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» Ostalbkreis | Freitag, 27. November 2009

Jürgen Teuchert stellte für die Waldstetter Gleitschirmflieger einen neuen Rekord auf

Es gibt sie noch, die Tage, da passt einfach alles – und dann kommt noch das entsprechende Quäntchen Glück hinzu. So erging es Jürgen Teuchert bei seinem 122-​Kilometer-​Flug mit dem Gleitschirm vom Startplatz an der Skihütte in Waldstetten zum Bodensee.

WALDSTETTEN (pm). Ende Mai stellte sich eine aussichtsreiche Nordostwind-​Lage mit eher etwas mehr nördlicheren Windrichtungen ein und ließ kalte, trockene Festlandsluft und dementsprechend gute Thermik erwarten. Dies veranlasste Jürgen Teuchert einen seiner lang gehegten Träume anzupacken: „Einmal von unserem kleinen 35-​Meter-​Hügel in den Schwarzwald fliegen“. Normalerweise erschwert die Kontrollzone des Flughafen Stuttgarts das Weiterkommen aufgrund der Höhenbeschränkungen beträchtlich. Doch durch die nördliche Höhenströmung sollte es möglich sein, die Albhochfläche zu erreichen und damit außerhalb des Beschränkungsgebiets fliegen zu können.
Mit diesem Traum im Kopf fand sich Jürgen Teuchert eher spät am Startplatz in Waldstetten ein, an welchem seine Fliegerkollegen bereits wartend saßen, um auf schwächeren Wind zu warten, da starke thermische Böen am Startplatz durchfegten. Dies hielt ihn aber nicht von seinem Vorhaben ab, so dass er sich startbereit machte und in einer schwächeren Windphase in die Luft begab.
Relativ schnell konnte er er den Stuifen anfliegen, jedoch reichte diese Höhe noch nicht zum wegfliegen. Eine schöne Cumuluswolke über Waldstetten versprach jedoch bessere Thermik. Zielstrebig wurde diese angesteuert und es ging wie erwartet mit 34 m/​s auf ca.1600 Meter nach oben, wo die maximal erlaubte Flughöhe fast erreicht war.
Der Wind versetzte ihn dabei schnell über Wißgoldingen hinweg Richtung Donzdorf. Es folgte eine lange Gleitstrecke in Richtung Filstal um dort eine neue Thermik zu suchen was auch gelang. Da er sich immer noch im Segelflugsektor Alb-​Nord befand, der auf 6000 Fuß freigegeben war, musste er bei 1826 Metern aus seinem „Lift“ leider aussteigen und den Flug fortsetzen.
Ab der A 8 zwischen Wiesensteig und Merklingen konnte nun aber die Thermikhöhe voll ausgenutzt werden, da er sich außerhalb des Beschränkungsgebiets des Flughafens Stuttgart befand. In der klaren Luft, waren am Horizont bereits die Alpen zu erkennen, was ein enormer Ansporn war.
Es folgten noch schwierige Passagen auf dem Flug, die jeweils zu niedriger Höhe und damit fast zur Landung führten. Mit folgenden Worte beschreibt Jürgen Teuchert die schwierige Flugsituation: „Gedanklich hab ich mir schon einen Landeplatz ausgesucht. Doch gelandet ist man erst, wenn die Füße am Boden stehen. Viele noch unbestellte Äcker und die unruhiger werdende Luft, veranlassten mich, durch Suchschleifen noch Thermik zu finden. Plötzlich reißt mich eine Böe nach oben. Zweimal falle ich beim Zentrieren wieder raus, dabei versetzt es mich immer weiter über eine ansteigende Waldfläche. Wenn ich nochmals raus falle, sitze ich im Wald.“
Gleitschirmfliegen kann ganz schön aufregend sein. Nach fast drei Stunden Flugzeit neigt sich das Abenteuer dem Ende zu. Der funkelnde Bodensee mit unzähligen kleine Segelbooten taucht vor ihm auf. Und Jürgen Teuchert landet um 17:50 Uhr in der Nähe von Stockach.
Mit einem breiten Grinsen im Gesicht, aufgrund des gelungenen Fluges, beginnt nun das zweite Abenteuer des Tages: Die Heimreise nach Waldstetten.
Mit diesem Flug hält Jürgen Teuchert den aktuellen Streckenrekord mit 122 Kilometern von dem kleinen 35-​Meter-​Hügel an der Skihütte in Waldstetten.
 

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