Böbingen freut sich über Engagement von Jugendlichen und lässt sich das selbstverwaltete Jugendzentrum etwas kosten
Mit großer Freude nahm der Böbinger Gemeinderat zur Kenntnis, dass sich eine engagierte Gruppe Jugendlicher zusammengeschlossen hat, um den kommunalen Jugendraum „Bäbo“ mit viel Eigenleistung zu renovieren und dann als Treffpunkt zu nutzen. Die Gemeinde zeigt sich daher spendabel. Von Gerold Bauer
BÖBINGEN. Es liegt in der Natur, dass aus Jugendlichen irgendwann Erwachsene werden. So geschehen auch mit den Stammgästen im Böbinger Jugendraum. In den vergangenen Jahren verkehrten dort überwiegend junge Böbinger, die das
20. Lebensjahr schon überschritten hatten. Um dem Jugendraum seine ursprüngliche Bedeutung als Treffpunkt für unter
18-Jährige zurückzugeben, ergriff die Gemeinde Böbingen die Initiative. Federführend dabei waren Gemeinderätin Gabi Ernst und Christine Bart von der Gemeindeverwaltung. Bei einem Gespräch mit den Fachleuten vom Kreisjugendring wurde das Ziel formuliert: Man möchte keine professionell betreute kommunale Jugendarbeit etablieren, sondern das klassische „selbstverwaltete Jugendzentrum“ wieder aufleben lassen.
Zu diesem Zweck wurde zu einem Jugendforum eingeladen, an dem neben den genannten auch noch Gemeinderat Dieter Prölß und insgesamt
46 Jugendliche teilnahmen. Dieses Jugendforum fand im Mai
2009 statt. Eine Besichtigung des „Bäbo“ ergab einen erheblichen Sanierungsbedarf; darüber hinaus wurden Wünsche der Jugendlichen notiert und eine Liste mit Arbeitswilligen für die ehrenamtliche „Bäbo“-Renovierung angefertigt.
Mehrere Besprechungen folgten unmittelbar auf dem Fuß und schon im Juni wurde begonnen, die Wünsche in die Tat umzusetzen. Die jungen Leute machten sich tatkräftig ans Werk, um den Raum zu entrümpeln. Unter anderem wurden die vorhandenen Podien entfernt. Auch die von einem Wasserschaden in Mitleidenschaft gezogene Theke musste raus.
Bei einigen Arbeiten stellte sich schon bald heraus, dass der Zustand der Räumlichkeiten wesentlich desolater war, als zunächst angenommen, und man um eine professionelle Mitwirkung von Fachkräften (Bodenleger-, Sanitär– und Elektroarbeiten) nicht herumkommen wird. Trotz der vielen arbeitswilligen und fleißigen Jugendlichen war das ursprünglich im Haushaltsplan veranschlagte und bewilligte Budget von
10 000 Euro schnell aufgebraucht war. Deshalb bat Gemeinderätin Gabi Ernst (die dem Gremium in der Sitzung am Montag ausführlich Rechenschaft über die Verwendung der bisher vom Gemeinderat bewilligten Mittel ablegte) um weiteres Geld. Um das begonnene Renovierungsprojekt zu einem sinnvollen Abschluss zu bringen, seien weitere kommunale Mittel in Höhe von nochmals
10 000 Euro erforderlich. Darin enthalten sind auch die Materialkosten für die Möblierung, die von den Jugendlichen und Anleitung von Jürgen Bart selbst gebaut wird.
Mit der Renovierung solle, so die Konzeption, auch die Ausweitung des Angebots erfolgen. Der Jugendraum sollte auch für eine „Nachwuchsgruppe“ im Alter von
12 bis
13 Jahren offen sein — wobei für diese ganz jungen „Bäbo“-Besucher durch ehrenamtliche Kräfte ein sinnvolles Freizeitprogramm geboten werden soll. Um dieses Modell umzusetzen, seien jährlich
2100 Euro nötig, die man als so genannte „Übungsleiterpauschale“ an die ehrenamtlichen Betreuungskräfte auszahlen sollte, schlug Gabi Ernst dem Gemeinderat vor. Wenn das Ehrenamt auf diese Weise ein wenig den Charakter eines „Mini-Jobs“ bekomme, schaffe dies auch den Anreiz, sich zu engagieren und biete Gewähr, dass die Angebote auch zuverlässig und dauerhaft stattfinden.
Die Gemeinderätin machte außerdem darauf aufmerksam, dass die etwas veränderte Konzeption des Jugendraums „Bäbo“ auch aus geänderten Jugendschutz-Bestimmungen resultiere. „Jugendschutz wird heute ernster genommen als früher. Die Erwachsenen, in diesem Falle auch die Gemeinde, werden in die Pflicht genommen, dass die gesetzlichen Vorgaben bezüglich des Konsums von Alkohol, Nikotin und anderen Drogen sowie die Aufenthaltszeiten eingehalten werden“, unterstrich Gabi Ernst. Wolle man nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen, sei deshalb auch eine klare Trennung der Altergruppen erforderlich. Zudem hatten sich die Erwachsenen und die Jugend in der Vorbesprechung darauf verständigt, dass auswärtigen Besucher nur als Gäste in Begleitung von Böbingern Zugang zum „Bäbo“ gewährt werde.
Ihre Bitte an die Gemeinde, respektive an den Gemeinderat, um weitere finanzielle Unterstützung, untermauerte Gabi Ernst mit dem Hinweis, dass die Jugendlichen — nicht zuletzt durch ihren freiwilligen Arbeitseinsatz beim Renovieren — in das öffentliche Leben integriert werden. „Wenn Sie sich die jungen Familien anschauen, die heute ihre Häuser in den Böbinger Neubaugebieten bauen, stellen Sie fest, dass darunter viele sind, die als Jugendliche das „Bäbo“ besucht haben.
Gemeinderat August Freudenreich lobte die Bereitschaft der jungen Böbinger zum ehrenamtlichen Arbeitseinsatz. „Jene haben gezeigt, dass sie bereit sind, sich fürs Gemeinwohl zu engagieren. Deshalb ist es für uns ein Gebot der Dankbarkeit, das nötige Geld zur Verfügung zu stellen“, sagte er. Nach einigen Detailfragen wurde das beantragte Budget (einmalig
10 000 Euro sowie die Übungsleiter-Jahrespauschale von
2100 Euro ohne Gegenstimme beschlossen.
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