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» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 16. Dezember 2009

Eindrücke zur Ausstellung Young. Yedi. Josef. Josefs Legenden in der Gewerblichen Schule

„Warum hat Josef so oft eine Sonnenbrille auf?“ — solche und ähnliche Fragen stellt man sich zur Zeit an der Gewerblichen Schule.

SCHWÄBISCH GMÜND (ked). Seit der Eröffnung im November durch den Ausstellungsmacher Thomas Moritz Müller und Schulleiter Gerhard Barreith haben Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrern Erfahrungen und Eindrücke in der Ausstellung gesammelt. Von ‚langweilig’ und ‚interessant’ über ‚mutig’ bis ‚unpassend’ fallen die Urteile aus.
Wenn man eine alte Geschichte mit Bildern von heute erzählt, dann wird die Glaubwürdigkeit daran gemessen, wie beides zueinander „passt“, ob sich also die Sehgewohnheiten und die sich daran anknüpfenden Erwartungen der Zeitgenossen für eine Anpassung eignen und wie schlüssig die Adaption erlebt wird.
Schüler wie Lehrer verband eines: Die ursprüngliche Skepsis beim Titel und den ersten Informationen der Ausstellung. War man zu Beginn eher abwartend, so fielen anschließend die Fragen umso konkreter aus: „Warum das Motiv Star Wars?“ „Warum wurde die Ausstellung den Flüchtlingen gewidmet?“, „warum wird alles so modern dargestellt?“, „warum hat Josef ein Laserschwert?“, „wer war eigentlich Zadok?“, „wie kommt Josef mit seinem pubertierenden Sohn zurecht?“ und überhaupt: „Was für eine Art Vater war Josef überhaupt — war er streng?“.
Der Künstler bekannte in seiner Einführungsrede: „Ich wollte provozieren!“ und das ist ihm auch so gut gelungen, dass vor allem die Jugendlichen darauf drängen, sich mit dem Thema im Unterricht auseinanderzusetzen. Erschien doch zum Beispiel der Vergleich eines Yedi– Ritters mit Josef äußerst unpassend. Überraschend ist dann bei den Besuchen doch, wie vielfältig die Reaktionen und Äußerungen der meist männlichen Jugendlichen sind, die sich mit dem Kunstwerk auseinander setzten und es nicht, wie befürchtet, nur konsumierten.
Einige Schüler fanden zwar keinen Zugang zur Ausstellung — „Das sind ja nur Bilder“, „da ist doch keine Action“, „müssen wir das jetzt alles lesen?“ Die meisten aber setzten sich dann doch mit der Kunst auseinander und erregten sich z.B. über eine Darstellung Josefs als unpassend, denn es ist nirgends überliefert, dass Josef mit dem Schwert gekämpft hätte. Auch war er damals sicher anders gekleidet. Autos, Kameras und Mikrophone gab es ebenfalls nicht. Warum schaut von hinten ein US-​Soldat ins Fluchtauto? Und dann wurde zur Situation persönlich auch im Dialog Bezug genommen: „Eine Frau, die von einem anderen schwanger ist, würde ich nicht heiraten!“ — „Das Kind war doch von Gott. Das ist Liebe!“. „Josef kämpft für seine Familie, für Jesus und Maria!“ — „Man muss Mitleid mit ihm haben: Er kann seinen Sohn nicht retten!“. Und die Mädchen überlegten sich sogar, wie sie eine solche Ausstellung zum Leben Mariens machen könnten.
Sein Ziel hat der Künstler Thomas Moritz Müller mit seinem Fotoprojekt damit wohl erreicht: Insbesondere junge Männer zum Nachdenken über Glauben und den Umgang damit anzuregen.

Interessierte sind bis zum 22. Dezember eingeladen, in den Fluren der
Gewerblichen Schule Schwäbisch Gmünd eigene Eindrücke zu sammeln.
 

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