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» Schwäbisch Gmünd | Freitag, 04. Dezember 2009

Viele Unterschriften künden von der Solidarität mit dem 16-​jährigen Fußballer Selmir Bislimi

Nach Berichten der Rems-​Zeitung wenden sich Peter Schwarz, Jugendleiter Fußball des TSB Gmünd, sowie Roland Krämer, ehemaliger Jugendleiter und langjähriger Trainer und Betreuer des von Abschiebung bedrohten Selmir Bislimi an die Öffentlichkeit.

SCHWÄBISCH GMÜND (pm). Post fürs Innenministerium, für die Gmünder Stadtverwaltung, für Gemeinderäte und Abgeordnete: Der Brief des TSB wurde von vielen jungen Fußballern unterschrieben.
In den Brief steht unter anderem: „Beklommen haben wir der Zeitung entnommen, dass drei aus dem Kosovo stammenden Familien aus Gmünd und Mutlangen die Abschiebung droht. Unsere Beklommenheit schlug in Entsetzen um, als wir erfuhren: Zu den Betroffenen, über denen dieses Damokles-​Schwert schwebt, gehören Selmir Bislimi und seine Familie. Selmir ist 16 Jahre alt und spielt Fußball beim TSB Gmünd. Wir können als Jugendfußball-​Funktionäre nicht bis in alle Verästelungen ermessen, welche verwaltungstechnischen oder politischen Gründe hinter dem Abschiebungs-​Vorhaben stehen und was von diesen Gründen zu halten ist. Die menschliche Dimension des Falles können wir allerdings beurteilen – und deshalb möchten wir Ihnen von unseren großen Sorgen erzählen.“
Selmir Bislimi stieß als Acht– oder Neunjähriger zum TSB Gmünd, er habe seither alle Jugendmannschaften durchlaufen. Selmir sei freundlich und bei seinen Kameraden äußerst beliebt.
Oft werde von der Politik beschworen, dass Sportvereine eine Integrationsaufgabe gegenüber Jugendlichen ausländischer Herkunft haben. „Wir von der Fußball-​Jugendabteilung des TSB Gmünd übernehmen diesen Auftrag gerne, wir empfinden ihn nicht als Pflicht, sondern als Freude: Wir finden es klasse, dass bei uns Kinder und Jugendliche verschiedenster sozialer und ethnischer Milieus kameradschaftlich zusammenhalten!
Ferner betonen Politiker gerne: Menschen ausländischer Herkunft sollten nicht nur fordern, integriert zu werden, sondern müssten auch bereit sein, sich selbst zu integrieren. Mit Selmir haben wir in unserem Verein ein Musterbeispiel für solch eine ganz selbstverständliche Integrationsbereitschaft – und ausgerechnet ihm droht nun die Abschiebung. Für uns ist das bitter und unbegreiflich.
Es gibt noch eine weitere Dimension an dem Fall, die uns als Fußballer aufwühlt: Der Freitod des Torhüters Robert Enke hat die Republik zum Nachdenken über die Volkskrankheit Depression bewegt, überall ist thematisiert worden, dass wir lernen müssen, Schwäche zu zeigen und anderen in ihrer Schwäche beizustehen. Selmirs Vater leidet an schweren Depressionen, er ist deshalb (und wegen anderer chronischer Krankheiten) in ärztlicher Behandlung. Wie sollen wir den jungen Fußballern in unserem Verein diesen schreienden Widerspruch erklären: Einerseits heißt es, wir alle müssten sensibler als bisher mit den Schwächen unserer Mitmenschen, unserer Mitspieler umgehen – und andererseits soll es zumutbar sein, einen Vater, der an Depressionen leidet, unter Zwang aus unserem Land fortzuschicken in eine vollkommen ungewisse Zukunft, mitsamt seiner Familie, die seit vielen Jahren in Deutschland lebt und hier eine Heimat gefunden hat. Was uns daran besonders verstört: Betroffen wären ja auch Selmirs Schwestern Selda und Sevda. Sie sind elf und 13 Jahre alt und in Deutschland geboren.“
Die Verantwortlichen des TSB Gmünd bitten deshalb in ihrem Schreiben, dass sich der Innenminister im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür einsetzt, dass beim Urteil über das Schicksal der Familie Bislimi nicht nur das Recht der Paragraphen und Verwaltungsvorschriften zur Anwendung kommt, sondern auch die menschliche Dimension in gerechter Weise berücksichtigt wird.
 

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