Landrat Klaus Pavel und OB Arnold wollen am Montag ein Ergebnis aus Stuttgart mitbringen: die HfG-Gesamtauslagerung
Aus dem Jahresausklang, sonst eine ruhige Angelegenheit, wurde an der Hochschule für Gestaltung gestern Abend eine Kundgebung mit einer klaren Aussage: Die Hochschule muss während der Sanierung zusammenbleiben.
SCHWÄBISCH GMÜND
(rw). „Die Hochschule hat über viele Jahre nicht die nötigen Investitionsmittel erhalten“, sagte der Hochschulratsvorsitzende, Landrat Klaus Pavel. „Jetzt wollen wir es halt auf einmal.“ Es ist ein Riesenpaket, das er, OB Arnold und Rektorin Cristina Salerno am nächsten Montag aus dem Stuttgarter Finanzministerium holen wollen: die Gesamtauslagerung der Hochschule während der mehrjährigen Sanierungsphase, die zügige Sanierung des ganzen Bauwerks, deren Kosten auf
14 Mio. Euro geschätzt werden sowie die Deckung des zusätzlichen Raumbedarfs in einem Neubau am Gmünder Bahnhof. Nur so könne die Zukunft dieser Hochschule gesichert werden.
Bislang vorhanden sind freilich nur
5 Mio. Euro aus dem Konjunkturpaket II, mit denen der Anbau aus den
50er Jahren saniert werden soll. Und noch im Raum steht die Teilauslagerung der Hochschule und ihre Verteilung auf insgesamt fünf kilometerweit auseinanderliegende Standorte — ein Unding in den Augen aller Beteiligten, von den Studenten über die Lehrenden bis zum Hochschulratsvorsitzenden und zur Stadtspitze. Großer Schulterschluss also, aus dem „unverschuldeten Schlamassel“ (Rektorin Cristina Salerno) geboren.
Vor der Kundgebung im Foyer wummerte und blitzte draußen noch zwei Mal die Video– und Laserprojektion der Studenten. Menetekelhaft an der Wand die Worte: „Bauhaus Weimar — Exodus,
HfG Ulm — Exodus
2“ und zum Schluss: „Nicht mit uns!“ Die Gäste des Jahresempfangs, unter ihnen demonstrativ die zwei Urgesteine aus der Gründungszeit, Karl Dittert und Alfred Lutz, gingen durch ein Spalier von Transparente haltenden Studenten im Innenhof der
HfG. Soviel sichtbare Solidarität dürfte die Design-Hochschule seit vielen Jahren nicht von außen erfahren haben wie gestern Abend. Und nach dem Brandbrief, den der Landrat und der Oberbürgermeister in der vergangenen Woche ans Finanzministerium schrieben, folgten gestern die von sehr lauten Beifallbekundungen begleiteten und mit heißem Herzen gehaltenen Reden: Ohne Glanz werde das
100-Jahr-Jubiläum des Elsässerbaus gefeiert, sagte die Rektorin, welche die mittlerweile sechs Jahre währende Geschichte des Schlamassels rekapitulierte, denn „weder für die Zukunft des Gebäudes noch für die Hochschule gibt es gesicherte Prognosen.“ Aus Stuttgart komme bislang nur der Rat, „die Sanierung als Chance zu begreifen.“ Salerno: „Wir wollen überleben!“ Die Sorgen der Studenten seien legitim, „sie setzen sich konstruktiv für ihre Hochschule ein.“
„Wir kämpfen um diese Hochschule“, sagte der Landrat, „wir wollen sie haben. Das ist unsere Verantwortung für junge Menschen.“ Und der OB unterstrich, dass die
HfG, „früher ein Elfenbeinturm“ der Stadt noch nie so nahe gestanden habe wie heute. Es gebe eine gemeinsame
233-jährige Geschichte. Studentensprecher Timo Röhrig nannte Forschung und Lehre, Nähe und Zusammenhalt das Fundament der Hochschule, „sie funktioniert als Ganzes.“ Freundeskreis-Vorsitzender Christoph Morawitz ließ anschließend Unterschriftenlisten kursieren: Man will jetzt wirklich Druck machen.
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