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» Schwäbisch Gmünd | Dienstag, 10. November 2009

Am 10. November jährt sich Schillers Geburtstag zum 250. Mal /​Unbeschwerte Jugendjahre in Lorch und Gmünd

Goethe verbrachte nur eine Nacht in Gmünd. Da sind die Beziehungen der Stadt zum anderen großen deutschen Nationaldichter, Friedrich Schiller, schon wesentlich enger.

Von Reinhard Kuhnert
SCHWÄBISCH GMÜND /​LORCH. Im Dezember 1763 kam Vater Caspar Schiller noch ohne seine Familie aus Ludwigsburg in die Freie Reichsstadt Schwäbisch Gmünd. Er sollte hier als Werbeoffizier für das württembergische Militär tätig werden. Doch versäumte es Herzog Karl Eugen, ihm ein Gehalt zu überweisen, und weil die Lebenshaltungskosten in Gmünd zu hoch waren, er zu „Werbezwecken“ die künftigen Soldaten besoffen machen musste (was teuer war) und er zusätzlich noch seine Untergebenen zu verköstigen hatte, zog er Anfang 1764 ins „billigere“ württembergische Lorch.
Dorthin holte er dann auch die Familie. „Fritz“ war gerade vier Jahre alt. In der dörflichen Idylle verbrachte der junge Friedrich Schiller unbeschwerte Kindheitsjahre, die zu seinen glücklichsten gehören sollten. Die Familie wohnte beim Schmied Molt, neben dessen Schmiede der Grießbach vorüber in die nahe Rems floss. Folgt man der Überlieferung dann hat der junge Friedrich seinen Vater des Öfteren nach Gmünd begleitet und auf dem Marktplatz mit den Gmünder Buben und Mädle „Märbel“ oder Murmeln gespielt. Mehr ist urkundlich über den künftigen Dichter nicht bekannt.
Wohl aber über Vater Caspar, der beim Kartenspiel im Wirtshaus „Zur Kanne“ „unter die Räuber“ fiel. Er geriet einem gewerbsmäßigen Falschspieler namens Lorenz Schmelzer in die Hände und verspielt zunächst 25 Gulden, danach um alles wieder wettzumachen, weitere 55 Gulden. Eine Menge Geld – das entsprach etwa seinem Jahresgehalt!
Vater Caspar ließ sich das aber nicht gefallen und intervenierte am 18. Januar 1764 beim Magistrat der Stadt Gmünd. Dieser reagierte sofort, beschlagnahmte das Vermögen des Falschspielers und sorgte für die Rückerstattung von 50 Gulden. Dieser Vorgang wurde von der Rems-​Zeitung 1925 in den Nummern 121, 123, 124 und 126 dokumentiert
Doch zurück nach Lorch. Die Familie lebte in sehr beengten Verhältnissen. Für Friedrich Schiller war das jähzornige und aufbrausende Verhalten seines Vaters sicher schwieriger zu ertragen, obwohl er sich später nie darüber beklagte. Mit dem Pfarrerssohn Christoph Moser verband ihn rasch eine innige Jungenfreundschaft. Seine Schwester Luise wurde hier am 23. Januar 1766 geboren.
1764 kam der kleine Friedrich in die Lorcher Dorfschule, wo er sehr schnell lernte und bereits ein Jahr später (1765 – Dezember 1766) bei Pfarrer Philipp Ulrich Moser regelmäßigen Unterricht in Latein und Griechisch erhielt.
Pfarrer Moser war ein gütiger und gerechter Mann, der Friedrich Schiller sehr stark prägte. Schiller verehrte ihn so sehr, dass er nicht nur gern vor seinen Schwestern predigte, sondern auch selbst gern Pfarrer geworden wäre – was dann der Herzog verhinderte; vor allem aber im letzten Akt seines ersten Dramas „Die Räuber“ (5. Akt 1. Szene) setzte er ihm, dem „Pfarrer Moser“, ein Denkmal. Mutig tritt der Gottesmann dem mörderischen Atheisten Franz Mohr entgegen und bewirkt das Unwahrscheinliche: dessen Umkehr. Die Szene gehört zu den beeindruckendsten des Dramas.
Das revolutionäre Frankreich sollte Schiller später (26. August 1792) die höchste Ehre, die es zu vergeben hatte, erweisen: er wurde „Bürger Frankreichs“ – mit der Begründung, die „Befreiung der Völker vorbereitet“ zu haben.
Schillers Adelswappen: Mit
dem doppelten Einhorn
Es gibt noch etwas, das Schiller mit Gmünd verbindet: das doppelte Einhorn in seinem Adelswappen. Am 16. November 1801 wurde er auf Antrag des Weimarer Herzogs Karl August von Kaiser Franz II. in den Adelsstand erhoben – wobei ihm ein adeliges Wappen zustand. Die Besonderheit dieses Wappens ist, dass es gleich zwei Einhörner enthält.
Doch hat diese Entscheidung des zuständigen Beamten nichts mit der schwäbischen Familie oder der Freien Reichsstadt zu tun. Der Beamte hatte einfach das altadelige Wappen der Tiroler Familie Schiller von Herdern genommen und es ein wenig verändert. Zwar ist das Einhorn weiß, doch nicht auf rotem, reichsstädtischen Grund.
 

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