Aus Schleckerland wird Kaufland /Überraschende Entscheidung in den beiden Firmenzentralen Ehingen und Neckarsulm trifft auch Schwäbisch Gmünd
Eine überraschende Nachricht kam gestern aus den Unternehmenszentralen der beiden „Gmünder Kaufhausriesen“ Kaufland und Schleckerland: Die Handelskette Kaufland übernimmt zum 1. Januar 2010 das SB-Warenhaus bei Hussenhofen. Die Auswirkungen auf die Einzelhandelsstruktur in Schwäbisch Gmünd bleiben noch abzuwarten.
SCHWÄBISCH GMÜND
(hs). Wie immer wieder mal zu hören war, gab es unter den Mitarbeitern beider bislang konkurrierenden Handelsketten schon seit längerer Zeit gewisse Anhaltspunkte für eine Neuorientierung der Marktpräsenz, insbesondere auf Seiten der in Ehingen beheimateten Firma Anton Schlecker. Auch war in jüngster Zeit die Kunde zu hören, dass der traditionelle und zwischenzeitlich europaweit engagierte Marktführer in der Drogeriebranche seine Geschäftsfelder optimieren wolle.
Der Einzelunternehmer Anton Schlecker beschäftigt zwischenzeitlich international über
50 000 Mitarbeiter. Die Firma ist für eine außergewöhnlich straffe und rationelle Unternehmensführung bekannt, was immer wieder auch Kritik der Gewerkschaften auf den Plan ruft. Doch abgesehen davon, eine bemerkenswerte schwäbische Erfolgsstory steckt im Namen Schlecker: In den
60er-Jahren startete Anton Schlecker ganz bodenständig in der Metzgerei seiner Eltern. In der
70er-Jahren eröffnete er den ersten Drogeriemarkt mit damals noch sensationeller Discount-Preisgestaltung.
20 Jahre später waren es bereits
10 000 Fillialen.
Zwischenzeitlich gibt es auch schon einen regen Internet-Handel, Bau– und Möbelmärkte, Warenhäuser und ein Großhandelsgeschäft unter der Regie von Anton Schlecker, der mit der Unternehmensform eines Einzelunternehmens mit seinem kompletten Privatvermögen für das Unternehmensrisiko einsteht, andererseits jedoch als Privatunternehmer nicht wie eine Gesellschaft Umsatz– und Gewinnzahlen veröffentlichen muss.
Kaufland-Geschäftsleitung: Die Arbeitsplätze sind sicher
Am Samstag nun die erste überraschende Notiz in der örtlichen Südwest-Presse am Firmensitz in Ehingen an der Donau: Schlecker wolle sein SB-Warenhaus im dortigen Einkaufszentrum Schleckerland an die Kaufland-Gruppe abgeben.
Schlecker-Pressesprecher Florian Baum bestätigte nun gestern auf Anfrage unserer Zeitung: Ja, diese Unternehmensentscheidung treffe auf alle Warenhaus-Standorte („Schleckerländer“) in Ehingen, Geislingen, Göppingen und Schwäbisch Gmünd zu. Als Gründe werden genannt: „Die SB-Warenhäuser zählen für Schlecker nicht zum Kerngeschäft. Im schärfer werdenden Wettbewerb und angesichts zunehmender Konkurrenz, vor allem durch Lebensmittel-Discounter, hat der weitere Betrieb der SB-Warenhäuser als Nebengeschäft keine erfolgreiche Zukunft mehr.“
Die Firma Anton Schlecker habe sich deshalb entschieden, die genannten SB-Warenhäuser an die Handelskette Kaufland zu vermieten. Auch dies wurde dann im Laufe des gestrigen Tages von der Kaufland-Zentrale, die in Neckarsulm ihren Sitz hat, bestätigt. Die Kaufland Stiftung
& Co. KG gehört zur Schwarz-Gruppe, unter deren Dach sich auch die Discounter-Kette Lidl befindet. Der Einstieg von Kaufland insbesondere ins Schleckerland Schwäbisch Gmünd wirkt natürlich sehr überraschend und wirft für die zukünftige Entwicklung des Einzelhandelsstandort Schwäbisch Gmünd durchaus auch bange Fragen auf. Denn Kaufland ist ja schon hier vertreten und der größte Mieter und Kundenmagnet im innerstädtischen Einkaufszentrum CityCenter. Immer wieder tauchten in der Vergangenheit Probleme im Zusammenhang mit dem beengten Standort in der Altstadt auf, insbesondere was die Logistik anbelangt. Andererseits hat Kaufland einen längerfristigen Mietvertrag abgeschlossen und profitiert von dieser zentralen Citylage augenscheinlich sehr. Könnte es dennoch passieren, dass sich Kaufland nun auf den neuen Standort vor den Toren der Stadt konzentriert? In den Presseverlautbarungen heißt es auch, dass alle Schleckermärkte nun umgebaut, modernisiert und auf das Kaufland-Konzept umgestellt werden. Die Planungen hierfür seien schon im Gang.
Auf konkrete Anfrage der Rems-Zeitung erklärte Andrea Kübler von der Kaufland-Pressestelle in Neckarsulm: Kaufland werde in Schwäbisch Gmünd zwei Märkte betreiben, also beide Standorte ins Konzept aufnehmen. Dies sei auch nichts Neues, denn „wir betreiben in zahlreichen Städten zwei oder mehr Märkte“. Weiter heißt es übereinstimmend von Schlecker und Kaufland, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernommen werden sollen. „Die Arbeitsplätze sind gesichert“, so steht’s schwarz auf weiß in der Kaufland-Presseerklärung. Im Schleckerland Schwäbisch Gmünd sind es immerhin
60 Arbeitsplätze, die von dieser wichtigen Frage tangiert sind.
Übernahme zum Jahreswechsel ohne Unterbrechung des Verkaufs
Die Übernahme des Schleckerland durch Kaufland, so Pressesprecherin Andrea Kübler weiter, erfolge reibungslos, der Verkauf werde nicht unterbrochen. Am Donnerstag,
31. Dezember, sei der letzte Einkaufstag im Schleckerland. Danach werde eine Übernahmeinventur durchgeführt und der Geschäftsbetrieb gehe zum Jahreswechsel an Kaufland über. Bereits am, Samstag,
2. Januar, können die Kunden dann ab
7 Uhr im neuen Kaufland zwischen Gmünd und Hussenhofen einkaufen.
Die gesamte Optik und natürlich die Hinweis– und Werbetafeln des bisherigen Schlecker-Warenhauses werde sogleich auch neu gestaltet.
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