Einen ganzen Tag und zwei Nächte haben die PH-Studenten als streikende Hörsaal-Besetzer hinter sich da ist Ausdauer gefragt
Sie sind zwar als letzte PH auf den Streikzug gesprungen. Jedoch nicht minder intensiv. Mit viel Einsatz und Improvisationsgeschick der Studenten haben sich im besetzten Hörsaal 1, dem größten, Arbeitsgruppen gebildet. Diese erarbeiten Forderungskataloge, und stimmen sich mit anderen Hochschulen im Land ab. Und – es weihnachtet. Von Giovanni Deriu
SCHWÄBISCH GMÜND. Von wegen der Weihnachtsbaum brennt – das längst geplante „PH-Weihnachtsfest“ ging gestern Abend über die Bühne, und auch im besetzten Hörsaal der Pädagogischen Hochschule mutete es weihnachtlich an. Es standen noch etliche Schoko-Nikoläuse in einem aufgerissenen Karton. Doch die Studenten haben sich im Griff, mit dem Proviant und der Reserveration gehen sie genauso sparsam um, wie die Landesregierung in Sachen Bildungspolitik. Sie muss aufpassen, dass sie im Zuge des Streiks nicht „verschlungen“ wird, denn der Hunger der Studenten nach mehr und besserer – vor allem aber, gerechterer Bildung steigt. Und, von wegen die Studenten „lümmeln“ nur im oder vor dem Hörsaal herum. Mitnichten. Es herrschte gestern eine Mischung aus eifriger Betriebsamkeit (viele Laptops summten, und es wurde auf ihnen eingetippt) und einem vorweihnachtlichen Happening. Ein Student sang passend zu den Softrock-Klängen seiner Gitarre, ein bisschen Zeitvertreib. So ganz kuschelig mochte es dann Andre Knaus, das AStA-Mitglied und Streik-Koordinator, dann doch nicht: „Wir müssen aufpassen, dass der Streik nicht nur als Friedenskundgebung wahrgenommen wird.“
Der Streik soll noch eine Weile andauern, mindestens bis zum März, und alle Studenten tauschen sich nun, wie die Arbeitsgruppe „Öffentlichkeitsarbeit“ um Christian Ostertag und Lisa Hofmann, mit anderen PHs und Hochschulen aus. Für Januar, so die „Grobplanung“, sei eine Kundgebung in der Landeshauptstadt geplant. Die Hochschulen sind am Koordinieren. Bis dahin sollen auch die Slogans wie „Bildung ist mehr wert“ in die Gesellschaft, „sowie an die Oberstufen der Gymnasien“ getragen werden, wie Lisa Hofmann festhält, denn dort seien ja die kommenden Studenten. In der
12 Mann und „Frau“ starken PR-Arbeitsgruppe laufen die Fäden zusammen, und dort bringen es die Studenten auf den Punkt, was ihnen so stinkt. „Natürlich“ solle es zu Reaktionen von Seiten der Politik(er) kommen, unterstreicht Franziska Totzeck. Politiker könnten gern „hier her“ kommen, um sich ein Bild zu machen und sich um zu hören: „Die Mängel hier sind doch überall sichtbar“, sagt Totzeck und andere stimmen ihr zu. Nicht nur der Mangel an Dozenten und Seminarstunden. Sie haben Wut im Bauch, und zeigen sich deshalb „solidarisch“ mit den anderen Hochschulen, meinen Miriam Ludwig, Heike Eitle und Markus Rehm. Eitle und Ludwig müssen für das Fach Musik gar an die PH in die Stadt – „nicht wirklich optimal“, so die beiden. Ganz zu schweigen von den unsozialen „Studiengebühren“, und das vereint die Studenten landesweit. „Betteln“ möchten die Studenten nicht, aber auf Unterstützung aus der Bevölkerung hoffen sie doch, wie AStA-Mitglieder sagen. An die
40 Studenten übernachteten im Hörsaal („naja, es ging so“, meinten einige), und draußen wurden knapp
60 Würste, viele Käse-Packungen und noch „mehr Brot“ gereicht. Brot von Gmünder Tankstellen, so Daniel Truppel. Leerer Bauch studiert und streikt auch nicht gern. Die Besetzung läuft quasi in Schichten, Vorlesungen werden besucht, andere Studenten, die gerade am „Besetzen“ sind, werden später informiert. Gelernt wird also dennoch, denn die Prüfungen müssen „wir ja dennoch absolvieren“, sagt eine Studentin. Auf alle Fälle möchten die Studenten noch viel Präsenz zeigen, ist sich die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit einig, und vor allem Unterstützer „akquirieren“. Schließlich müssen noch Flyer, T-Shirts und Veranstaltungen geplant werden. Es geht also alles „gesittet“ zu. Der Wunsch von Rektor Hans-Jürgen Albers wird respektiert. Wie meinte Albers vorgestern? „Ach, so lang sie die PH nicht abreißen …“
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