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» Kultur | Freitag, 04. Dezember 2009

Tatarische Staatsoper Kasan mit einem opulenten Nussknacker im Stadtgarten

Zu einem vorweihnachtlichen Festtagsvergnügen lud am Mittwoch das Ballett der Tatarischen Staatsoper in der städtischen Musiktheaterreihe alle Liebhaber des klassisch — romantischen Balletts.

BALLETT (cl). Im vollbesetzten Stadtgarten wurde E.T.A. Hoffmanns Weihnachtsmärchen „Nussknacker und Mausekönig“ in der weltberühmten Ballettfassung von Tschaikowsky getanzt. Das Nussknacker — Ballett hatte schon bei der Premiere am 6. Dezember 1892 einen Riesenerfolg. Es gilt noch heute als Inkarnation der klassischen russischen Ballettkunst. Ursprünglich hatte Tschaikowsky das Thema als Kinderzimmerspiel für seine Nichten und Neffen arrangiert
Präsentiert wird darin die Wunschtraumwelt des zwölfjährigen Mädchens Marie, das in der Nacht des Weihnachtsabends von seinem Geschenk, einem Nussknacker, träumt. In ihrem Traum wird er von einer Horde frecher Mäuse bedroht, aber von tapferen Soldaten und mit Maries Hilfe gerettet und zum Leben erweckt. So dramatisch diese Szenen sind, so reizend und zauberhaft gestaltet sich dann die Reise ins Reich der Schneekönigin und der Zuckerfee. Für rund zwei Stunden wurden die Zuschauer aus dem Alltag in die romantische und fantasievolle Welt der Träume und Sehnsüchte entführt. Die Tänzerinnen und Tänzer der Tatarischen Staatsoper Kasan überzeugten wieder einmal mehr mit technisch exzellenten Solisten, dem hervorragenden Corps de ballet und der verschwenderisch schönen Ausstattung und dem Farbenrausch der herrlichen Kostüme — das alles verschmolz zu einem rundum gelungenen Gesamtkunstwerk.
Aus dem Alltag in die Welt
der Träume und Sehnsüchte
Von graziöser Eleganz und athletischen Sprungfertigkeit der Asiaten oder den mechanischen Bewegungsabläufen der Puppe — von der Tänzerin täuschend echt dargestellt — über ein rassiges spanisches Tanzpaar oder geheimnisvollen Araberinnen, die mit Pirouetten und Arabesken verzauberten, den spannenden Kampf der Pfefferkuchen-​Soldaten mit den Mäusen, den bezaubernden Tanz der Schneeflöckchen oder den Tanz der Zuckerfee bis hin zu dem romantischen Pas de deux des Mädchens mit ihrem Nussknacker — die Gmünder Zuschauer waren von jedem Handlungsmoment gefesselt.
Auch in das bunte Treiben des Weihnachtsfestes konnte sich der Zuschauer hineinversetzen: Die Stadtgartenbühne hatte das entsprechende Flair durch eine aufwendig gestaltete, weihnachtliche Dekoration und Lichteffekte bekommen und sogar die jüngsten Zuschauer kamen in der Pause kurz auf ihre Kosten: Eine große Stoffmaus, die bei der Mäuseschlacht über die Bühne laufen sollte, rollte ungeplant die Bühnentreppe hinunter und blieb vor der ersten Reihe liegen. „Getröstet“ wurde sie dann mit kleinen Streicheleinheiten
Nach dem Finale und der Apotheose wurden die Tänzerinnen und Tänzer des Balletts mit Bravorufen und einem nicht enden wollenden Applaus belohnt. Eine Besucherin kommentierte den Abend: „Da möchte man am liebsten noch einmal jung sein und selber mittanzen“ Die ganze Inszenierung war ein Fest fürs Auge und eine märchenhaft schöne Einstimmung auf die Weihnachtszeit.
 

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