OB Richard Arnold und Wirtschaftsbeauftragter Klaus Arnholdt besuchten gestern das Gmünder voestalpine Polynorm-Werk
Durch die Entwicklung und den Einsatz neuer Technologien ist das Werk Schwäbisch Gmünd von voestalpine Polynorm bislang bemerkenswert gut durch die Wirtschaftskrise gekommen. Darüber informierte sich gestern Oberbürgermeister Richard Arnold. Von Manfred Laduch
SCHWÄBISCH GMÜND. „Innovationen und neue Technologien ermöglichten uns einen erfolgreichen Weg durch die Krise“, erklärte Geschäftsführer Benno Rammelmüller dem OB und dem städtischen Wirtschaftsbeauftragten Klaus Arnholdt. Die Entwicklung und Umsetzung des „phs ultraform“-Verfahrens für pressgehärteten Stahl „spüren wir täglich im Wettbewerb“, ergänzte Rammelmüller.
In kürzester Zeit von
900 auf
70 Grad gekühlt
In dem Verfahren entstehen für Automobile Strukturteile mit höchsten Anforderungen an Festigkeit und Korrosionsschutz. Diese Teile werden im Presshärteprozess geformt und in kürzester Zeit von
900 auf
70 Grad gekühlt. Die dadurch erzielte Veränderung im Stahl erlaubt wesentlich dünneres Material, was zum Beispiel bei einem
7er–
BMW zu
20 Kilogramm Gewichtsersparnis führt.
2005 wurde auf dem Gügling eine Pilotanlage in Betrieb genommen,
2008 die weltweit erste Serienanlage. „Das ist ein neues Geschäftsfeld für den Standort, der allein mit Pressen nicht langfristig zu sichern gewesen wäre“, betonte der Geschäftsführer.
Entscheidend für diese Entwicklung sei das Werkzeugbau-Knowhow in Gmünd gewesen. Weitere Aufträge lägen unter anderem für den Mercedes GLK, den Porsche Panamera, den
5er GT von
BMW, den künftigen
BMW 6er sowie die Nachfolger der Porsche
911 und Boxter vor.
Ein weiteres Thema der Zukunft werde die Halbwarmumformung von Aluminium werden. Dieses Verfahren verbessert die Dehnungseigenschaften des spröden Metalls – bei der Verformung kommt es zu weniger Rissen. Dies stelle ebenfalls eine Technologie für die langfristige Standortsicherung dar.
Um diese sicherzustellen hat sich das Unternehmen auch außerhalb des Automobilbaus umgetan und in einem anderen Bereich schon drei Neukunden mit einem langfristigen Gesamtauftragsvolumen von
50 Millionen Euro gewonnen. „Sie sehen, wir lamentieren nicht, sondern wir tun etwas“, sagt Benno Rammelmüller.
Derzeit hat voestalpine Polynorm
400 Mitarbeiter, davon
20 Auszubildende.
100 Leiharbeiter wurden im Verlauf der Krise abgebaut. Im November sei die länger genutzte Kurzarbeit erstmals für einen Monat ausgesetzt worden, ab Januar will das Unternehmen komplett raus aus dieser Unterstützung.
Der Umsatz
2008/
09 lag bei
80 Millionen Euro;
2009/
10 rechnet Geschäftsführer
Dr. Harald Traxler mit
60 bis
65 Millionen: „Unter normalen Umständen gibt es keine Gefahr für den Standort.“
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