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» Schwäbisch Gmünd | Donnerstag, 17. Dezember 2009

Überraschende Neuorientierung in der heftig umstrittenen Standortfrage für die neue Weleda-​Körperpflegemittelfabrik

Die Nachricht des Tages wurde erst gestern Abend von Oberbürgermeister Richard Arnold zwar hinter verschlossenen Türen des nichtöffentlichen Teils der Gemeinderatssitzung kundgetan, doch verbreitete sie sich umso schneller: Das seit zwei Jahren heftig umstrittene Gewerbegebiet „Lange Äcker“ wird zu Grabe getragen.

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Die Botschaft, welche bei der Bürgerinitiative für Erhalt der Naherholungszone Wetzgau-​Wustenriet gewiss die Sektkorken knallen lässt, bahnte sich schon in den letzten Tagen an. Die Stadt hatte zunächst für Freitag zu einem wichtigen „Weleda-​Pressegespräch“ eingeladen. Dieses wurde dann kurzfristig auf heute vorgezogen. Hierbei sollen die Beweggründe für den überraschenden Sinneswandel sowohl von Seiten der Stadtverwaltung als auch von der Weleda dargelegt werden. Weitere Hinweise hatten sich auch aufgrund der Haushaltssituation und zur kritischen Frage verdichtet, ob es sich die Stadt derzeit überhaupt noch leisten kann, bei Erwerb und Erschließung eines komplett neuen Gewerbegebiets auf grüner Wiese in Vorleistung zu gehen. Denn anderswo im Gmünder Flächenangebot warten fertige Ansiedlungsmöglichkeiten ja sehnlichst auf Investoren. Dies war auch die Argumentation der Bürgerinitiative, die mit Unterschriftensammlungen, Demonstrationen und anderen Aktionen auf diesen Widerspruch aufmerksam gemacht hatte. Das Thema hatte zeitweise auch die politischen Kräfte und die Bevölkerung besonders im Bereich Wetzgau, Wustenriet und Großdeinbach schwer gespalten. Wobei, so betonten auch die Kritiker, der Protest sich keinesfalls gegen das Unternehmen Weleda selbst richtete. Der erfreuliche Hintergrund: Trotz globaler Wirtschaftskrise befindet sich der Naturkörperpflege– und Naturheilmittelhersteller Weleda mit stabilen Zuwachszahlen im Aufwind. Am Standort Schwäbisch Gmünd wurde daher ein 30-​Millionen-​Investitionsprogramm entwickelt, um zukünftig den Arzneimittelsektor am Stammsitz in der Gmünder Oststadt zu zentralisieren und gleichzeitig den Bereich Pflegemittel in einen eigenen Produktionsbetrieb auszulagern. Die Pläne für eine spektakulär zukunftsgerichtet Öko-​Fabrik, die fast schon die Werte der Passivhaus-​Energietechnik aufweist, wurden entworfen. Diese wollte die Weleda bislang bei den Heilpflanzengärten und beim Erlebniszentrum Wetzgau auf den „Langen Äckern“ bauen. Drei Hektar Ackerfläche wollte die Stadt erwerben, um das notwendige Sondergewerbegebiet zu erschließen, obwohl die von auch von Spaziergängern sehr beliebte Hochfläche sogar im regionalen Flächennutzungsplan als grüner Bereich festgeschrieben ist. Die Befürworter, darunter auch die Grünen, waren von den ökologisch hochwertigen Bauplänen für eine beispiellos umweltverträgliche Fabrik für 150 neue Arbeitsplätze hellauf begeistert. Die Gegner richteten den Fingerzeig jedoch hartnäckig auf teils brachliegende Gewerbeflächen wie in der Krähe, im Benzfeld und auf dem Gügling. Jetzt scheint klar: Weleda wird für das nächste Gmünder Wirtschaftswunder sorgen, nicht mehr bei Wetzgau, sondern auf dem Gügling bei Oberbettringen. Die Vorteile zur rechten Zeit sind offensichtlich: Die Stadtverwaltung kann gerade noch rechtzeitig aus dem Kaufvertrag für die „Langen Äcker“ aussteigen, um dafür bereits im städtischen Besitz befindlichen Grund und Boden an das expandierende Unternehmen zu verkaufen.
Heute Morgen sollen bei einer Pressekonferenz nähere Einzelheiten zu der überraschenden Entwicklung bekanntgegeben werden.
 

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