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» Ostalbkreis | Freitag, 04. Dezember 2009

Johannes Schmiedt und Horst Fritz vom SAV Lorch stellen unter anderem Fahrrinnen aus der Römerzeit und Sühnekreuze vor

Schwer zu sagen, wie viele Kilometer sie zurückgelegt, wie lange sie gesucht und geforscht haben. Die Mühe hat sich gelohnt: Johannes Schmiedt und Horst Fritz fanden in den Lorcher Wäldern Grenzsteine, Sühnekreuze, wertvolle Wappen und Grabsteine aus längst vergangener und fast vergessener Zeit.

LORCH (bt). Jüngstes Projekt des Schwäbischen Albvereins ist ein Büchlein, das die Kleindenkmäler des Ostalbkreises vorstellen soll. In diesem Zusammenhang wurden alle Ortsgruppen aufgerufen, innerhalb ihrer Gemarkung nach solchen Schätzen zu suchen. Johannes Schmiedt und Horst Fritz, die beiden Kultur– und Wegewarte des Schwäbischen Albvereins Lorch — unter anderem von Martina Blaschka vom Landesdenkmalamt geschult und auf die richtige Spur gebracht — wussten wo und was sie vermessen und dokumentieren wollten. Oder zumindest, wo die Suche sinnvoll sein würde. Und sie haben sich auf den Weg gemacht, haben die erstaunlich zahlreichen Lorcher Schätze bewertet, fotografiert, nummeriert, ihre Lage in eine topographische Karte eingetragen und das Ganze auch noch auf DVD festgehalten. Die Beiden sind in vielen Fällen fündig geworden; kein Wunder bei der in jeder Beziehung reichen Geschichte der Klosterstadt. Mehrere Grenzsteine links und rechts der Rems wurden gefunden, zum Teil mit dem Abtsstab des Klosters Lorch und der darüber liegenden Hirschstange der Grafen, ab 1495 der Herzöge von Württemberg. Diese Grenzsteine, die noch heute zum Teil in unerwartet großer Entfernung in den Wäldern zu finden sind, zeugen vom einstigen Reichtum des Klosters Lorch, das immerhin über tausend Hektar Wald und nahezu 800 Lehenshäuser verfügte.
Ein anderes Thema sind die Sühne– bzw. Busekreuze aus dem 15. und 16. Jahrhundert, die mit einiger Wahrscheinlichkeit an ein in grauer Vorzeit begangenes Verbrechen erinnern: Wo ein Mensch getötet wurde und ohne Sterbesakramente von dieser Welt ging, musste der Totschläger unter anderem ein Kreuz meißeln — Johannes Schmiedt spricht von einer entsprechenden Vereinbarung zwischen kirchlicher und weltlicher Obrigkeit. Die Sühne-​Kreuze sollten auch verhindern, dass die Familie des Opfers das Gesetz in die eigenen Hände nahm; die Zeit der geduldeten Blutrache war vorbei. Auch altehrwürdige Wappen sind in Lorch zu finden: Die beiden ehrenamtlichen Heimatforscher nennen das Wappen der Wöllwarth und von Degenfeld aus dem Jahre 1622, das über der Eingangstür des Gasthauses zum Ochsen prangt.
Die künstlich erzeugten Rinnen im Sandstein gehen in die Römerzeit zurück. Schmiedt: „Die Rinnen wurden künstlich erzeugt, damit die Fuhrwerke auf dem Sandstein nicht ins Rutschen kamen und umkippten. Sie wurden immer nur einseitig geschlagen, also immer nur für eine Radseite; die schräg verlaufende Rinne war eine Ausweichspur“. Wer einmal damit begonnen hat, die Vergangenheit zu erforschen, kann sich der Faszination dieser Funde, die alle eine Geschichte zu erzählen haben, nur schwer entziehen. Den beiden Lorcher Albvereinlern jedenfalls macht ihre Arbeit viel Freude. Schmidt: „Es gibt viele altehrwürdige Kleindenkmale in unserem Ostalbkreis und es ist von höchster Wichtigkeit, diese Kleindenkmale aufzusuchen und in Zusammenarbeit mit SAV und Landesdenkmalamt in einem Buch vorzustellen“. Viel Arbeit kommt auf die Kulturwarte zu; dem SAV wär’s natürlich am liebsten, alle Ortsgruppen wären so engagiert bei der Sache wie die Lorcher.
 

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