OB Arnold und Weleda-Chef Erk Schuchhardt zu den äußerst erfreulichen Hintergründen der neuen Standort-Strategie in Gmünd
„Neue Leute und eine neue Zeit.“ Das bringt nach den Worten von OB Richard Arnold auch ein „neues Nachdenken und ein Nachjustieren für die strategische Zukunftsplanung der Weleda AG“. Und bildet nun ein weiteres positives Signal für den Wirtschaftsstandort Schwäbisch Gmünd. Von Heino Schütte
SCHWÄBISCH GMÜND. Wie schon gestern berichtet, hatten sich die Hinweise auf eine Standort-Neuorientierung der Weleda innerhalb von Schwäbisch Gmünd schon seit einiger Zeit verdichtet. Im besonderen Blickpunkt: Das zunächst von der alten Stadtverwaltung zusammen mit der seitherigen Unternehmensleitung favorisierte Sondergewerbegebiet „Lange Äcker“ auf der der Hochfläche zwischen Wetzgau und Wustenriet. Dort entwickelte die Weleda auch mit intensiver Bürgerbeteiligung eine spektakuläre Planung für eine ökologisch vorbildliche Produktionsstätte. In dieser Öko-Fabrik in direkter und augenscheinlich auch idealer Nachbarschaft zum Weleda-Erlebniszentrum und zu den Heilpflanzengärten mit der angegliederten Tinkturen-Herstellung, wollte das Unternehmen bei Wetzgau die komplette Naturkosmetikproduktion zentralisieren. Denn der Stammsitz in der Innenstadt platzt aus allen Nähten. Dort soll der Naturheilmittelbereich verbleiben und ausgebaut werden, was ja auch schon mit dem attraktiven Neubau der Weleda-Apotheke eingeleitet wurde.
Die alte Stadtspitze unter OB Wolfgang Leidig und Baubürgermeister Hans Frieser sowie die Mehrheit des Gemeinderats hatten sich bereiterklärt, für das Fabrikprojekt Wetzgau in Vorleistung zu gehen: Aufkauf einer etwa drei Hektar großen Ackerfläche und Erschließung des Sondergewerbegebiets „Lange Äcker“. Doch aus der Bevölkerung kam Kritik, bis hin zur Gründung einer Bürgerinitiative. Deren Argumentation, die sich sogar mit einer Empfehlung der Landesregierung deckt: Bevor Wiesen und Äcker in neue Siedlungs– und Gewerbeflächen umgewandelt werden, sollen zunächst bereits vorhandene und erschlossene Brachen und Planungsflächen genutzt werden. Die Frage spaltete nicht nur die Politik, sondern auch die Bevölkerung in den nördlichen Stadtteilen. Wobei sich jedoch der Protest nie gegen das ökologisch orientierte Unternehmen selbst gerichtet hatte, sondern eher gegen die unnachgiebige Haltung im Rathaus. Die Kritiker verwiesen wiederholt auf die finanzielle Situation der Stadtverwaltung und nannten es aus Steuerzahler-Sicht nicht nachvollziehbar, wenn doch ausreichend erschlossene Flächen vorhanden sind und trotzdem mit Millionenaufwand ein völlig neues Gewerbegebiet geschaffen wird. Recht eindeutig auch die Beschreibung im Flächennutzungsplan für die Region: Die Hochfläche zwischen Wustenriet und Wetzgau ist als landwirtschaftlich genutzte Grünzone festgeschrieben.
Eine Neuorientierung in der strategischen Standortplanung
Erk Schuchhardt, Vorsitzender der Weleda-Geschäftsleitung in Schwäbisch Gmünd, Theo Stepp, Leiter Unternehmenskommunikation, Wirtschaftsbeauftragter Klaus Arnholdt, und Oberbürgermeister Richard Arnold erläuterten nun gestern im Rahmen eines Pressegesprächs die erfreulichen Hintergründe einer „Nachjustierung“ (Arnold) für die strategische Standortplanung in Schwäbisch Gmünd. „Wir mussten handeln, denn ein gewisser Termindruck ist da“, gab der OB unter Hinweis auf den Kaufvertrag für die Ackerflächen zu verstehen. Denn dieser beinhalte eine Ausstiegsklausel, befristet bis zum
31. Dezember
2009. Viel Geld wäre da auf dem Spiel gestanden. In guten und vertrauensvollen Gesprächen mit der Weleda-Geschäftsleitung sei nun die Neuorientierung zustandegekommen. Wobei, so betonte der Oberbürgermeister, dieser Schritt Richtung Industriegebiet Gügling keinesfalls gleichzusetzen sei mit einem Weleda-Rückzug vom Standort Wetzgau, ganz im Gegenteil.
Zweistellige Zuwachsraten trotz der Weltwirtschaftskrise
Der Fabrikneubau auf den „Langen Äckern“ sei zwar vom Tisch, doch längerfristig sei es nicht auszuschließen, dass die Weleda AG in direkten Verhandlungen mit dortigen Grundstücksbesitzern Erweiterungsmöglichkeiten etwa für die Vergrößerung der Heilpflanzengärten ausloten werde. Alle seien sich einig, dass der Standort des sowohl für die Stadt als auch für das Unternehmen werbewirksamen Besucher– und Erlebniszentrums mit seinem großen Gartenparadies nicht nur ideal gelegen, sondern möglicherweise sogar noch ausbaufähig sei.
Erk Schuchhardt erläuterte den jetzt abgeschlossenen Denkprozess zugunsten einer optimalen Platzierung der gewaltigen Investitionvorhaben (Gesamtvolumen mindestens
30 Millionen Euro). So sei das Unternehmen in einer Gesamtabwägung zum Ergebnis gekommen, dass es sich bei den „Langen Äckern“ nicht um den idealen Standort für die Produktionsstätte handle, sondern die dortigen Flächen für mögliche andere Zukunftsprojekte besser geeignet wären. Es sei ihm auch von den Emotionen berichtet worden, die das Vorhaben an dieser Stelle ausgelöst habe. Der Klärungsprozess auch zusammen mit der neuen Stadtverwaltung habe nun dazu geführt, dass Konzernleitung und Verwaltungsrat der Weleda AG grünes Licht für den Neubau einer Naturkosmetikfabrik in Gmünd gegeben habe, und zwar im Industriegebiet „Gügling“. Schuchhardts wichtigste Aussage: „Damit hat die Weleda sich eindeutig zu Schwäbisch Gmünd als ihrem wichtigsten Standort im Konzern bekannt.“ Die Marktentwicklung von Weleda sei auch im Krisenjahr
2009 überaus positiv gewesen, freut sich der Weleda-Chef. Sein Unternehmen rechne in allen Sparten sogar mit zweistelligen Zuwachsraten. Die Presseerklärung weiter: „Seit
2008 hat sich in Schwäbisch Gmünd und in der Konzernleitung ein neues Management eingearbeitet. Mit dem neuen Oberbürgermeister Richard Arnold hat sich sehr schnell eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt. Gemeinsam befasste man sich in den vergangenen Monaten auch intensiv mit der Frage der Expansion des Unternehmens am Standort Schwäbisch Gmünd.“
Das Gewerbegebiet „Lange Äcker“ wäre ohne Erweiterungsperspektive
Weleda brauche angesichts der Wachstumsraten Erweiterungsperspektiven, die im bisher favorisierten Gebiet „Lange Äcker“ nicht gegeben seien. Die Stadt habe nun im Industriegebiet Gügling eine Fläche zur Verfügung, die Weleda auch langfristig Expansionsmöglichkeiten biete. Die konkrete Planung werde nun zügig beginnen, denn bereits
2015 will Weleda mit der Produktion am neuen Gmünder Standort beginnen. Selbstverständlich stehe das Unternehmen auch zur Zusage, die Heilpflanzengärten bei Wetzgau in das Konzept der Landesgartenschau zu integrieren. Ob möglicherweise dazu auch das Gebiet „Lange Äcker“herangezogen wird, darauf will sich Erk Schuchhardt noch nicht festlegen. Oberbürgermeister Richard Arnold fasste gestern begeistert und anerkennend zusammen: In einer Zeit, die wirtschaftlich die schwierigste seit dem Zweiten Weltkrieg sei, setze ein Unternehmen auf Expansion in Schwäbisch Gmünd.
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