Katharina Dippon erzählt von ihrem Nebraska-Jahr ländlicher, aber auch herzlicher gehts kaum
Die junge Dame ist 18, sieht aber jünger aus. Sie wirkt zart und zierlich, aber die Auszeichnungen, die ihre Gast-Schule in den USA ins Internet gestellt hat, fürs Volleyballspiel etwa, machen klar, dass sich die Alfdorferin durchaus behaupten kann.
ALFDORF
(bt). Überhaupt: Eine Schülerin, die für ein Jahr lang alles hinter sich lässt, um sich in ein anderes Land, eine andere Kultur und nicht zuletzt in eine andere Sprache einfühlen zu können, hat eines ganz bestimmt: Schneid.
Gut, es war Pech, so wird aus ihrer Erzählung deutlich, dass sie von allen möglichen Orten in den
USA nach Mead in Nebraska geschickt wurde; sicher nicht ihre erste Wahl. Aber das ist eine Bedingung des Austauschprogramms „EF“, an dem sich Katharina beteiligt hat – „dein Traum vom Leben in Amerika wird wahr mit einem EF High School Year“ – : Keine Kontrolle darüber, in welchem Bundesstaat dieses Jahr stattfinden wird. Nebraska gilt als sehr schöner, aber eben auch extrem ländlich geprägter Staat im Mittleren Westen: „Nichts als Felder“, war Katharinas erster Eindruck. Mead, für ein Jahr ihre Heimatstadt, hat kaum
500 Einwohner, einen Pub und eine High School und nicht sehr viel mehr. Wer mit dem Farmleben nicht viel anfangen kann, wer nicht reitet und sich auch nicht für Pferde, Rinder und landwirtschaftliches Gerät interessiert, zunächst wohl auch nicht sonderlich für die Themen, die dort bestimmend sind, erfährt so eine Art Kulturschock. Bemerkenswert auch das extreme kontinentale Klima: Die Winter so viel kälter, die Sommer so viel heißer. Auch etwas, an das man sich gewöhnen muss. Die erste Zeit war, das gibt sie zu, immer wieder unterbrochen von akuten Heimweh-Anfällen.
Die Wende kam mit der Erkenntnis, wie viel Freude ihr der Schulsport machte — jeden Tag nach der Schule, das ist in Nebraska selbstverständlich: Volleyball, Basketball, Leichtathletik, immer im Team, immer umgeben von meist herzlichen, interessierten Altersgenossen. Und dann war da natürlich ihre Gastfamilie, die ihr stets das Gefühl gab, willkommen zu sein. Ihre gleichaltrige Gastschwester Amy wurde ihr eine richtig gute Freundin; die junge Frau hatte zwar einen Freund, aber der lebte in so großer Entfernung, dass die Alfdorferin nie das Gefühl hatte, zu stören. Katharina Dippon denkt heute gerne an ihr Amerika-Jahr zurück, nicht nur weil sich ihre Sprachkenntnisse und damit ihre berufliche Qualifikation entscheidend verbessert haben: Sie durfte die Obama-Wahl erleben, ein einschneidendes Erlebnis. Und sie war gern in der Schule: „Die Lehrer sind weit weniger streng, alles ist einfacher“; beeindruckt war sie von den vielen Angeboten und Fächern, die die Schüler jeden Wochentag bis
18 oder
19 Uhr beschäftigen – Theater-AG etwa, oder die Arbeit im Gewächshaus.
Katharina hat vieles erlebt und beobachtet, was die Mitschülerinnen und Mitschüler am Gymnasium Friedrich II. in Lorch interessieren dürfte: Wann gibt es schon die Möglichkeit, das Leben in einer ganz anderen Welt aus erster bzw. zweiter Hand kennen zu lernen. So konnte die deutsche Gasttochter nicht fassen, dass die Mitglieder der Gast-Familie Wilmer, wie auch die Nachbarn und die Bekannten, immer und überall das Telefon zücken. Soll der Sohn zum Essen runterkommen, ein paar Stufen nur, oder der Mann von der Veranda ins Haus, werden sie telefonisch benachrichtigt.
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