Gerettet: Von 2010 bis 2014 ist die HfG im Gmünd-Tech und im Zapp untergebracht /Land sagt Sanierung in einem Zug zu
Von den mitgebrachten klappbaren Holzkreuzen brauchten die 300 Studenten vor dem Stuttgarter Neuen Schloss keinen Gebrauch zu machen. Die Hochschule für Gestaltung wird nicht aufgeteilt und nicht zerschlagen. Während der fünfjährigen Sanierungsphase wird sie als Gesamtes in den Gmünder Westen ausgelagert.
SCHWÄBISCH GMÜND
(rw). Soviel Gemeinschafts-Gefühl hat die Gmünder Hochschule für Gestaltung in ihrer knapp
40-jährigen Geschichte wohl noch nie durchdrungen wie gestern in Stuttgart vor dem Neuen Schloss und nach der Rückkehr am Abend im Hörsaal der
HfG. Alle sprachen nur noch in der ersten Person Plural, nicht mehr in der Einzahl: Es hieß nur noch „Wir“.
„Wir sind stolz auf die Studenten und Mitarbeiter“, sagte Rektorin Cristina Salerno nach der Rückkehr. „Wir als Hochschule für Gestaltung — wir gehören zusammen“, rief AStA-Vorsitzende Olga Grischtschenko in den Hörsaal, „die Gemeinschaft zu spüren, das hat uns allen gutgetan.“ Zurückgekehrt resümierte die Rektorin die Ergebnisse des Tages: „Es ist eine Superlösung. Sie gibt uns die Rahmenbedingungen, um die Hochschule nach vorne zu bringen.“
Cristina Salerno, Landrat Klaus Pavel, OB Richard Arnold und dem Landtagsabgeordneten Stefan Scheffold war es im gestrigen entscheidenden Gespräch mit Vertretern des Finanz– und Wissenschaftsministeriums gelungen, das große Paket nach Gmünd zu holen. Und den Studenten natürlich, denen die Rektorin bescheinigte, mit Ernsthaftigkeit, Vernunft und in einer geschlossenen Darstellung ihre Interessen vertreten zu haben, „dass sich die Entscheidungsträger überlegen mussten, wohin sie gehen, um eine gute Lösung zu bekommen.“ Etwa
300 Gmünder
HfG–Studenten waren am Montagvormittag mit sechs Bussen nach Stuttgart gefahren, im Gepäck einen großen Kranz, fünf Pappsärge und
300 Holzkreuze für den Leichenzug durch die Königstraße. Und sie waren bereit, sich auf den eisigen Boden des Schlossplatzes zu legen und mit weißen Tüchern zu bedecken, hätten sie erfahren, dass die Zersplitterung der
HfG beschlossene Sache ist. So weit kam es nicht:
HfG, Stadt und Landkreis konnten das große Paket aus Stuttgart abholen — wohl vorbereitet, wie sie waren, erreichten Salerno, Pavel und Arnold ihre Ziele. „Finanz– und Wissenschaftsministerium bewegten sich sehr stark“, freute sich der OB.
Im Einzelnen: Die
HfG kann als Ganzes aus dem Elsässer-Bau ausziehen und ins Gmünd-Tech in der Krähe einziehen. Dort erhält sie
1650 Quadratmeter Nutzfläche. Weitere
1800 Quadratmeter liefern Container, die am Gmünd-Tech aufgestellt werden.
600 Quadratmeter kommen im Zapp hinzu für die
HfG–Werkstätten. Gut
4000 Quadratmeter Nutzfläche, die ausreichen. Für die Installierung der
HfG am Gmünd-Tech und am Zapp gibt das Finanzministerium
1,
3 Mio. Euro. Das Wissenschaftsministerium steuert
100 000 Euro bei, die
HfG muss aus ihren eigenen Mitteln
200 000 Euro in fünf Jahren bereitstellen.
Die Sanierung der alten
HfG soll innerhalb von fünf Jahren in einem Stück durchgezogen werden — extrem wichtig vor allem für die Zukunftsperspektive der
HfG. Dafür setzte sich vor allem
MdL Scheffold ein. Denn bislang waren nur die fünf
Mio. Euro aus dem Konjunkturpaket II zugesagt, die bis Ende
2011 verbaut sein müssen. Es soll gleich anschließend weiter gehen, die weiteren Bauabschnitte (weitere
9 Mio. Euro, noch nicht finanziert) sollen bis Ende
2014 abgeschlossen sein. Diese Zusage hat man. Im geplanten Einhorn-Bau am Bahnhof, auch dies sagte das Land zu, sollen der
HfG weitere
2000 Quadratmeter (netto
1250 Quadratmeter Nutzfläche) zukommen. Landrat und Hochschulratsvorsitzender Klaus Pavel: „Ende
2014 stehen zum ersten Mal alle Sollflächen zur Verfügung.“
Stadt und Landkreis leisten ihrerseits Beiträge: Die Stadt verzichtet auf Mieteinnahmen im Gmünd-Tech, der Kreis will die
ÖPNV–Verbindungen zu Zapp und Gmünd-Tech schaffen. OB Arnold will einen leuchtenden Design-Campus, den man am Stadteingang sieht, wenn man aus Richtung Stuttgart kommt. Unter diesen Aspekten scheint auch die fünfjährige Auslagerung positiv: „Wir können uns einrichten“, sagt die Rektorin, „das ist organisierbar, in Teilen besser als jetzt.“ Jetzt kommt erst einmal der Umzug auf die
HfG zu. Er muss unmittelbar am Semesterende, Mitte Februar, starten. Mitte März beginnt im Elsässer-Bau die Sanierung. „Das Land sprang über seinen Schatten. Es ist echt ein Super-Ergebnis“, freut sich Cristina Salerno. Denn, was Teilauslagerung hieß, wäre am Ende auf die Zerschlagung der kleinen Gmünder Hochschule hinausgelaufen. Die ganze
HfG jubelte am Abend mit, dass es anders kommt. Die Holzkreuze flogen auf einen Haufen im Innenhof. Morgen tagt der Gemeinderat in der Hochschule und setzt ein Zeichen: Die
HfG gehört zu Schwäbisch Gmünd.
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