Rems-Zeitung - Täglich eine gute Zeitung

Anzeige

Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Montag, 28. Dezember 2009

Der mittelalterliche Mystiker gab den Anlass für die Predigt zum Festgottesdienst im Münster

Im Heilig-​Kreuz-​Münster war der Festgottesdienst am ersten Weihnachtsfeiertag bestimmt von festlicher Musik und Münsterpfarrer Robert Klokers Predigt, in der er dem spätmittelalterlichen Theologen und Mystiker Meister Eckhart nachspürte. VON Dietrich Kossien

SCHWÄBISCH GMÜND. Mit der Pastoralmesse F-​Dur op.147 für Soli, Chor, Orchester und Orgel von Anton Diabelli (17811858) wurde der Gottesdienst von Kathrin Bechstein und Silke Wienerroither, Sopran, Susanne Wiker, Alt, Jens Ellinger, Tenor, Ulrich Weber, Bass, und Münsterorganist Stephan Beck sowie dem Münsterchor und dem Orchester des Heilig-​Kreuz-​Münsters unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Hubert Beck beeindruckend gestaltet.
Die Zahl der über Weihnachten verlorenen gelungenen oder weniger gelungenen Worte sei Legion! So begann Pfarrer Kloker seine Predigt. Er wolle einen merkwürdigen, doch überzeitlich aktuellen Satz Meister Eckharts zum zentralen Inhalt seiner Weihnachtspredigt machen, der laute: „Niemals hat ein Mensch irgendetwas so begehrt, wie Gott danach begehrt, beim Menschen sein zu dürfen.“ Pfarrer Kloker stellte zunächst die Frage, ob es wirklich so erstrebenswert sei, bei den Menschen zu sein? Tagtäglich höre man davon, was das menschliche Dasein zutiefst präge: Streit und Gewalt, Terror und Krieg, Hunger, Unterdrückung und Ungerechtigkeit, Krankheit und Tod. Davon sei auch die weihnachtliche Festzeit nicht ausgenommen.
Gott selbst hätte es wissen müssen. Als sein Sohn als Mensch geboren wurde, da habe er sofort die Nöte des Menschseins gespürt. Eine Futterkrippe sei seine Wiege gewesen, so erzähle es das Lukasevangelium. Bereits im Stall von Betlehem habe es sich abgezeichnet, dass der Sohn Gottes nicht zu den Begünstigten dieser Welt gehöre, sondern zu den Außenseitern, den Verlierern, den Menschen am Rande. Wofür habe er das alles auf sich genommen? Die Antwort auf dieses Rätsel der Menschwerdung Gottes erhalte man im ersten Johannesbrief: „Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben“. So groß sei also die Liebe Gottes zu den Menschen, dass er es nicht aushalte, uns in unserem schwachen, angefochtenen und hinfälligen Dasein allein zu lassen. Er wolle bei uns sein – in jeder Gefährdung, in jeder Sorge, in jeder Trauer. Das sei das Geheimnis von Weihnachten: „Der Glaubende ist nicht allein. Er weiß sich umfangen von Gottes Liebe und er darf auf das bleibende Geleit und den Beistand des göttlichen Geistes vertrauen“. Gott wolle bei den Menschen sein. Anknüpfend daran stellte Pfarrer Kloker die Frage: „Wollen auch wir bei uns und bei unseren Mitmenschen sein?“ Wir hätten doch selbst genügend zu tragen, wir könnten uns nicht auch noch um andere kümmern. Jeder sei sich selbst der Nächste. Weihnachten aber wolle unser Leben verwandeln und Zeugnis geben vom dem Licht, das in die Welt gekommen sei und unser Dasein verändert habe. Wir wären Ziel seiner Sehnsucht und seiner Liebe. Und diese sollten wir weiterschenken und daraus eine Leidenschaft für alles Menschliche, alles Humane zu entwickeln. Wie das konkret gehen könnte, dazu würden die festlichen Tage ebenso wie unser Alltag genügend Möglichkeiten geben.
 

Noch keine Kommentare vorhanden.

Neuen Kommentar hinzufügen