auch großem Übergewicht -, erklärte Bode, eben für jene Risikogruppen stehe gar kein Impfstoff zur Verfügung. Für Schwangere etwa sei das derzeit gehandelte Mittel — dem heftigere Nebenwirkungen nachgesagt werden — sicherlich nicht zu empfehlen. Einige Ärzte im Umkreis bieten die Impfung an; sie müssen jedoch, so Bode, in den Apotheken jeweils Packungen mit zehn Proben kaufen; werde eine Impfung verlangt, müssten die anderen neun innerhalb von
24 Stunden verbraucht oder weggeworfen werden. Bode: „Da zahlen die Ärzte drauf; das ist eine Zumutung“.
Wie viele Menschen im Gmünder Raum gestern tatsächlich eine Impfung verlangten, stand bei Redaktionsschluss nicht fest: Sicher ist, dass die
EU, die von einem drastischen Anstieg der Krankheitsfälle ausgeht, weniger Gehör findet als Experten, die vor den Folgen der Impfung warnen. Bode allerdings relativiert: Durchaus zu empfehlen sei die übliche Grippeimpfung, sie sei deutlich besser dokumentiert und werde besser vertragen — „außer natürlich wenn in eine Erkältung oder eine chronische, dem Arzt verschwiegene Atemwegserkrankung reingeimpft wird, dann verlängert das den Verlauf“.
Dass im Frühjahr und im Frühsommer mit allergrößte Eile ein Impfstoff entwickelt und in großen Mengen hergestellt wurde, stößt allgemein auf Verständnis: Die Schweinegrippe wird von einer neuen Variante der H
1N
1-Viren verursacht, und es war eine weitere, extrem bösartige H
1N
1-Variante, die in den Jahren
1919/
20 für die „Spanische Grippe“ verantwortlich war. Der damaligen echten Pandemie fielen mindestens
25 Millionen Menschen zum Opfer, weit mehr, als im ersten Weltkrieg ums Leben gekommen waren; dieses Massensterben wird in seinen Auswirkungen mit der Pest von
1348 verglichen. Dass der neue Erreger vergleichsweise harmlos zu sein scheint, war zunächst nicht abzusehen; die Entscheidung, allein in Deutschland bis zu
50 Millionen Menschen durch eine Impfung mit dem Mittel Pandemrix gegen den Erreger zu immunisieren, war nur vernünftig. Damals. Jetzt zeichnet sich ein anderes Bild ab — sagen auch die Gmünder Ärzte.
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