Prag war das Ziel der Chorreise des Philharmonischen Chors Schwäbisch Gmünd Freundschaftskonzert in der Akademie der Musischen Künste
Prag — das war das Ziel der Chorreise des Philharmonischen Chors Schwäbisch Gmünd. Der Chor unter der Leitung von Stephan Beck konzertierte mit anderen europäischen Chören und gestaltete einen Gottesdienst musikalisch. Daneben entdeckten die Gmünder Sängerinnen und Sänger die „Goldene Stadt“ in vorweihnachtlichem Flair. Von Barbara Sterner
SCHWÄBISCH GMÜND. „Alle da?“ fragt Hermann Karg, der chorinterne Reiseorganisator, im Bus. „Ja!“ schallt es zurück. Es begleiten die Sänger auch Martin Grübl, der Vorsitzende des Freundeskreises des Philharmonischen Chors, und seine Frau Franziska. Nach sieben Stunden Fahrt erreicht man Prag. Draußen ist es Nacht geworden.
Beim Weg durch die Stadt taucht plötzlich rechts von uns eine große Baustelle auf. Sie ist hell beleuchtet, es ist eine Tiefbaustelle, viele Meter breit, ein großes Loch. Dort wird eine U-Bahn gebaut. Die Szene wirkt vertraut. Sie erinnert an die Tunnelbaustelle in Gmünd.
Der nächste Tag steht ganz im Zeichen des Gesangs: Am Vormittag proben die Sänger in der Kirche mit dem wunderschönen Namen „Maria im Schnee“. Man will dort am darauf folgenden Tag einen Gottesdienst musikalisch gestalten. Der Name der Kirche kommt von einer Legende: Maria habe es mitten im Sommer auf den Platz schneien lassen, um dort den Standort der zukünftigen Kirche anzuzeigen.
Pater Dabrowski gestattet einen Blick in die barocke Bibliothek
Nach der Probe und einer Verschnaufpause nähern sich die Sänger und Sängerinnen dem ersten musikalischen Höhepunkt unserer Reise: Dem Freundschaftskonzert mit drei weiteren Chören. Es findet in der Akademie der Musischen Künste statt, in einem wunderschönen klassizistischen Saal.
Eine Orgel füllt fast die gesamte Stirnseite des Raumes aus. Neben dem Philharmonischen Chor treten ein niederländischer, ein slowakischer und ein polnischer Chor beim Konzert auf. Bald ist es soweit: Der Philharmonische Chor steigt die Stufen hoch zur Bühne und stellen uns auf. Stephan Beck hat die künstlerische Leitung des Auftritts des Philharmonischen Chors, Hubert Beck begleitet an der Orgel. Ein letzter Blickaustausch, dann geht es los. Andreas Hammerschmidts „Machet die Tore weit“ eröffnet, gefolgt von Mozarts cantablem „Laudate Dominum“. Die Solopartie übernimmt die Sopranistin Anna Escala. Diese unterrichtet seit März dieses Jahres die Chormitglieder in Stimmbildung. Im „Macht hoch die Tür“ des Kantors der Londoner Westminster Abbey, Colin Mawby, sowie im a cappella vorgetragenen „Maria durch ein Dornenwald ging“ in einem Satz von Heinrich Kaminski, schwingt das adventliche Erwarten mit. Zufrieden machen sich die Gmünder nach dem gelungenen Konzert auf den Weg zu einer Stadtführung. Bei dieser erfahren wir unter anderem, dass Prag die „Goldene Stadt“ heißt wegen der goldenen Fahnen und Kugeln auf den über
1200 Türmen und Türmchen. Diese leuchten bei Sonnenschein, wenn man von oben auf sie herabschaut. Der Abend klingt aus in einem Restaurant in einem der typischen Kellergewölbe Prags. Sonntagmorgen. Es hat geschneit! Es ist für viele der erste Schnee, den sie in diesem Winter sehen. Man eilt zu Fuß zur Kirche „Maria im Schnee“ und erklimmen die kleine Wendeltreppe zur Empore. Weihrauchduft steigt in die Nase. Hubert Beck begleitet wieder an der Orgel. Man singt eine lateinische Messe eines zeitgenössischen polnischen Komponisten. Das Orgelspiel setzt ein, der Gottesdienst beginnt.
„Heute erklingen nicht nur geistliche Gesänge, sondern wir mögen ein Herz und eine Seele sein!“, begrüßt Pater Dabrowski auf Deutsch. Der Rest der Messe ist auf Tschechisch. Dies lässt Raum dafür, sich umso mehr auf die Stimmung und Melodien der fast meditativ anmutenden Antwortgesänge einzulassen. Plötzlich kommt die Tonmelodie des Paters vertraut vor: das Hochgebet. „Dona nobis pacem!“ schließen die Sänger das Agnus Dei. Der Schlussakkord der Orgel verklingt. Beim Psalm „Hör mein Bitten“ von Felix Mendelssohn Bartholdy singt Anna Escala das Solo. Ihre Stimme füllt den Kirchenraum. „Gott, hör mein Fleh’n!“ Dramatisch intoniert Escala die Solopartie des suchenden Gläubigen. Als wir nach dem Gottesdienst aus der Kirche treten, fallen sanft Schneeflocken.
Am Pfarrhaus erwartet eine Überraschung: Pater Dabrowski lädt zu einem Stamperl selbst gebranntem Pflaumenschnaps und Kaffee ein. Die unerwartete Geste berührt. Man stoßt auf die nette Begegnung an. Plötzlich fragt der Geistliche: „Wollt Ihr unsere Barockbibliothek sehen?“ Er zieht einen Schlüssel aus der Tasche und geht voran. Die Tür geht auf. Die Sängerinnen und Sänger blicken sprachlos auf einen wunderschönen langgezogenen Raum mit kreuzgebauten Deckengewölben. An den Wänden stehen Regale, dunkle Buchrücken füllen die Regalbretter. Der Pater zeigt ein großes, beschlagenes Buch. „Dieses Manuskript ist aus dem
15. Jahrhundert“, erklärt er stolz. Wieder eine Perle auf dieser Prag-reise.
Am Abend kommt man schließlich wohlbehalten in Schwäbisch Gmünd an. Eine ereignisreiche Fahrt geht zu Ende mit viel Chorarbeit, Chorgemeinschaft und der Entdeckung vieler Ecken und Ansichten von Prag. Eine Mitsängerin spricht den Teilnehmern aus dem Herzen. Sie meint: „Es war einfach subba.“
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