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» Ostalbkreis | Montag, 07. Dezember 2009

Dr. Hilmar Döring, Vorsitzender der Metall– und Elektroindustrie: Wir konnten den Großteil der Stammbelegschaften halten

Der Jahresausklang der Südwestmetall-​Bezirkgruppe Ostwürttemberg unter dem Motto „Menschen, Meinungen & Mehr“ stand im Zeichen der Krise – teils mit zuversichtlichen, mehr aber noch mit besorgten Eindrücken.

OSTALBKREIS (pm). „In vielen Betrieben ist die Stimmung nach gut einem Jahr Krise deutlich schlechter als zu Beginn. Die Erwartungen sind auf niedrigem Niveau und zurückhaltender als noch im Vorjahr“, schilderte der Bezirksgruppen-​Vorsitzende Dr. Hilmar Döring das gegenwärtige Stimmungsbild der regionalen Metall– und Elektroindustrie. Das Ende der angespannten Situation sei noch nicht erreicht. In diesen schwierigen Zeiten seien in vielen Betrieben umfangreiche Maßnahmen zur Kostensenkung vereinbart worden. Diese reichten vom Verschieben der Tariferhöhungen bis hin zum Verzicht auf Urlaubs– und Weihnachtsgeld. Döring hob die konstruktiven Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern von Gewerkschaft und Betriebsräten hervor: „In harten und immer auch fairen Verhandlungen ist es in Ostwürttemberg gelungen, gemeinsame Lösungen für die betroffenen Betriebe zu finden und viele der Stammarbeitsplätze über das Jahr 2009 hinaus zu sichern.“
Dirk Wasmuth, Leiter der Tarifabteilung von Südwestmetall, hob die Rolle der Politik bei der Beschäftigungssicherung hervor. Die verlängerte Laufzeit der Kurzarbeit sowie die Befreiung von Sozialversicherungsbeiträgen seien eine wichtige Hilfe gewesen. Die erneute Verlängerung der Kurzarbeit sei zwar grundsätzlich richtig, allerdings hätten sich die Arbeitgeber eine Verlängerung um 24 Monate statt der 18 Monate gewünscht. „Wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen der Krise auch 2011 noch nicht überwunden sein werden“, sagte Wasmuth. Deshalb sei es wichtig, die Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge bereits heute verbindlich auch für das Jahr 2011 zu beschließen. Gerade in der Krise sei Planungssicherheit für die Unternehmen ein hohes Gut.
Südwestmetall-​Geschäftsführer Jörn P. Makko machte deutlich, dass sich die Anzeichen mehren, dass das Jahr 2010 noch schwieriger werden könne als 2009. Mehr denn je komme es daher auf eine Bündelung der Kräfte von Wirtschaft, Gewerkschaften und Politik an. „Die Zukunftssicherung unserer Betriebe muss an allererster Stelle stehen“, sagte Makko, „das ist unabdingbare Voraussetzung für Beschäftigungssicherung.“
Als „erfreulich“ bezeichnete der Bezirksgruppen-​Vorsitzende Döring unterdessen die Entwicklung in der beruflichen Ausbildung in der Metall– und Elektroindustrie. Es habe zwar einen Rückgang bei den Ausbildungsplätzen gegeben, dieser sei allerdings deutlich schwächer ausgefallen als befürchtet: „Im Jahr 2008 hatten wir 500 Einstellungen im ersten Ausbildungsjahr, im Jahr 2009 insgesamt 460“, sagte Döring. „Diesen Neueinstellungen stehen 342 erfolgreiche Ausbildungsabschlüsse gegenüber, so dass sich per Saldo die Ausbildungszahl über alle Lehrjahre in unseren Betrieben sogar erhöht hat.“ Außerdem seien Ausbildungsplätze mangels geeigneter Bewerber unbesetzt geblieben.
Gastredner des Abends war Professor Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Hüther lobte die Ausbildungsanstrengungen der MBranche ausdrücklich. Da die demografische Entwicklung nicht aufzuhalten sei, sei es wichtig für die Betriebe, für qualifizierten Nachwuchs zu sorgen. Hüther veranschaulichte dies insbesondere am Absolventenmangel in den sogenannten MINT–Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Er sprach von den Anforderungen an die Wirtschaft. Eines sei klar: „Ein Strukturwandel ohne industriellen Kern ist nicht möglich“, betonte Hüther. Die Industrie stehe daher vor der Aufgabe, Wissensintensivierung, Internationalisierung und Vernetzung sowohl innerhalb der Wertschöpfungskette als auch gemeinsam mit der Wissenschaft voranzutreiben.
 

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