Im Ganztagsschulkonzept der Rauchbeinschule hat nun in Kooperation mit St. Loreto die Theaterpädagogik Einzug erhalten
Ganz großes Kino, pardon, Improvisationstheater zeigen die jungen Darsteller der Rauchbeinschule unter Anleitung von „Studenten“ des Institut für Soziale Berufe Schwäbisch Gmünd. Wo sonst erlebt man Astronauten und den Tod auf der Bühne in so zahlreichen wie haarsträubenden Facetten? Von Giovanni Deriu
SCHWÄBISCH GMÜND. Sie haben wohl alle im Vormittagsunterricht lang genug still sitzen müssen. Zu den „G-T-S“-Stunden des Ganztagsschulkonzeptes der Rauchbeinschule erscheinen am frühen Nachmittag wahre Energiebündel, die vor Power, Fantasie und Einfallsreichtum nur so „sprühen“. Und wenn dann auch noch die Presse anwesend ist, ja dann beginnt das bunte Treiben, Necken und Kräftemessen schon vor dem eigentlichen Improvisationstheater.
Gemach, gemach, gleich dürfen alle gemeinsam den Affen machen. Das gehört zum ausgearbeiteten Konzept der Theaterpädagogin Silke Dangelmaier und den
16 angehenden Jugend– und Heimerziehern. Die Gruppe aus dem Institut für Soziale Berufe (der Bildungsakademie St. Loreto) übernimmt nämlich das Kommando – macht aber selbst auch aktiv mit. So taut das Eis schnell, Vertrauen ist schnell gegeben, und auch die Schüler der Klasse
8 a machen mit. Studenten und Schüler kennen sich untereinander von vergangenen „Workshops“ in der Turnhalle der Rauchbeinschule. Aber – auch an Regeln gilt es sich zu halten. Hanna Weissinger und Ramona Hager, die die „Theaterpädagogik“-Stunde vorbereitet haben, gehen sie mit den Schülern durch. Richtig, wenn einer redet, „hören alle anderen zu“, stimmen sie der Schülerin zu. Müsse doch zwischendurch gefragt werden, gilt das „Handzeichen“ – eine andere Schülerin macht es vor: eine Hand in die Höh’, die andere wandert vor den Mund. Dann geht’s endlich los. Hanna Weissinger macht als Leiterin die Ansage, die Musik läuft, alle sollen im Raum durcheinander laufen, dann senkt sich die Musik, und die Leiterin gibt die Situation vor: „Alle gehen wie … Astronauten“ – es kehrt tatsächlich schwebende Ruhe ein, Studenten und Schüler stellen sich die Schwerelosigkeit vor, behalten aber gottseidank die Bodenhaftung. Es folgt wieder Musik – Hanna: „Alle gehen wie … Affen!“ Na, endlich, die Wilhelma lässt grüßen. Die Schüler toben sich aus, und sorgen für ein wahres „Affentheater“. Dann die Elefanten. Es folgt das Gegröle bei der Spielszene der „Betrunkenen“, auch beim „Partymachen“ geht die Post ab – mehr Kreativität ist von den Jungschauspielern dann als „Roboter“ gefragt.
Es wird das szenische Spielen geübt und am Ende steht der Bühnentod
Und noch mehr Einfallsreichtum, als immer zwei, drei Schüler und Studenten gemeinsam, vorgegebene Szenen spielen, oder vielmehr, nachempfinden sollen. Am Ende jeder Szene steht der „Tod“. Die übrigen Schüler (Publikum) machen Vorschläge: „Tod beim Baden durch Quietschente“, wird glatt umgesetzt, Junge und Mädchen schwimmen, Er drückt die Gummiente – einen Schock erleidet die Schülerin, sie stirbt „theatralisch“. Lachen und Applaus. Es folgen der Tod mit dem Handschuh bei der „
GOA“, das Sterben beim Zuckerwatte-Kauf auf der Kirmes, und der Tod beim Friseur. Zeit zur Vorbereitung bleibt kaum, die „Schauspieler“ müssen quasi aus dem Stand improvisieren, ihre Gedanken schnell ordnen und dann drauf los spielen. Kurz sind die Szenen, aber prall gefüllt mit Einfällen und Witz. Phantasie ohne Grenzen. Das Feedback anschließend im Kreis fällt überwiegend positiv aus, jeder äußert sich – was besonders gut war – was weniger gefallen hat. Auch das gehört dazu. Es soll Spaß machen, aber Erlerntes und „Reflektiertes“ soll auch hängen bleiben, wie Theaterpädagogin Dangelmaier und der Bereichsleiter am Institut für Soziale Berufe, Markus Mayer-Wunderlich, festhalten.
Es gehören aber immer zwei kooperative Partner zu solch einem Projekt. Deshalb sind Bereichsleiter Wunderlich und Theaterpädagogin Dangelmaier auch froh, dass sich mit der Rauchbeinschule eine „Partnerschaft“ aufgetan hat, die offen für eine „Vernetzung“ gewesen sei – von Beginn an. Wunderlich sieht den Nutzen auf beiden Seiten: „Unsere Studenten lernen Dinge, und wenden diese in der Praxis auch an“. Möglichst später als ausgebildete Pfleger und Heimerzieher in sozialen Einrichtungen. Aber auch die Klasse an der Rauchbeinschule solle möglichst profitieren – was sie auch tut, wie der
8a-Klassenlehrer Dieter Schulte bestätigt: „Die Schüler freuen sich auf diese Freizeitstunden an der Schule“, und noch besser, sie „identifizieren“ sich mit diesem Projekt. Zudem verbessere sich das „Klassenklima“ bei den Studenten wie bei den Schülern. Da zeigen plötzlich Schüler „Offenheit“ und viele „Talente“, von denen man es gar nicht vermutet hätte, bezeugen Dangelmaier wie Schulte. Nur ein kleines Manko hebt der Klassenlehrer hervor – auch hier Improvisation: „Nicht immer ist ein Übungsraum frei.“
Die angehenden Erzieher lernen Dinge, die sie auch anwenden
Das „Theater-Projekt“ an der Ganztagsschule deckt „wichtige“ Gebiete ab. Geist und Körper würden gefordert und gefördert. Da wäre die Sprache, „Sie teilen sich mit“, dann die „Bewegung“ in den verschiedensten Situationen. Aber auch der Wechsel von Spannung und „Entspannung“ sei gegeben, und sehr wichtig. Könne sich jemand eben nicht so gewandt auf der sprachlichen Ebene mitteilen, dann gehe das über den Körper. Jedenfalls, so Dangelmaier, ist die Unterrichtsvorbereitung und Planung ihrer „Studenten“ für das Projekt vorab immens wichtig, sowie das „Reflektieren“ der Stunde am Ende mit den Beteiligten.
Und mit der richtigen „Dramaturgie“, so die Pädagogin, lassen sich auch eingefahrene „Rollenmuster“ aufbrechen. Und das, hat den Schülern bestens gefallen.
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