Agentur für Arbeit stellte bei einem Pressegespräch ihre Integrationsaktivitäten vor
„Wenn man diesen Menschen die richtige Tätigkeit gibt, und sie motiviert, leisten sie Erstaunliches“, sagt Bilal Dincel. Der Gmünder Unternehmer hat schon mehrfach von der Agentur für Arbeit Lern-Benachteiligte vermittelt bekommen. Von Manfred Laduch
SCHWÄBISCH GMÜND. „Benachteiligte bringen manchmal mehr als
100 Prozent, so dass man sie fast schon bremsen muss“, hat auch Clemens Reitzig von Arbeitgebern erfahren. Der Chef der Gmünder Arbeitsagentur erklärt, dass seine Behörde in Ostwürttemberg
16 bis
18 Millionen Euro pro Jahr im Bereich Integration investiert.
192 Abgänger aus Schulen für Lernschwächere waren in diesem Jahr zu vermitteln. Für sie gibt es mehrere Alternativen. Auch bei behinderten Menschen ist es – wie im Allgemeinen – notwendig, sich nach der Schulausbildung zuerst um eine berufliche Erstausbildung zu kümmern. In Berufsbildungswerken, Berufsförderungswerken und vergleichbaren Einrichtungen, aber auch in Betrieben und Behörden, können Behinderte einen Abschluss erwerben.
In bestimmten Fällen ist es eine Werkstatt für Behinderte – unter Umständen auch als Übergangslösung –, die ebenfalls von der Agentur unterstützt wird. Doch es wird immer nach der besten Lösung gesucht: Es gibt extra geschultes Personal, das sich diese Aufgabe zueigen gemacht hat. In Schwäbisch Gmünd kümmert sich zum Beispiel Hans Barth um diesen Bereich.
Nach dem Schwerbehindertengesetz haben Unternehmen die Verpflichtung, fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit behinderten Menschen zu besetzen. Ansonsten muss für jeden unbesetzten Platz eine Ausgleichsabgabe von bis zu
500 Euro monatlich bezahlt werden. Bei Ausbildungsplätzen besteht die Möglichkeit, sich diese auf mehrere Pflichtplätze anrechnen zu lassen.
Weiterer Vorteil für die Unternehmen: Die Ausbildung wird von der Agentur für Arbeit finanziert. Und dann gibt es schon rechtzeitig vor Ende der Ausbildung das Absolventenmanagement. Es soll junge Menschen nahtlos in den ersten Arbeitsmarkt vermitteln.
Dies, so Clemens Reitzig, sei in diesem Jahr trotz der krisenhaften Rahmenbedingungen recht gut gelungen. So stellte zum Beispiel die Firma Karosseriebau Hörsch in Lorch schon das zweite Jahr hintereinander einen jungen Mann ein, der im Berufsausbildungswerk zuvor zum Autofachwerker ausgebildet worden war. „Voll integriert sind diese jungen Leute in unserem Betrieb und fühlen sich auch pudelwohl“, freut sich der Inhaber der Firma Hörsch, Sven Kerler. „Sie haben ihr Aufgabengebiet und gehen darin regelrecht auf“, ergänzt er.
Ähnliche Erfahrungen haben die Inhaber des Waldcafé Muckensee in Lorch gemacht, denen die Arbeitsagentur einen Beikoch vermittelte.
Die gute Zusammenarbeit mit der Agentur hob Bilal Dincel, Chef der Gmünder Firma IDS, bei dem Pressegespräch hervor. Als Dienstleistungsunternehmer brauche er manchmal sehr kurzfristig zusätzliche Kräfte. Als dies vor einigen Monaten der Fall war, gab es die glückliche Fügung, dass beim Berufsausbildungswerk gerade ein Kurs für Metallwerker zu Ende ging.
Dincel übernahm sieben Teilnehmer – plus zwei Teilenäherinnen aus dem Berufsförderungswerk Ruppertshofen. „Ich gebe eine gewisse Skepsis zu, zumal unsere Beschäftigten auch bei den Kunden vor Ort arbeiten müssen“, sagt der
SPD–Stadtrat. Doch heute sind von den neun „Neuen“ sechs nach wie vor im Betrieb. Dincel sieht das als vollen Erfolg.
Natürlich bedürfe es bei der Einarbeitung und Anleitung von Lern-Benachteiligten eines höheren Zeitaufwands. Doch dafür wird die Maßnahme ja auch von der Agentur finanziell gefördert. „Trifft man für diese Menschen die richtige Aufgabe, setzen sie ihre ganze Energie dafür ein. Bei einem war die Sache derart erfolgreich, dass jetzt ein Kunde, zu dem ich den Mann geschickt habe, dabei ist, ihn mir abzuwerben“, schildert Dincel.
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