Gmünds früherer Dekan Hermann Friedl in der Basilika in Ulm-Wiblingen feierlich eingesetzt
SCHWÄBISCH GMÜND (fm). In der Basilika St. Martin in Ulm-Wiblingen wurde der letzte Dekan des ehemaligen Dekanats Schwäbisch Gmünd und Pfarrer von St. Franziskus, Hermann Friedl, feierlich in sein Amt eingesetzt. Die Basilika war bis auf den letzten Platz besetzt. Mancher konnte nur stehend der zweistündigen Zeremonie folgen. Eine große Zahl Gmünder war mit Bus oder Pkw angereist, um ihre Wertschätzung und Anerkennung einem unvergessenen Seelsorger gegenüber zu zeigen. Auch seine neue Gemeinde war von Friedls Ausstrahlung fasziniert – wie es sich auch nachher beim Empfang zeigte.
Aus seiner Predigt (Mk,
10,
46 –
52), Heilung eines Blinden bei Jericho, seien einige Aspekte wiedergegeben. Die Predigt selbst wurde von beiden neuen Pfarrern in Form einer „Ergänzenden Predigt“ gehalten. In der Botschaft von der Heilung eines Blinden könnten wir Jesu Mitleid und seine Allmacht erkennen, viel mehr aber eine Darstellung unserer eigenen Rettung und Erlösungsbedürftigkeit. Und dann stockte vielen der Atem: sein Pfarrvikar, Udo Hermann, der zeitgleich mit Friedl sein Amt antrat, ist von Geburt an schwer sehbehindert. Friedl zog eine Parallele zum Sonntagsevangelium: Gerade blinde Menschen erfassen nicht selten das hintergründige Wesen der Dinge, das Wahre, das Gute und das Endgültige – besser als die Sehenden, die oft am oberflächlichen stehen bleiben. Es treffe zu, was der französische Dichter und Flieger Antoine de Saint-Exupery seinen „Kleinen Prinzen“ sagen lässt: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“
Sein Primizgewand, das er vor
21 Jahren in eben dieser Basilika bei seiner Priesterweihe getragen habe, sei von blinden Menschen gefertigt worden. Wir Menschen müssen nicht aufs Jenseits vertröstet werden. Heilszeit könne jetzt schon anbrechen: dort, wo wir aus dem Geist Jesu heraus unsere Herzen öffnen, Wege gemeinsam gehen, Liebe leben (und nicht nur predigen) und wo wir erkennen, dass wir selber Kirche sind, mit unseren Begabungen, Fähigkeiten und unserem persönlichen Glaubenszeugnis. Ganz konkret im Hinblick auf seinen Pfarrvikar: Letztlich war und ist es mein Glaube, dass Udo seine Fähigkeiten und Gottesgaben mitbringt und es mit ihm ein gesegnetes Miteinander werden wird.“
So wie seine, Friedls, eigene Entscheidung für den priesterlichen Dienst
1984 während seines Studiums nicht leicht war. „Aber,“ so Friedl, „er habe sich für den Weg entschieden, der nicht am Kreuz vorbeigeht, sondern sich dieser Herausforderung stellt: diesem christlichen Zeichen unseres Heils, unserer Erlösungsbedürftigkeit, unserer Rettung!“ Pfarrvikar Hermann zum Schluss: „Der Glaube an den gekreuzigten und zum Leben auferweckten Herrn ist es, der Pfarrer Friedl und mir die Augen und Herzen für unsere Seelsorgeeinheit geöffnet hat.“
Der Schlusssegen wurde mit dem
1099 von Papst Urban II. an das Benediktinerkloster ausgehändigte Kreuzpartikel erteilt. Der Auszug erfolgte unter dem Musikstück „Trumpet voluntary“ für Trompete und Orgel von H. Purcell.
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