Heimatverein Untergröningen belebt eine uralte Tradition
Der mittelalterliche Säulensaal im Untergröninger Schloss war gestern Abend Schauplatz gleichermaßen sagenhafter und schauriger Geschichten. Selbst die Historie fehlte nicht.
ABTSGMÜND-UNTERGRÖNINGEN (fa) Die Verantwortlichen des Heimatvereins waren von der Besucherresonanz mehr als überrascht. Wie überall, so finden sich auch in und um Untergröningen Geschichten über sagenhafte Personen und Orte. Früher erzählte man sich diese Geschichten in Spinn– oder Lichtstuben, heute werden sie kaum noch mündlich weitergegeben. Für Edith Wannags ein triftiger Grund, diese auszuschreiben und in unterhaltsamer Form den Mitgliedern des Heimatvereins für eine Lesung zur Verfügung zu stellen.
Dicht gedrängt lauschten die Zuhörer
den Lesungen der Mitglieder des Heimatvereins im Säulensaal. Mit so vielen Besucher hätte man nicht gerechnet, freute sich die Vorsitzende des Heimatvereins, Barbara Weise, die den Auftakt zu Sagenabend machte.
Sie sagte zuvor, dass man mit der Auswahl der Sagen einen weiten Bogen von der Christianisierung der Region über die Reformation bis hin zur Entstehung der regionalen Wallfahrten spannen werde.
Die Sage vom Teufelsstein im Wald bei Dinkbühl gehe auf den ersten Einsiedler, zurück, der auf dem Berg über dem heutigen Schloss gelebt haben soll, berichtete Barbara Weise. Sogar König Ludwig der Fromme soll diesen der Sage nach besucht haben und zum Dank den Bau eines Kirchleins unterstützt haben. Dieses war dem Teufel jedoch ein Dorn im Auge und er beschloss vom höchsten Punkt der Region aus, dem Altenberg, einen riesigen Stein auf die Kirchenbaustelle zu werfen. Dank des christlichen Schutzschildes sei dieser jedoch schon beim Dinkbühl zu Boden gefallen, berichtet die Überlieferung. Das erste Kirchlein auf dem Heerberg soll entstanden sein, als der dortige fromme Einsiedler einem Liebespaar Schutz vor Verfolgung und somit Herberge gewährt haben soll. Dies berichtete Ortsvorsteherin Doreen Rüdiger-Schäufele. Allerdings könne der Name auch von einer alten Heerstraße abgeleitet worden sein, meinte sie.
Über die Kaiserjagd im Hag bei Schechingen wusste Christa Trinkle zu erzählen. Bei schaurigen Wetter könne heute noch Kaiser Barbarossa erscheinen, berichtet die Sage. Sagenhaftes und Historisches verband der Vortrag von Lisa Schepppach über den Heiligen Patrizius und die Entstehung der Hohenstadter Wallfahrt. In Gedichtform erinnerte Horst Schürger an die Untergröninger Sagengestalt des Kocherreiters, der noch heute vor den Fluten des Kochers warnen oder gelegentlich nächtliche Zecher erschrecken soll.
Jedes Schloss habe seine Gespenster, sagte Annemarie Schneikert und berichtete über die zweite bekannte Sagengestalt in Untergröningen, die Bierrappel. Gelegentlich habe es auch Erscheinungen einer Weisen Frau gegeben, sogar ein Kapuzinermönch soll im Schloss spuken, so berichten es zumindest die alten mündlichen Überlieferungen. Passend zu den schönen alten schaurigen Geschichten spielte das Ehepaar Werner und Irmgard Steeb mit seinen Töchtern Melanie, Jessica und Annette die passende Musik. Mit mittelalterlichen Liebesliedern oder einem Spottlied auf den Reliquienwahn über die Freifrau von Droste– Vischering begeisterten sie die Zuhörer. Nach den Vorträgen sorgten die „ Schlossgeister“ des Heimatvereins dafür, dass niemand hungrig oder durstig das Schloss verlassen musste.
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