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» Ostalbkreis | Mittwoch, 25. November 2009

Mögglinger Entsorgungsunternehmen ESA zieht nach Nattheim /​Böbinger Kläranlage überlastet

Mögglingen verliert in wenigen Monaten einen Betrieb, der nach Nattheim im Kreis Heidenheim umsiedelt. Die Firma ESA, eine Spezialfirma zur Filtration von Industrieabwasser, hat aufgrund fehlender Kapazitäten der kommunalen Kläranlage an der Rems keine Entwicklungsperspektiven mehr. Von Gerold Bauer

MÖGGLINGEN. Die Sammelkläranlage zwischen Böbingen und Zimmern nimmt im Rahmen des Abwasserzweckverbands auch den Inhalt der Mögglinger Kanalisation auf. Allerdings hat diese Anlage ihre Kapazitätsgrenzen — und genau darin liegt für die Firma ESA beziehungsweise für die Standortgemeinde das Problem. Denn es ist keineswegs so, dass das Mögglinger Entsorgungs– und Recyclingunternehmen irgendwelche Giftstoffe in den Gully kippen möchte. Was am Ende der Kanalisation zugeführt wird, sei nicht bedenklicher als gewöhnliches Abwasser aus den Haushalten, betont ESA-​Chef Frank Ackermann im Gespräch mit der RZ. Dies bestätigt auch Bürgermeister Ottmar Schweizer und verweist darauf, dass eine Kläranlage in der Dimension wie in Gmünd oder in Aalen damit keinerlei Probleme habe. Grundsätzlich hätte er die Firma ESA gerne weiterhin in Mögglingen gehabt, zumal es sich bei diesem Betrieb um ein sehr ordentlich arbeitendes Unternehmen handle, bei dem es nie Grund zur Beanstandung gegeben habe. „Doch die Mischung des gesamten Abwasser-​Cocktails überfordert eben unserer Verbandskläranlage nachweislich“, fügt der Mögglinger Schultes hinzu und erinnert an kleinere Störfälle. Um dieses Problem zu lösen, müsste laut Schweizer das Klärwerk bei Böbingen aufgerüstet werden. Dafür hätte man dann die Zusatzgebühr verwendet, die nun der Fa. ESA als „Starkverschmutzer“ aufgebürdet wurde — rund 10 000 Euro im Monat.
„Auf dieser Basis wäre ich in kurzer Zeit pleite“, kontert Frank Ackermann. Denn er stehe mit anderen Entsorgern im Wettbewerb, die diese Zusatzbelastung nicht einkalkulieren müssen. Mithin könner er die Mehrkosten auch nicht an Kunden — hauptsächlich Unternehmen aus dem Maschinenbaubereich — weitergeben. Darüber hinaus spüre die Fa. ESA natürlich auch die Wirtschaftskrise, denn wo weniger produziert werde, falle auch weniger Abwasser zur Reinigung an.
Natürlich habe er Verständnis für die Betreiber der Kläranlage, räumte Ackermann ein, machte aber keinen Hehl aus seinem Ärger. Denn der Umzug aus angemieteten Räumen (dort, wo auch die Integra untergebracht war) sei für ihn mit hohen Kosten verbunden. Neben der Kündigung eines langfristigen Mietvertrags sowie dem Aufwand für den Grundstückskauf samt Neubau in Nattheim komme auch noch der Verlust hinzu, der sich daraus ergebe, dass manche Anlagenteile nicht einfach mitgenommen werden könnten. Unterm Strich bedeute dies eine Investition von über zwei Millionen Euro für das relativ junge Unternehmen. Denn es ist gerade elf Jahre her, dass der damals 31-​jährige Ackermann als Existenzgründer in Mögglingen begonnen hat.
In Sachen Abwasser war Ackermann schon damals ein Profi. Denn als „Meister für die Ver– und Entsorgung, Fachrichtung Wasser“ brachte er sowohl Erfahrung von kommunalen Kläranlagen als auch von der Industrie mit. Als einer, der beide Seiten und die jeweiligen Bedürfnisse kennt, gründete er seine Firma als „Schnittstelle“ zwischen Industrie und Kommune. Mit Tanklastern holt er Abwasser aus der Industrie (zum Beispiel Kühl-​Emulsionen für Bohr– und Fräsmaschinen) ab, filtert in seiner Anlage die öligen Bestandteile und andere Stoffe heraus. Diese werden unter anderem in Raffinerien der Wiederverwertung zugeführt.
Was den Unternehmer am meisten ärgert ist der Umstand, dass bei der Firmengründung und Jahre später bei einer Erweiterung im Rahmen des sehr aufwändigen Genehmigungsverfahrens auch der Abwasserzweckverband Lauter-​Rems keine Bedenken gegen seinen Betrieb anmeldete. Sonst hätte er sich doch damals einen anderen Standort gesucht. „Aber ich habe aus diesen Erfahrungen gelernt und am neuen Standort die Entwicklungsperspektiven langfristig vertraglich abgesichert!“, so Ackermann.
 

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