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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 30. Dezember 2009

Die Familie Harr ist heute noch einmal im letzten Brauereigasthof in der Engelgasse zu finden

In wenigen Wochen hätten sie ihren 22. Jahrestag im „Kübele“ gefeiert, statt dessen haben die Gäste heute zum letzten Mal die Gelegenheit, sich von Willi und Sabine Harr bewirten zu lassen.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Voraussichtlich noch in diesem Frühjahr wird dieses Kernstück der alten Gmünder Gasthausherrlichkeit im Zuge der Landesgartenschauplanung einer Abrissbirne zum Opfer fallen.
Sabine und Willi Harr sind 1987 in einer Fachzeitschrift aufs Kübele gestoßen; damals führten sie ein Lokal in Esslingen, das zu klein geworden war. Als sie von der „Brauereigaststätte in einer aufstrebenden und schönen Stadt“ hörten, diese dann sahen, von ihrer Tradition erfuhren und ihre Möglichkeiten erkannten, waren sie begeistert. Fast eineinhalb Jahre hatte das Kübele damals keinen Pächter mehr gehabt; einfach weil gute deutsche bzw, schwäbische Küche gesucht wurde. Unter über hundert Bewerbern erhielten die Harrs den Zuschlag. Mit gutem Grund: Willi Harr hatte in der Alten Kanzlei in Stuttgart gelernt und sich die Sporen im Exquisit bei Bräuninger und in der Traube Tonbach verdient.
Aller Anfang ist schwer; gleich in den ersten Tagen wurde das Auto geklaut, es gab mächtig Ärger mit der Konzession, und nach 14 Tagen war Willi Harr fast so weit, wieder den Möbelwagen kommen zu lassen. Aber einfach so aufgeben? Nicht, ohne wirklich alles versucht zu haben. So wurde also im März vor 22 Jahren eröffnet. Sebastian war damals bereits auf der Welt – und wurde auch schon mal von den Stammgästen, die sich alsbald einstellten, im Kinderwagen den Gang auf– und abgeschoben – bald stellten sich Stefanie und Maximilian ein, und die Harrs, die zunächst immer wieder die Frage, ob sie denn Gmünder seien, verneinen mussten, gehörten irgendwann ganz selbstverständlich dazu. Viele Gäste sind ihnen von Anfang an treu gewesen. Erna Österle etwa, pensionierte Lehrerin, ist 99 Jahre alt und war bis zum Schluss während der Sommermonate mit ihrer Schwester Lydia hier – und mit ihren alten Schulklassen, die sie verehren. Die Harrs sind hier längst daheim. Sie leben im Rehnenhof und werden auch nicht mehr weggehen. Ein neues Lokal suchen sie nicht, aber Willi Harr wird Sohn Michael im Heubacher Langhaus unter die Arme greifen. Der Abschied vom Kübele fällt schwer: „Wir wussten seit dem Sommer, dass wir gehen müssen“ jetzt aber, wo viele Gäste, denen bewusst wird, was künftig fehlen wird, „mit Tränen in den Augen“ Ade sagen. Da denken auch sie mit viel Wehmut zurück an ihre Zeit im Kübele.
Wer mehr wissen will über dieses Traditionsgasthaus wird bei Theo Zanek fündig: „Zu den bekanntesten Gaststätten zählte schon immer das Kübele“ – immerhin Teil der letzten Gmünder Brauerei, der Engelbrauerei. Im 18. Jahrhhundert, so hat Zanek herausgefunden, war das Haus noch als „Stomppen“ in der Ledergasse bekannt, was vermutlich auf eine Wirtsfamilie namens Stump zurückgeht. 1783 wurde Josef Knoll Wirt, der so gerne mit seinen Gästen feierte und trank, dass er zehn Jahre später aufgeben musste und völlig verarmte. 1842 wurde das Anwesen nebst Brauerei verkauft. Der neue Besitzer Christian Kübler vermachte der Gaststätte seinen Eigennamen; offiziell aber nannte er sie Engel — der Name war frei geworden, nachdem der alte Engel dem Stadtbrand zum Opfer gefallen war. 1945 überflog eine Fliegerstaffel Gmünd und bombardierte einen abgestellten Zug; eine Bombe traf das Kübele, das komplett abbrannte und neu aufgebaut wurde. Zum letzten Mal.
 

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