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» Schwäbisch Gmünd | Donnerstag, 17. Dezember 2009

In Sachen Bahnhofsbereich wird viel über Unter– oder Überführungen diskutiert /​Unter dem Glocke-​Kreisel mehrere Überfälle

Leserbriefe in der Rems-​Zeitung sowie Diskussionen in der Bevölkerung über die Vorteile von Über– oder Unterführungen spiegeln wider, dass es sowohl für das „drüber“ wie für das „drunter“ Argumente gibt. Eine Rolle in der Bewertung spielen Funktionalität, Optik und die „gefühlte Sicherheit“. Von Gerold Bauer

SCHWÄBISCH GMÜND. Das Thema ist nicht neu in Schwäbisch Gmünd, denn seit Jahrzehnten gibt es in der Stadt sowohl Über– als auch Unterführungen in den verschiedensten Gestaltungsvarianten. Vom regelrechten „Schlupfloch“ unter den Bahngleisen — zwischen Fehrle-​Parkhaus und Lindenfirststraße (größere Personen müssen beinahe den Kopf einziehen) — bis zur großräumigen Lösung unter der Glocke-​Kreuzung. Und dann noch die recht spartanische und finstere „Tunnellösung“ zwischen der Herlikofer Straße (auf Höhe von Gotteszell) und der Aalener Straße.
Auch bei den Überführungen sind recht gegensätzliche Varianten vor Ort zu bestaunen. Der so genannte „Sägbock“ über die Remsstraße bei den Stadtwerken in sehr massiver Bauweise als Beton-​Trog und die leichtfüßig geschwungene Fußgängerbrücke über die Weilerstraße zwischen Bettringen und dem Lindenfeld.
Bezüglich der Überführungen stellt sich vor allem die Problematik, dass Konstruktionen wie der „Sägbock“ heutigen Ansprüchen an die Barrierefreiheit nur mit großem technischen Aufwand gerecht werden können. Wenn der Platz für lange, relativ flache Rampen nicht reicht, muss man Aufzüge einbauen, um Rollstuhlfahrern den Weg zu ebnen.
Bei Unterführungen stellt sich in der Bevölkerung vor allem die Frage der Sicherheit vor kriminellen Attacken. Nicht zuletzt Frauen und ältere Menschen beschleicht immer ein mulmiges Gefühl, wenn sie alleine eine dunkle Röhre betreten müssen, wo sie weder gesehen werden noch um Hilfe rufen können, falls ihnen etwas passieren sollte. Wenn es „dort unten“ dann noch Abzweigungen und nicht einsehbare Winkel gibt sowie Schmierereien an den Wänden das Flair eines amerikanischen Action-​Films verbreiten, wähnt mancher hinter jeder Ecke einen Übeltäter mit bereits gezückter Waffe.
In Bezug auf die Unterführung unter dem Glocke-​Kreisel werden diese Ängste durch einen Blick in die Gmünder Kriminalstatistik durchaus bestätigt. Wie die Rems-​Zeitung von John Brauer, Öffentlichkeitsreferent bei der Polizeidirektion Aalen, gab es dort innerhalb von nur zehn Monaten zahlreiche Vorfälle. Im Dezember vor einem Jahr wurde beispielsweise ein Überfall gemeldet. Ein Mann gab an, er sei früh am Morgen um 5.35 Uhr mit einer Bierflasche bedroht und 500 Euro erleichtert worden. Einige Monate später zeigte eine junge Frau an, dass sie um 13.30 Uhr von zwei anderen Frauen zu Boden geworfen und geschlagen wurde. Im Frühsommer erlitt ein junger Mann Schnittverletzung durch eine zerbrochene Flasche im Rahmen eines Streits, bei dem auch übermäßiger Alkoholkonsum eine Rolle gespielt habe. Wenige Wochen später wurde eine Frau von einem jungen Mann überfallen, der ihr die Geldbörse aus der Handtasche raubte. Im August bezog ein junger Mann Prügel, weil er der Bitte um Zigaretten nicht nachkommen wollte. Der kurioseste Fall — ein versuchter Raub — ereignete sich im September, als ein 18-​jähriger mit dem Messer bedroht wurde, die Täter aber durch seine Körpergröße und das Ziehen eines eigenen Messers in die Flucht schlug.
Überfälle, Körperverletzung
und Vandalismus
Ein anderes Problem, das sich bei Überführungen aufgrund der guten Einsehbarkeit in der Regel nicht stellt, ist die Verrichtung der Notdurft. Außerdem verfliegt dort der unangenehme Duft schneller als „im Keller“.
Und dem Vandalismus sind — von Blicken abgeschirmt Tür und Tor geöffnet. In der Unterführung zwischen Bahnhof und Stadtgarten (beim „Haus Hirzel“) gab es in den Anfangsjahren noch Schaukästen, in denen zum Beispiel örtliche Firmen ihre Waren werbewirksam präsentierten. Nach etlichen Vorfällen wurden diese schließlich zugemauert.
 

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