Jugendliche Grünpaten der Anlage in der Kimpolunger Straße wollen nur eines: Fußballspielen in der Südstadt
Wenn heute Nachmittag all diejenigen ausgezeichnet werden, die Grün– patenschaften übernommen haben, ist das eine schöne Geste. Dass derzeit aber mehrere Haupt– und Ehrenamt– liche zusammenspielen, um den jungen Grünpaten des Südstadt-Bolzplatzes ihren größten Wunsch zu erfüllen, hat eine ganz andere Qualität.
SCHWÄBISCH GMÜND
(bt). Glücklich waren beide Seiten nicht, schon lange nicht mehr: Die Jungs, weil sie nur noch Ärger hatten am Bolzplatz in der Kimpolunger Straße, zu dem es aber nun mal keine Alternative gibt. Ein Anlieger, weil ihn das Geschepper am eisernen Fußballtor ebenso wie nächtliche Gelage massiv störten. Das Recht war auf Seiten des Anliegers: Wer älter ist als
14 Jahre, hat nichts verloren auf diesem Platz. Rouven Gross und seine Fußballkumpels sind
16 und
17 Jahre alt, „Vollblut-Fußballer“, wie sie selbst sagen, die bei jedem Wetter spielen, selbstverständlich auch im Winter. Mirko Giallorenzos Mutter sagt, dass ihr Junge auf diesem Platz spielt, seit die Familie in die Südstadt gezogen ist. Da war er sechs. Der Scheffold-Schüler weiß nur, dass er hier kickt, seit er denken kann — mit Mustafa Gercek, der in seiner Klasse ist, aber auch mit anderen. Im Sommer kommen hier bis zu
20 Jungs im Alter zwischen
12 und
17 zusammen. Nicht weil der Platz eine Offenbarung ist: Auf Holzschnitzeln kicken ist, vor allem bei Nässe, ziemlich bescheuert; auf Schnee, sagt Mustafa, spielt es sich deutlich besser. Außerdem wie gesagt, macht das einzige Tor einen Höllenlärm. Aber es gibt nichts anderes.
Zwischen Südbahnhof, Zeiselberg, Klarenbergstraße und Pfeilhalde leben
5000 Menschen, doch Jugendliche haben hier keinen Raum, nicht einmal einen Platz, an dem sie geduldet sind. Rouven und seine Freunde haben’s am Klösterle versucht und wurden ebenfalls vertrieben. Sie waren in Bettringen, aber der Weg dorthin ist weit. Heute spielen sie im Verein, doch das reicht nicht aus: Sie wollen mehr, viel mehr. Schließlich dachten sie, wenn sie eine Grünpatenschaft übernähmen, wenn sie ihren Platz nur sauber genug hielten, würde das zu ihren Gunsten ausgelegt. Wurde es. Vor allem aber haben sie Unterstützer gefunden. August Ströbele vom Garten– und Friedhofswesen etwa hat alles in Bewegung gesetzt, damit am Tor noch in diesem Jahr ein Netz installiert wird — Lärm scheint das Hauptproblem zu sein. Stadtteilkoordinatorin Birgit Schmidt und Bürgermentor Peter Arnold brachten alle an einen Tisch, vermittelten, versöhnten. Arnold spricht „vom selben Problem wie auf dem Rehnenhof“, wo er mit Jugendlichen den Platz an der Miniramp angelegt hat: „Die Jungs gehen heim, die Schläger und Säufer kommen“. Dass andere als Rouven, Mirko und Mustafa abends und nachts in der Anlage sind, ist unbestritten. Derzeit ist es zu ungemütlich für die echten Krawallmacher; im Frühjahr aber wollen Polizei und kommunaler Ordnungsdienst die Anlage verstärkt kontrollieren. Mittlerweile steht Peter Arnold zufolge auch fest, wer den in seiner Ruhe gestörten Anlieger jüngst beleidigt hat — ebenfalls niemand, der mit den Kickern in Verbindung steht –, und sich auch entschuldigen soll. Der Bürgermentor ist sicher, dass die Jungs jetzt wieder auf ihren Platz dürfen. Damit sei es aber nicht getan. Er wünscht sich ein „Jes“-Projekt (Jugend engagiert sich) für die Südstadt, mit dem endlich ein echter Treffpunkt fürs Jungvolk entstehen könnte.
Schwäbisch Gmünd ist die einzige Jes-Kommune Ostwürttembergs; Bürgermeister Joachim Bläse sah mit Blick auf die Bürgerstiftung eine Möglichkeit, das
2008 beendete Projekt des Paritätischen Bildungswerkes in Gmünder Eigenregie weiterzuführen. Junge Leute, sagt Bläse, die ehrenamtlich etwas tun für die Gemeinschaft, die Schweiß und eigener Hände Arbeit geben, lernen fürs Leben. Und werten mit dem jes-Zertifikat, das „Sozialkompetenz“ und „Interesse an Bürgerschaftlichem Engagement“ bescheinigt, ihre Bewertung auf.
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