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Die dreijährige Hundedame Inka ist jetzt Therapiebegleithündin; die kleine Nikki lernt noch
Eigentlich heißen sie Inka und Nikki, nicht Schatzele, Mausele, Schöne, Liebe, Gute. Aber die beiden wissen immer, wer gemeint ist. Das Therapiebegleithunde-Experiment, das die RZ 2008 vorgestellt hat, ist glücklich abgeschlossen - zur großen Freude der dementen Menschen und der Kinder, mit denen die Hündinnen arbeiten.
HEUBACH (bt). Die alte Dame, die eben noch Papierblumen ausgeschnitten hat, durchaus zufrieden, nimmt ein Brettchen und zerschnippelt die Wurst. Für die Inka, von der sie im Moment nicht weiß, wie sie heißt. Jetzt sieht sie glücklich aus. Sie hat ihr Leben lang gegeben. Jetzt ist sie in einer Lage, die sie zwingt, zu nehmen und zu brauchen. In klaren Momenten fühlt sie sich furchtbar unnütz. Vielleicht freut sie sich deshalb so sehr über den Besuch der zwei Hündinnen - endlich hat sie wieder etwas zu geben.
Wer ihr Liebling ist, schwer zu sagen. Inka, ein verschmuster, gleichwohl hochprofessionell agierender Schäfer-Husky- Mix, ist auf ihre Art ebenso unwiderstehlich wie Nikki, die ihre Ausbildung eben erst begonnen hat und und beinahe platzt vor lauter Lebensfreude und Bewegungsdrang. Kaum zu glauben, dass die Kleine in Spanien entsorgt wurde, indem man sie über einen Zaun geworfen hat. Damals hatte sie kaum noch Fell am Körper und war auch sonst in sehr schlechter Verfassung. Carina Deutscher, selbst im Tierschutz engagiert, sah die junge Hündin und war hin und weg. Na, und jetzt hat sie eben zwei Hunde. Ob Nikki ebenfalls für den „Beruf“ des Therapiebegleithundes geeignet ist, lässt sich noch nicht sagen - geliebte Gefährtin wird sie allemal sein. Und Carina ist zuversichtlich. Die Kleine sei verspielt und verfressen: „Damit kriegst du sie“
Tiergestützte Therapie hat sich in vielen Jahren der Praxis bewährt; lange bevor es diesen Begriff gab, halfen Tiere den Menschen, gesund zu werden oder sich zumindest besser zu fühlen. Um dem Ganzen die Beliebigkeit zu nehmen haben Absolventen des Münsteraner Instituts für Therapeutische Fortbildung und Tiergestützte Therapie sowie weitere Therapeuten und Pädagogen vor sieben Jahren in Steinfurt einen Berufsverband gegründet, der Therapiebegleithunde ausbildet - weil der Begriff nicht geschützt ist, ist auf die Art der Ausbildung sehr zu achten.
Für diese Aufgabe sind nur außergewöhnliche Hunde geeignet
Die Steinfurter Pädagogik jedenfalls hat’s in sich. Als Carina Deutscher und Inka im Herbst ihre große Prüfung absolviert haben, wurden beide drei Tage lang auf Herz und Nieren getestet: Es geht ja nicht an, dass ein zertifizierter Hund plötzlich ausrastet, wenn er gegen den Strich gestreichelt wird, wenn eine verwirrte alte Dame ihm das Leckerli wegnimmt oder ein völlig Fremder das Tier als Kissen benutzt. Nerven wie Drahtseile braucht so ein Hund, und eine ganz große Liebe zum Mensch. So gab es also eine schriftliche Prüfung fürs Fraule, dann eine praktische für beide. Da musste sich Inka ablegen oder vor ihrem Futternapf ausharren, Carina derweil den Raum verlassen. Ein Fremder näherte sich der Hündin, die brav liegen blieb bzw. ihr Futter nicht anrührte. Der schwierige Teil: Um mit dementen Menschen arbeiten zu können, muss ein Hund Schreien und Gestikulieren dulden, dass er verkleidet wird, auch mal, dass ihn jemand an der Rute zieht. Fast alle Hunde ziehen hier eine Grenze, nicht jedoch Inka.
Schließlich wollten die Prüfer noch eine Videodokumentation aus Inkas Arbeitsalltag sehen. Auch Dank Pflegeleiter Kai Schramm, Einrichtungsleiterin Jutta Krauß und natürlich all den im Haus Kielwein lebenden oder arbeitenden „Darstellern“ war diese Vorführung ein richtiger Triumph. Dass das Echo gar so enthusiastisch ausfiel, mag daran liegen, dass der Film mit dem von Carina selbst gesungenen und gemeinsam mit dem Gmünder Pianisten Mick Baumeister in dessen Studio eingespielten Lied „Imagine“ unterlegt war - diesen Titel, viele werden sich erinnern, haben die beiden bereits im Sommer zur Trauerfeier für den verstorbenen Musiker Fraser Cameron beigesteuert.
Inka und Carina Deutscher werden mittlerweile in allen Johanniter Pflegewohnhäusern eingesetzt: Der Hund tut den alten Menschen nämlich wirklich gut. Es gibt eine Bewohnerin, die praktisch nicht mehr spricht, die aber, wenn sie Carina Deutscher sieht, mit den Händen anzeigt, dass sie etwas streichelt. Mit dieser Hündin an der Seite, scheint alles besser zu gehen, das Gedächtnistraining etwa, oder der Versuch, Feinmotorik zu trainieren. Wer den „Pinzettengriff“ nicht mehr beherrscht, mit dem unter anderem ein Reißverschluss zugezogen wird, kann plötzlich kleine Leckerlis zerteilen - und wächst daran.
Vor allem in Verbindung mit Musik gelingen schöne Erfolge, wie eigentlich überall, wo Tiere in die Therapie integriert werden. Carina Deutscher hat allerdings auch lernen müssen, dass die Kombination der Arbeit mit Inka mit ihrem eigentlichen Beruf, der Pflege, nicht zu vereinbaren ist. Nach über 20 Jahren als Altenpflegerin hat sie sich jetzt also entschieden, ganz auf Inkas Fähigkeiten zu setzen. Nicht nur in Heubach, Böbingen, Mögglingen und Essingen, auch im Gmünder Blindenheim wird sie im neuen Jahr erwartet, erst in dieser Woche haben die beiden zudem die Friedensschule besucht, wo die Kinder lernten, wie mit Hunden umzugehen ist, dass Angst niemals ein guter Begleiter ist, dass aber auch Vorsicht und Respekt gefragt sind. Schließlich ist nicht jeder Hund eine Inka.

Kommentare
Neuen Kommentar hinzufügenIch denke darüber ein zweiter Hund aus zu bilden für diese Arbeit. Flóki ist jetzt 5 Jahre alt und ich hoffe die wird diese Arbeit noch sehr lange machen können.
Viel Glück mit Inka und Nikki