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» Ostalbkreis | Sonntag, 29. November 2009

Aussage eines Siebtklässlers der Waldstetter Bergschule wurde von anderen als Bedrohung empfunden

eit dem Amoklauf von Winnenden ist die Bevölkerung sehr hellhörig geworden, wenn Jugendliche Dinge sagen, die man als Bedrohung verstehen kann. So geschehen nun auch in Waldstetten, wo das Gerücht über einen angedrohten Amoklauf an der Bergschule die Runde macht. „Weniger als nichts“ – so stufte die Polizei den tatsächlichen Grad der Bedrohung ein. Von Gerold Bauer

WALDSTETTEN. Schon am Montag gab es wohl zwischen Schülern der Bergschule, auf dem Weg von zu Hause zum Nachmittagsunterricht, eine Unterhaltung, deren Inhalt subjektiv als bedrohlich wahrgenommen wurde. Deshalb wurden die Informationen weiter gegeben und kamen schließlich auch der Schulleitung zu Ohren. Spätestens seit den tragischen Vorkommnissen von Winnenden könne man so etwas natürlich nicht einfach auf die leichte Schulter nehmen, räumte Bergschulrektor Wolfgang Göser im Gespräch mit der Rems-​Zeitung ein. Er habe deshalb alles Nötige in die Wege geleitet, um zu überprüfen, was an der Sache wirklich dran ist. Leider nicht verhindern konnte Göser, dass unterdessen der Vorfall durch die Gerüchteküche dramatisiert wurde. „Jeder, der es weiter erzählt, dichtet noch selbst etwas dazu. Man weiß ja, wie dies bei Gerüchten so ist“.
Göser hat sich zwischenzeitlich mit dem beschuldigten Schüler, einem Siebtklässler, ausführlich unterhalten und dabei die Erkenntnis gewonnen, dass es zu keinem Zeitpunkt eine ernstgemeinte Bedrohung gab. Auf Schwäbisch würde man das Ganze als „domms G’schwätz“ bezeichnen, und dem Jungen sei erst bei der Besprechung klar geworden, was seine Aussagen bewirkt haben.
Göser verwies darauf, dass es an der Bergschule schon vor dem Winnendener Amoklauf einen Kriseninterventionsplan gegeben habe. Er und alle Lehrer könnten jederzeit miteinander Kontakt aufnehmen oder per vereinbartem Code-​Wort über die Lautsprecheranlage eine Warnung in alle Räume zu übermitteln. Darüber hinaus habe das Thema „Gewaltprävention“ an der Bergschule einen hohen Stellwert. Selbstverständlich, so der Rektor, sei der Amoklauf von Winnenden auch in Waldstetten mit den Schülerinnen und Schülern besprochen und pädagogisch aufgearbeitet worden.
Auch im aktuellen „Fall“, der ja gottlob gar kein Fall war, gehe es ihm darum, nun pädagogisch richtig zu handeln. Keineswegs wolle man den Siebtklässler nun stigmatisieren, sprich als potentiellen Gewalttäter brandmarken. „Wir werden auf das Ganze mit Augenmaß und Verhältnismäßigkeit reagieren“, versicherte der erfahrene Schulleiter gegenüber der Rems-​Zeitung.
Aus polizeilicher Sicht gebe es keinen Handlungsbedarf, informierte Bernhard Kohn, Pressesprecher der Polizeidirektion Aalen, auf Nachfrage der Rems-​Zeitung. Die Ermittlungen vor Ort haben laut Kohn ergeben, dass es weder einen Straftatbestand noch eine reale Bedrohung gegeben habe. Der Polizei sei es nicht einmal gelungen, jemanden zu finden, der bestätigt, diese angebliche Bedrohung selbst gehört zu haben.
Grundsätzlich sei die Polizei natürlich sehr dankbar, dass die Bevölkerung sensibler geworden ist. Dadurch erhöhe sich die Chance, dass die Beamten bei ernstgemeinten Drohungen rechtzeitig eingreifen können. Allerdings gelte es zu verhindern, dass aus einer gesunden Wachsamkeit eine überängstliche Hysterie werde. „Die Zahl der verdächtigen Äußerungen hat keineswegs zu genommen“, beruhigte Kohn, „aber die Aussagen werden heute anders bewertet und eher angezeigt, als dies früher der Fall war.“
Dies sei im Grundsatz auch völlig richtig und willkommen, denn es sei schließlich Aufgabe der Polizei, einem Verdacht nachzugehen. Allerdings wünscht sich Kohn, dass ein solcher Verdacht dann nicht gleich unter die Leute gebracht wird. Es sei besser, wenn die Polizei in Ruhe etwas überprüfen kann. Außerdem werde auf diese Weise vermieden, dass der Ruf von jemandem leidet, der sich bei der Ermittlung als unschuldig erweist.
 

Kommentare

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  1. Hysterie
    Diese Hysterie haben wir den Medien zu verdanken, die mit den Taten von Winnenden und Wendlingen massig Kohle gemacht haben, die die Leute aufstacheln und zur Nachahmung verführen, am nächsten sogen. Amoklauf haben Focus, Bild u.ä. einen großen Anteil.
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