Rems-Zeitung - Täglich eine gute Zeitung

Anzeige

Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 02. Dezember 2009

Mutlanger Chirurg Dr. Jens Mayer berichtet vom Kongress

Schwere Verkehrsunfälle — als Pkw-​Fahrer oder als Fußgänger — führen oft zu einer Kombination schwerer Verletzungen. Verletzungen der Bauchspeicheldrüse sind seltene, aber gefürchtete Komplikationen.

SCHWÄBISCH GMÜND (pm). Rechtzeitig erkannt und befundgerecht behandelt sind sie meist gut zu beherrschen und heilen in der Regel folgenlos ab. Das berichtete Priv.-Doz. Dr. Jens Mayer, Chefarzt der Allgemein– und Viszeralchirurgie am Stauferklinikum, auf der Jahrestagung des Deutschen Pankreasclubs in Heidelberg. Er hat die deutschlandweit größte Serie von Bauchspeicheldrüsen-​Verletzungen im Zeitraum von 28 Jahren erfasst und wissenschaftlich ausgewertet.
Seiner Untersuchung zufolge sind Bauchspeicheldrüsen-​Verletzungen in der Regel mit der Verletzung anderer Bauchorgane, meist der Milz oder der Leber, oder von Knochenbrüchen begleitet. Bei schweren Verletzungen sei dabei, so Mayer, die Schwere dieser Begleitverletzungen für die Überlebens– und Heilungsaussichten bestimmend. Isolierte Verletzungen der Bauchspeicheldrüse sind dagegen selten, typischerweise durch direkte Gewalteinwirkung. „Das ist die typische Verletzung durch einen Sturz auf den Fahrradlenker oder den Anprall eines Fußballs“ berichtete der Chef-​Allgemeinchirurg am Stauferklinikum.
Durch Fortschritte in der Technik und die rasche Verfügbarkeit von Computertomographie-​Untersuchungen können heutzutage Bauchspeicheldrüsen-​Verletzungen frühzeitig erkannt werden und entsprechend ihrer Schwere behandelt werden. Noch vor wenigen Jahren wurde oft beim bloßen Verdacht auf eine Bauchspeicheldrüsen-​Verletzung sofort operiert. Die Auswertung der Daten von 28 Jahren hat jetzt gezeigt, dass in den letzten Jahren deutlich seltener und viel später operiert werden konnte. Nicht zuletzt dadurch werden die Überlebenschancen in den letzten Jahren verbessert.
„Eine spätere, gezielte Operation ermöglicht es dem Chirurgen, ohne Zeitdruck den Schaden an der Bauchspeicheldrüse zu beheben und dabei soviel gesundes Gewebe wie möglich zu erhalten“ berichtet Mayer weiter. Entsprechend stelle sich auch die langfristige Heilungschance sehr gut dar. Selbst bei sehr lange zurückliegenden, schwerwiegenden Verletzungen der Bauchspeicheldrüse seien meist keine Langzeitschäden feststellbar.
Diese Erkenntnis sei neu, so Mayer: „Die wenigen Langzeituntersuchungen aus den USA oder Südafrika untersuchen fast ausschließlich Verletzungen der Bauchspeicheldrüse durch Schüsse oder Messerstiche — und da ist die Heilungschance deutlich geringer“. Nun könne man Empfehlungen zur Diagnose und Therapie dieser gefürchteten und weiterhin lebensbedrohlichen Komplikation geben, so Mayer abschließend.
 

Noch keine Kommentare vorhanden.

Neuen Kommentar hinzufügen