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Kultur |
Donnerstag, 19. November 2009
Die Ehe? Den Blödsinn haben schon andere gemacht — Dein Theater lebt ein Durchschnittsehepaar vor
Haben sie aus Liebe geheiratet — oder hat es sich so ergeben? Wäre sie besser bei ihrem Hans geblieben? Nutzt ihm sein Verständnis für die Frauen oder erwartet sie von ihm etwas ganz anderes? Wie kann er sie dabei trotzdem einengen — und warum verlässt sie ihn dann nicht?
THEATER (wil). Fragen über Fragen, wie in wohl jeder Beziehung — und natürlich keine Antworten. „Die Ehe ein Traum“ ist der korrekte Titel der „Dispute und Gespräche“, die Hans Rausch für zwei Stunden in lockerer Reimform zusammengetragen hat. Ella Werner und Stefan Österle vom Stuttgarter „Dein Theater“ durchlebten am Freitagabend in der ausverkauften Theaterwerkstatt dann auch so ziemlich alle Stationen im Zusammenleben zweier Menschen, die sich nicht entscheiden können, ob sie besser mit– oder ohne einander leben wollen. Dabei macht es ihnen der Autor leicht: sie sind kinderlos und somit niemandem verpflichtet, beide berufstätig und damit finanziell unabhängig, sich vom Niveau her ähnlich und auch nicht hörig. Was ist es also, das zwei Menschen aneinander bindet, sie nicht loskommen lässt?
In Monologen stellen Helene (Ella Werner) und Karlheinz (Stefan Österle) sich zunächst vor, schildern ihr Kennenlernen durch fünf Jahre gemeinsame Straßenbahnfahrten zur Arbeit, das sich allmählich einstellende Gefühl der Vertrautheit, das Hinnehmen von Unzulänglichkeiten („der Pullover ist geschmacklos, aber es ist ja nicht meine Freundin“) und dann doch plötzlich das Fehlen des Anderen. Dabei war sie nur im Urlaub, aber danach behandelt sie ihn wie einen Vertrauten und ohne es eigentlich zu wollen sind die beiden gereiften, dreißigjährigen Singles plötzlich ein Paar. Sie litt unter der Scheidung ihrer Eltern, fühlt sich vom aktuellen Freund, dem zwanzig Jahren älteren Hans, vernachlässigt und glaubt, mit Karlheinz ihr Glück gefunden zu haben. So leben beide in ihren Gewohnheiten weiter, erfüllen die ehelichen Pflichten, nehmen Rücksicht auf den Partner und suchen krampfhaft nach Gemeinsamkeiten. Sie haben einen Freundeskreis und die Hausmusik, reden sich den Alltag schön, kultivieren das Banale. Doch bei aller Mühe beginnt er zu beklagen, ihre Gedanken nicht zu erraten und sie zügelt rasch ihre Bedürfnisse nach mehr Spontaneität.
Es treten die Klischees in den Vordergrund: der Einkauf wird noch recht kurz gezeigt, die sexuellen Phantasien nehmen schon breiteren Raum ein („Wer kriegt schon seine Traumfrau ins Bett? Die holt man sich im Internet“) und der Dialog gleitet zur Gewaltfrage. Interessanter Weise verteidigt sie die Männer („Frauen verbuchen auf jeden Fall für sich die bessere Moral“), aber sowie ein Konflikt auftritt, versuchen beide einzulenken.
Die Frage nach der Treue, der eigenen Attraktivität, klingt immer wieder leicht durch, bis nach einem ihrer Träume vom Ex der Konflikt eskaliert. Schon immer hat er unter seinem Vorgänger gelitten, sie fühlt sich unverstanden und zieht aus. Doch sie können auch nicht ohne einander. Nach zehn Jahren sitzen sie wieder zusammen. Sie ist jetzt in der Midlifekrise, fühlte sich unterdrückt und hat jetzt an Selbstwertgefühl zugelegt. Vorwurf folgt auf Vorwurf, seine Behaglichkeit in der Ehe ist ihr ein Dorn im Auge, sie hätte gern alles anders. Alle seine Versuche, sie zu halten, scheinen jetzt vergeblich, doch aus dem Aufbäumen entsteht keine Aktion. Die Schlussszene findet hinter der Leinwand statt: ein kurzer Dialog im Bett spiegelt die zeitlose Vertrautheit, die alles überlagernde Rücksichtnahme oder einfach die Angst vor dem Verlassenwerden. Sie gestehen sich mit dem Gutenachtkuss das, was sie Liebe nennen, um dann nebeneinander zu schlafen. Ein Happyend?
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