In Gotteszell ließen sich die Frauen von der Botschaft bewegen
Es ist schon etwas ganz besonders Berührendes, wenn man am Heiligabend den ökumenischen Gottesdienst in der Justizvollzugsanstalt Gotteszell besuchen und verfolgen kann, wie die dort weilenden Frauen emotional bewegt am Gottesdienst teilnehmen. Von Dietrich Kossien
SCHWÄBISCH GMÜND. Mit einem ökumenischen Festgottesdienst an Heiligabend für Inhaftierte und Bedienstete ging in Gotteszell das Gedenkjahr „
200 Jahre Haftanstalt im ehemaligen Dominikanerinnenkloster“ zu Ende. Ein besonderer Gast war dabei der evangelische Landesbischof July, der mit den Gefangenen die Gewissheit teilen wollte, dass ihre Namen nicht nur in Prozessakten festgehalten sind, sondern auch „im Himmel aufgeschrieben“ sind. Auch der katholische Pfarrer Gebhard Luiz, die katholische Gefängnisseelsorgerin Sr. Johanna Koluder und die evangelische Gefängnispfarrerin Susanne Büttner waren im Gottesdienst dabei, ebenso wie der evangelische Dekan Immanuel J.A. Nau. Musikalisch wurde der Festgottesdienst in der weihnachtlich geschmückten Kirche vom Gmünder Motettenchor unter der Leitung von KMD Sonntraud Engels-Benz gestaltet. Eine Gruppe von zwanzig inhaftierten Frauen erfreute durch das von ihnen mit Hingabe gespielte traditionelle Krippenspiel. Nicht ein Platz in der Kirche blieb frei, als Pfarrerin Susanne Büttner alle begrüßte. Sie hob hervor, dass an diesem Tag alle Christen die Menschwerdung Gottes feierten. Und Gott komme auch in diese Mauern und Zellen, weil er vor keinem Elend Halt mache. Den Besuch des Landesbischofs in Gotteszell sah sie unter dem Aspekt, dass auch in diesem Gefängnis eine große Gemeinde sei, die auf Gott warte. Vom Wunder der Weihnacht ließen sich alle im Weihnachtsevangelium nach Lukas berühren; das Wunder, das damals geschah, konnte dann im Krippenspiel nachvollzogen werden, verbunden mit dem Nachdenken über die in diesem Spiel auch gestellte Frage, „ob wir bereit sind, das Licht aufzunehmen, das zu den auf Erlösung wartenden Menschen kommt.
Noch einmal neu anfangen -
ohne die Schatten
In der Predigt, die der evangelische Landesbischof Frank Otfried July hielt, ging es im Blick auf das Weihnachtsgeschehen und die in Gotteszell wohnenden Frauen auch um den Wunsch vieler Menschen, noch einmal neu anfangen zu können, ohne die Schatten, die auf dem Leben liegen. Das solle die Weihnachtsbotschaft sichtbar machen: „Gott fängt noch einmal mit uns an.“ Diese Botschaft wolle er auch in Gotteszell weitergeben. Weihnachten sei so mehr als die Sammlung von Erinnerungen: „Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes.“, wie es im Titusbrief stehe. Neues solle aufgeschlossen werden, und das weise über Maria und Josef hinaus. Es sei ein neuer Anfang für die Menschen in der Welt. In Jesus wolle Gott den Menschen nahekommen und auch die Mauern öffnen, die sie um sich aufgebaut hätten. Neu anfangen, und aufatmen dürfen – Gott meine es ernst. Und wenn er uns beim Namen rufe, dann nicht, um uns wieder zu vergessen. Der Bischof schloss: „Freut euch, dass eure Namen aufgeschrieben sind.“ Das seien nicht nur die Bekannten und Großen. Und darin könne auch Hoffnung und Kraft für die Frauen in Gotteszell liegen. Eingebettet in die Predigt waren Weihnachtslieder, die alle mitsangen.
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