Rems-Zeitung - Täglich eine gute Zeitung

Anzeige

Lokalnachrichten

» Ostalbkreis | Donnerstag, 31. Dezember 2009

Jugendliche aus Böbingen renovieren derzeit ihr selbstverwaltetes Jugendzentrum Bäbo und übernehmen Verantwortung

Der rustikale Stil ist im „Bäbo“ einer modernen, elegant-​coolen Atmosphäre gewichen — und manche Gesichter sind neu. Geblieben ist das Prinzip, dass die Jugendlichen aus Böbingen ihren Treffpunkt selbst verwalten, Verantwortung übernehmen und nicht professionell betreut werden müssen. Von Gerold Bauer

BÖBINGEN. „Verantwortung“ ist ein oft zitiertes Wort, wenn es um das Verhältnis von Erwachsenen zu Jugendlichen geht; Verantwortung in dem Sinne, dass Erwachsene einer Verpflichtung unterliegen, jungen Menschen dabei zu helfen, ihren Weg ins Erwachsenenleben zu finden. Verantwortung bedeutet aber auch, dass im Gegenzug die Jugend unter Beweis stellen darf, dass sie selbst ihre Freizeit sinnvoll gestalten und auch ohne erwachsene Aufsicht dafür sorgen kann, dass die Spielregeln eingehalten werden.
„Junge Menschen müssen nicht immer von Erwachsenen animiert werden, sondern können selbst viel bewegen“, ist Gemeinderätin Gabi Ernst überzeugt. Sie hat sich im Gemeinderat dafür stark gemacht, ein großzügiges Budget für eine „Wiederbelebung“ des selbstverwalteten Jugendzentrum in Böbingen zur Verfügung zu stellen. Es ging darum, einen Generationswechsel zu vollziehen und dafür zu sorgen, dass neue Jugendliche aus der Gemeinde ihren Weg ins „Bäbo“ finden.
Diese „Frischzellenkur“ beschränkte sich aber nicht nur auf das Durchschnittsalter der Besucher, sondern auch auf die Räumlichkeiten. Wassereinbrüche durch ein undichtes Dach, das abenteuerliche Verlegen von Kabeln und der an der Optik kräftig nagende Zahn der Zeit machten eine umfassende Renovierung nötig. Aus zunächst ins Auge gefassten Schönheitsreparaturen wurde eine Generalsanierung, die unterm Strich fast doppelt so viel kosten wird, wie zunächst angenommen. Dem Gemeinderat war die Jugendarbeit aber wichtig genug, um weitere 10 000 Euro locker zu machen.
Doch selbst dieses Geld hätte bei weitem nicht gereicht, wenn die jungen Böbinger und einige Erwachsene nicht bereit gewesen wären, selbst Hand an zu legen. „Rund eine Woche hat allein das Ausräumen und Ausbauen der fest installierten Möbel gedauert — insgesamt werden die Arbeiten rund vier Wochen dauern“, zieht der „harte Kern“ (sieben bis acht Personen, die ständig auf der Baustelle sind) eine Zwischenbilanz. Nicht stöhnend wegen der Anstrengung, sondern stolz darauf, dass man gemeinsam eine solche Leistung erbringt.
Die meisten der „Bauarbeiter“ — darunter einige Mädchen — sind streng genommen keine Jugendlichen mehr, sondern per Gesetz schon erwachsen. Aber das „Bäbo“ ist ihr Ding, und wird es auch noch einige Jahre bleiben. „Eine feste Altersgrenze nach oben gibt es nicht“, sagt Gabi Ernst mit Blick auf die Statuten. Es sei durchaus erwünscht, dass Minderjährige durch Kontakt mit jungen Erwachsenen in die Aufgaben eines selbstverwalteten Jugendzentrums hineinwachsen. Dies bestätigt der 19-​jährige Kevin Beißwenger, der schon seit drei Jahren ins Bäbo kommt, seit zwei Jahren dem Jugendrat angehört und nun zu den „alten Hasen“ zählt. Durch gezielte Aktionen und eine betreute junge Gruppe (ab zwölf Jahren) will man für regelmäßigen Nachwuchs sorgen. Ein Beispiel dafür ist der 13-​Jährige Alexander Ulmer, der ständig bei der Renovierung dabei ist. Weil er durch den Modellbau schon handwerkliche Erfahrungen hat, macht ihm der Zusammenbau der Möbelteile keine Schwierigkeiten. Die Möbel im Eigenbau-​Verfahren sind freilich keine besseren „Obstkisten“, sondern werden am Ende eine professionelle Optik bieten. Dafür sorgt Schreiner Jürgen Bart, der die Teile so vorbereitet hat, dass sie im Baukastensystem montiert werden können. Die Gestaltung und die Polsterfarbe — es wird „Apfelgrün“ sein — wurde per Abstimmung von den Jugendlichen selbst festgelegt. Selbst regeln wollen sie auch, dass keiner im „Bäbo“ Alkohol trinkt oder raucht. Wer dies möchte, muss es außerhalb tun. Und aus Rücksicht auf die Nachbarn wird die neue Musikanlage im renovierten „Bäbo“ keine Disco-​Dimensionen haben.
 

Noch keine Kommentare vorhanden.

Neuen Kommentar hinzufügen