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» Schwäbisch Gmünd | Sonntag, 08. November 2009

HfG: Versackt sie in der Dauerbaustelle? Angst um Weiterbestand der Hochschule für Gestaltung

ünf Millionen Euro werden an der Hochschule für Gestaltung in einem ersten, jetzt anlaufenden Sanierungsabschnitt verbaut. Wie es dann weitergeht, ist offen. Rektorin Cristina Salerno ist beunruhigt: „Wir vermissen schmerzlich ein Gesamtkonzept.“ Der Hochschule komme die Perspektive für die Zukunft abhanden.

SCHWÄBISCH GMÜND (rw). Noch nie erschien die seit gut fünf Jahren amtierende Rektorin Cristina Salerno so beunruhigt wie in dem gestern mit der RZ geführten Gespräch. Niemand an der Hochschule wisse, wie es nach dem ersten Bauabschnitt, der mit Bundesmitteln aus dem Konjunkturpaket II finanziert ist, weitergehe: „Studenten ertragen viel, und auch die Hochschule kann vieles kompensieren. Aber es gibt Grenzen des Machbaren.“ Die Grenze, das ist in diesem Fall die drohende Dauerbaustelle. Seit langem hängen überall Kabel, die Deckenbeleuchtung ist so provisorisch wie schummrig, und überall sind die Deckenbohrungen nur notdürftig abgedeckt. Wer will, kann durch Löcher von einem Stockwerk ins nächste schauen. Vom allgemeinen Abnutzungszustand ganz zu schweigen. Die letzte eher dekorative Renovierung fand in den frühen 80er –ahren statt. Im Haupt-​Hörsaal sind in jeder Reihe defekte Sitze nach unten geklappt – sicherheitshalber, damit sich keiner mehr drauf setzt und mit dem Kinn aufs Pult schlägt. Die Siebdruckmaschine darf nicht mehr benutzt werden, weil die Decke ihre Vibrationen nicht mehr erträgt. CNC-​Fräsmaschinen, unerlässlich für den Modellbau, dürfen aus Brandschutzgründen nicht mehr nachts durchlaufen.
Untersuchungen zur Brandschutzertüchtigung hatten den erschreckend schlechten Zustand des denkmalgeschützten, genau 100 Jahre alten Bauwerks vor zwei Jahren ans Licht gebracht. Bis dahin war ohnehin schon Sanierungsbedarf aufgelaufen. Nachdem sich Überlegungen, die ganze HfG mit ihren derzeit knapp 500 Studenten auf das Ritz-​Areal auszulagern, zerschlagen hatte, arbeitete das Staatliche Hochbauamt einen Vorschlag zur Teilauslagerung der Hochschule aus: Im Garten der Alten PH — ebenfalls eine Landesimmobilie – soll demnach im Frühjahr 2010 ein Containerriegel mit 2000 Quadratmeter Nutzfläche bereitgestellt werden, die Hälfte der Fläche des Gebäudes in der Rektor-​Klaus-​Straße. Die Teilung sollte 20 Monate dauern (die RZ berichtete am 5. Oktober). Diesen Vorschlag betrachtet die Rektorin mittlerweile mit äußerster Skepsis. Sie befürchtet, dass der Studienbetrieb unter zusätzlichen Belastungen leidet und eine Weiterentwicklung nicht mehr möglich ist.
Die größte Sorge macht Cristina Salerno jedoch der Umstand, dass nach der Sanierung des aus den 50er-​Jahren stammenden Nordflügels ungewiss ist, wie es weitergeht. Dabei sei dieser Gebäudeteil, in dem überwiegend Werkstätten und das Rechenzentrum untergebracht sind, noch der am besten erhaltene Teil – hier werde begonnen, weil es am schnellsten gehe und die wenigsten Konflikte mit dem Denkmalschutz bestehen.
„Die eigentlichen Problemlagen bestehen aber im Museumsbau und im Flügel an der Rektor-​Klaus-​Straße. Und da kann uns niemand sagen, wann etwas geschieht.“ Dabei finde der eigentliche Studienbetrieb genau in diesen Gebäudeteilen statt, „hier spielt die Musik, hier wird studiert.“ Das Land wiederum steckt in einer krisenhaften Finanzklemme, die jede Etatisierung erschwert. Salerno: „Die Sanierung der Gmünder HfG kommt in der mittelfristigen Finanzplanung nicht einmal vor.“ Sie fürchtet eine Baustelle, die sich über lange Jahre hinzieht – unter solchen Umständen würden Studieninteressierte abwinken, trotz des hervorragenden Rufs, den die Gmünder Hochschule genießt.
Ihre Einzigartigkeit verdankt sie nicht zuletzt dem Umstand, dass sie so klein ist: Hier sei ein interdisziplinäres Studium möglich, sagen die AStA-​Mitglieder Olga Grischtschenko, Gero Nicklas, Julia Stäbler und Timo Röhrig. Für sich selbst, die überwiegend im dritten Semester stehen, sind sie noch einigermaßen zuversichtlich: „Irgendwie wird’s schon klappen“, sagt Olga Grischtschenko, „ein bissle Angst haben wir schon.“ Und zwar nicht nur Angst um das eigene Studium unter den noch mehr erschwerten Bedingungen einer auf Container verteilten Hochschule, sondern um den Bestand der HfG schlechthin.
Denn der gute Ruf der HfG verbreitet sich vorwiegend über Mundpropaganda. Es ist nicht die Stadt, wegen der Design-​Studienwillige nach Gmünd kommen – Berlin ist allemal attraktiver. Es sind das Niveau und der Wert der Ausbildung, die hier reizen. Dafür sprechen die Studentenzahlen: Die HfG verzeichnete für das Wintersemester eine Rekordbewerberzahl von 234; 99 Erstsemester begannen jüngst. Die HfG hat ihre Kapazitätsgrenze erreicht, der neue Studiengang Interaktionsgestaltung hat Zulauf. Die geringe Größe könnte der HfG indes zum Verhängnis werden – dann, wenn die Strukturdebatten im Land wieder losgehen.
Es brauche jetzt Anstrengungen der Stadt, des Landkreises und des Landes, um diese Hochschule in Gmünd zu erhalten, mahnt Cristina Salerno. Bei OB Arnold und Landrat Klaus Pavel rennt sie offene Türen ein, beim Land – die entscheidende Größe – weiß sie es nicht. Für sie gibt es eine Konsequenz: „Man muss den Mut haben zu sagen: Die HfG ist etwas wert, und das Gebäude auch. Aber beide müssen nicht zusammen sein.“ Als mögliche Lösung erscheint ihr die vollständige, nicht nur teilweise Unterbringung der Hochschule in einem vom Land anzumietenden Neubau am Bahnhofs-​Boulevard der Landesgartenschau. So verfahre das Land auch an anderen Hochschulstandorten, beispielsweise in Aalen.
„Zehn Jahre halte ich das nicht mehr aus“, sagt die Rektorin. Und die HfG wohl auch nicht.
 

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