Der Fall des Brandstifters entwickelt sich immer mehr zu einer schier unglaublichen Krimi-Klammotte
Ganz Gmünd, vor allem der Stadtteil Lindach, schüttelt nur noch den Kopf angesichts der Nachrichten und Einzelheiten, die im traurigen Falle des Lindacher Brandstifters nach und nach zum Vorschein kommen. Offenbar hat er zumindest vor einer Brandstiftung wertvolles Material in Sicherheit gebracht, um sie übers Internet zu verscherbeln.
SCHWÄBISCH GMÜND
(hs). Glücklich zeigte sich dieser Tage Gerda Fetzer, rastloser Motor des Fördervereins Schwäbisch Gmünder Schulmuseum. Denn unverhofft seien jetzt plötzlich besonders wertvolle Gegenstände aus der historischen Sammlung des Museumsvereins wieder aufgetaucht. Darunter ihre besonders geliebte Bärenschule. Die herzige und äußerst wertvolle Darstellung eines Schulbetriebs für kleine Bärenfiguren ist sehr alt. Und die Bärenschule wurde auch schon bei vielen Ausstellungen des Vereins bewundert. Auch andere wichtige Stücke aus der Sammlung seien plötzlich wieder da, zumindest auf Fotos, die ihnen Beamte der Kriminalpolizei Schwäbisch Gmünd kürzlich mit der Fragestellung zeigten, ob der sachkundigen Leiterin des Schulmuseums die Gegenstände bekannt seien. Obwohl der Fundus des Museums riesengroß ist, konnte sich Gerda Fetzer an diese besonders wertvollen Gegenstände weitgehend erinnern. Die Ermittler hatten die Antiquitäten offensichtlich aus Internetauktionen herausgefischt.
Hermann Staudenmaier. Leiter der Kriminalpolizei Schwäbisch Gmünd, konnte diese Vorgänge gestern nicht dementieren, will aber auch aufgrund laufender Ermittlungen noch keine weiteren Details zu diesen kuriosen Abläufen im Zusammenhang mit der Brandstiftung nennen. Es sei jedoch schon richtig, dass es auch in Richtung Diebstahl Ermittlungen gegen den Lindacher Brandstifter gegeben habe, die jedoch „vorübergehend eingestellt waren“. Weil nun der Fall durch die Berufung des Beschuldigten voraussichtlich vor das Landgericht gehe und dort der Fall umfassend dargestellt werde, schließe er, Staudenmaier, nicht aus, dass nun auch die Ermittlungen wieder voll aufgerollt werden und somit alles auf den Tisch des Richters kommt. Hinweise gibt es demnach zum Vorwurf, dass der bekanntlich geständige Brandstifter vor seinem Anschlag aufs Lindacher Bezirksamt aus der dort im Dachgeschoss eingelagerten Sammlung des Vereins Schulmuseum das eine oder andere Sammlerstück sorgsam zu sich nach Hause in Sicherheit gebracht haben könnte, um es hernach via Internet-Auktionen in bare Münze zu verwandeln. Bei den Hausdurchsuchungen hatte die Polizei ja auch den Computer des Beschuldigten beschlagnahmt.
Hermann Staudenmaier deutet weitere Verdachtsmomente an, die das ehemalige berufliche Umfeld des Mannes im Baubetriebsamt der Stadt Schwäbisch Gmünd betreffen. Auch dort gebe es Ungereimtheiten im Umgang mit Materialien, die dem
40-Jährigen anvertraut gewesen waren. Ebenso, so hatte die Staatsanwaltschaft schon seinerzeit erklärt, den „Anfangsverdacht“ im Zusammenhang mit zwei bis heute ungeklärten Großbränden in zwei Bauhof-Lagerhallen.
Für die Brandstiftung im Bezirksamt im Oktober
2007 und in einem Brennholzlager wurde der
40-Jährige zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Im Laufe weiterer Ermittlungen wurde ihm auch noch das Feuer in einem Ökohaus zur Last gelegt, worauf es auch zu einem Geständnis kam. Ein weiteres Jahr Gefängnis kam dazu.
Kripo-Chef Staudenmaier erklärt, dass doch alle ziemlich überrascht gewesen seien, dass der Verurteilte in die Berufung gegangen sei, um in der nächsthöheren Gerichtsinstanz gegen die insgesamt dreijährige Gefängnisstrafe seinen Einspruch geltend zu machen. Vor dem Schöffengericht in Gmünd hatte der ehemalige Feuerwehrmann noch erklärt, dass ihm alles, was passiert sei, sehr leid tue. Die Richter warfen ihm „Geltungssucht“ vor. Nicht auszuschließen nun, dass da auch noch der Vorwurf der „Gewinnsucht“ hinzu kommt.
Noch keine Kommentare vorhanden.