Rems-Zeitung - Täglich eine gute Zeitung

Anzeige

Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Donnerstag, 19. November 2009

Gestern nahe des Standorts des Tunnelkamins auf dem Lindenfirst: Demonstratives Bürgermeistertreffen für den Tunnelfilter

ine Kundgebung für Realisierung des umwelttechnologischen Pilotprojekts Tunnelfilter führte gestern die Bürgermeister, Ortsvorsteher, Kommunalpolitiker , die Abgeordneten sowie Anwohner und Vertreter der Bürgerinitiative aus der gesamten nördlichen Raumschaft von Gmünd auf dem Lindenfirst zusammen.

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Gemeinsam wurde am Standort der befürchteten „Feinstaub– und Abgasschleuder“ eine Resolution unterzeichnet, die in den Verkehrs-​, Wissenschafts– und Forschungsministerien in Berlin übergeben werden soll. In der Forderung bringt die gesamte Raumschaft die zwischenzeitlich von allen politischen Kräften getragene Forderung zum Ausdruck: Die verantwortlichen Ministerien mögen die Chance für diese bereits weltweit nachgefragte Umwelttechnik nicht verschlafen. Dies besonders auch vor dem Hintergrund des sich verschärfenden staatlichen Regelwerks, das mit Umweltzonen-​, Autoplaketten– und Kaminfilterverordnungen ja jeden einzelnen Bürger in die Pflicht nimmt, auch finanzielle Beiträge im Kampf gegen Feinstaub und Abgase zu leisten. Wie von unserer Zeitung wiederholt und ausführlich dargestellt, haben Gutachten und sogar das federführende Regierungspräsidium Stuttgart dargelegt, dass ein technisches Reinigungsverfahren für die Abluft aus dem zukünftigen Salvatortunnel in Schwäbisch Gmünd machbar wäre. Es geht allerdings um die Finanzierungsfrage eines solchen Pilotprojekts, denn rein rechtlich ist der Einbau eines solchen Tunnelfilters derzeit nicht durchsetzbar, wäre auch einmalig in Deutschland. Dies bringt besonders die Bundestagsabgeordneten zur Verzweiflung, weil man doch überall schon gelernt habe, so MdB Barthle, dass beispielsweise ein Industrieschornstein zwar himmelhoch gebaut werden könne, trotzdem jedoch aufgrund der Umweltgesetzgebung mit Filter ausgestattet werden muss. Warum beim Tunnel nicht? Norbert Barthles liebster Vergleich: „Würden wir den 157 hohen Abluftschacht des Gmünder Tunnels ohne Filter bauen, dann wär’ das doch wie ein sinnloser Staubsaugerbetrieb ohne Staubbeutel.“ Sein Kollege Christian Lange berichtete, wie er schon seit Jahren und bislang vergeblich versuche, die zuständigen Landes– und Bundesbehörden zu motivieren, diesen Großversuch zu wagen. Der einzig mögliche Weg führe über eine Einstufung als Pilot– oder Forschungsprojekt. Auch alle anwesenden Bürgermeister und Ortsvorsteher brachten zum Ausdruck, was fast 100 000 betroffene Bürger denken: Es entspreche nicht mehr der Logik der zeitgemäßen Umweltpolitik, dass die Luftqualität im Remstal dadurch verbessert werden soll, dass Feinstaub und Abgase durch Uralttechnik (Kamingebläse) im Umland verteilt wird. Nach Überzeugung aller Teilnehmer des gestrigen Treffens bietet sich aufgrund der vorteilhaften Konstruktionsmerkmale des sich noch im Bau befindlichen Salvatortunnels die ideale Möglichkeit, Feinstaub und Abgase aus der kompletten B-​29-​Ortsdurchfahrt der Stadt (20 000 Fahrzeugen pro Tag mit einem 20-​prozentigen Lkw-​Anteil) zentral aufzusaugen und zu reinigen. Das könnte eine beispielhafte Technik für eine effektive Verbesserung der Luftqualität in vielen Städten und Ballungsräumen werden — weitaus effektiver als die auch in Fachkreisen strittigen Umweltzonen. Der Salvatortunnel wird an diesem einen Punkt am Lindenfirst durch einen etwa 124 Meter tiefen Schacht und über einen 33 Meter hohen Betonkamin entlüftet. Im interkommunal finanzierten Gutachten, so wirft die Bürgerinitiative „Pro Tunnelfilter“ in die Waagschale, wurde sogar eine Gegenrechnung für die Investitionskosten aufgemacht: Bei sauberer Tunnelabluft könnte der Kamin und vor allem auch der Energieaufwand für das mächtige Gebläse dergestalt reduziert werden, dass sich die Investitionskosten (strittige Schätzungen reichen von zwei bis fünf Millionen Euro) vielleicht sogar amortisieren. Die Bürgermeister und auch Ortsvorsteher, allen voran OB Arnold, verdeutlichten, dass gemessen an der Gesamtbausumme (230 Millionen Euro) es doch totaler Unsinn wäre, wenn ein solch modernes Bauwerk nicht vollends perfekt im Sinne des Gesundheits– und Umweltschutzes gestaltet werde.
 

Noch keine Kommentare vorhanden.

Neuen Kommentar hinzufügen