Teile des alten Mögglinger E-Werks kommen nach Seifertshofen
Viele Erinnerungen verbindet so manch älterer Bürger aus Mögglingen mit dem alten Kraftwerk im Mühlgässchen. Seit gestern werden die technischen Geräte ausgebaut — das Haus soll erhalten bleiben. Von Nicole Beuther
MÖGGLINGEN. Wie ein Hausabbruch sehen die Arbeiten aus, die im Mühlgässchen verrichtet werden. Fenster werden eingebrochen, Bagger stehen bereit. Doch einen Abriss hatten die früheren wie heutigen Hausbesitzer nie im Sinn. Einst war sogar angedacht, in dem über
100 Jahre alten Gebäude ein Museum einzurichten. Aus finanziellen Gründen wurde dieses Vorhaben nicht in die Tat umgesetzt. Im Museum wird einer der Motoren dennoch zu sehen sein. Allerdings ein paar Kilometer weiter — in Seifertshofen.
Schon vor
25 Jahren hatte der Inhaber des Schwäbischen Bauern– und Technikmuseums, Eugen Kiemele, ein Auge auf die Motoren geworfen. Doch der Besitzer wollte das Kraftwerk in seiner damaligen Form beibehalten. Nun, viele Jahre später, steht Sammelfreak Kiemele vor dem alten Gebäude. Seine Augen leuchten genauso wie sein roter Pullover. Er hat allen Grund zur Freude: Die Motoren werden ausgebaut und nach Seifertshofen gebracht. Die jetzigen Besitzer wollen das Gebäude für andere Zwecke nutzen, das Kraftwerk wird nicht mehr gebracht. Als er gerade dabei war, in der Nachbarschaft ein Haus auszuräumen, habe er davon erfahren, erzählt Kiemele. Auch Hans Abele schaut mit großem Interesse den Arbeiten zu. Schon als kleiner Bub war er fasziniert von den Motoren aus Gusseisen, die jeweils bis zu sechs Tonnen wiegen. Gut erinnert er sich an das hochpolierte Geländer und den roten Teppich, der den Boden zierte. Der Besitzer des E-Werks, ein Mann aus Ehingen, wohnte bei den Abeles und so hatte Hans Abele ab und an die Möglichkeit, die riesigen Gerätschaften zu besichtigen.
Von
1916 bis
1940 wurde der Ortskern von dem E-Werk versorgt
So königlich wie der rote Boden, war auch die Finanzspritze, die zu dem Bau des Kraftwerks beitrug. Die kam vom württembergischen König höchstpersönlich, erzählt Walter Kuhn, der ein paar Jahre in dem Kraftwerk tätig war und neben seiner Hauptbeschäftigung in der Landwirtschaft nebenher Freileitungen verlegte. Von
1916 bis
1940 wurde der Ortskern von dem E-Werk im Mühlgässchen versorgt. Während des Zweiten Weltkrieges musste die Stromkapazität erhöht werden, da in der Fabrik hinter dem alten Kraftwerk, wo lange Zeit die Firma Spießhofer
& Braun ihren Sitz hatte, die Firma Bosch untergebracht wurde. So kam es, dass von da an auch das Überlandwerk Jagstkreis AG Strom ins Netz einspeisen musste. Von
1960 an war die UJAG AG für den gesamten Energiebedarf in Mögglingen zuständig. Der Ausbau des E-Werks dauert bis morgen an.
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