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» Sport | Montag, 07. Dezember 2009

Leichtathletik: Einmal mehr begeistert waren die über 150 teilnehmenden Übungsleiter am Nikolauslehrgang

Was den langjährigen anhaltenden Erfolg des Nikolauslehrgangs von Fred Eberle und des WLV ausmacht? Nun, nicht nur die Leichtathletik-​Trainer ziehen ihren Nutzen aus ihm, sondern auch Vertreter anderer Sportarten, und sehr oft ist das Thema so lebens– und alltagsnah, dass alle Sportbegeisterte profitieren könn(t)en.

Mal ehrlich, wer musste im wahren Leben noch nie Hürden meistern, Hindernisse überwinden? Sprechen nicht viele Menschen tagsüber oft von den Steinen, die man ihnen in den Weg legt? Jedenfalls gab der 35. Nikolauslehrgang (oder ist es einer mehr?) allen anwesenden Trainern und Übungsleitern einen tiefen, praxisnahen, aber nie trockenen Einblick ins Thema „Hindernisse überlaufen – Hürdensprinten“ von der Kinderleichtathletik bis hin zur Talentschulung.
Es muss eine eigenständige Welt der Kinderleichtathletik geben
Und dass es besonders auf die „Unterzeile“ – … und ohne Rhythmus geht schon gar nichts – ankam, wurde allen schnell bewusst. Wie meinte Fred Eberle noch?, wir alle werden im Alltag teils schon unbewusst von Rhythmen „beherrscht“ – ganz wichtig sei das für die Kinder, und da zeigte Fred Eberle in seiner lebendigen Einführung, wie in seinen Skripten, auch Perspektiven der Leichtathletik für die Schulen auf: „Kinder leben in ihrer eigenen Welt“, darum müsse es auch eine „eigenständige“ Welt der Kinderleichtathletik geben. Man müsse stets beachten, dass sich Kinder im „günstigsten“ motorischen Lernalter befänden. Die wichtige „koordinative“ Entwicklungsphase sei geprägt von einem hohen Maß an Geschicklichkeit – diese müsse man unterstützen und nicht „verkümmern“ lassen. Leichtathletik-​Trainer und Pädagoge Fred Eberle merkt man seinen Enthusiasmus stets an, und es klang, als wolle er alle Teilnehmer, die meisten ehrenamtliche Trainer, motivieren, wenn er die Wichtigkeit der „Begeisterung“ hervorhob: „Kinder haben Geist, deshalb kann man sie leicht begeistern.“ Kinder haben Phantasie, also sind sie „phantastisch“ – und obwohl der Nachwuchs „Leisten“ wolle, sollen die Übungsleiter aber nicht „ALLE“ über einen „LEISTEN“ spannen. Das kam an, bei den Leichtathletik-​Ausbildern. Eberle zeigte die Wege von der Kinderleichtathletik bis hin zur Talentschulung und Ausbildung auf, die später von Carsten Köhrbrück, dem Landestrainer Berlins und DLV-​Experte, nochmals unterstrichen wurden. Und wie immer, vom Kleinen führt der Weg auch in der Leichtathletik zum „Größeren“. Schritt für Schritt. Am Anfang stünde in der (Kinder-)Leichtathletik die „Grundausbildung“, es folge das Grundlagentraining, dann das Aufbautraining. Weit mehr, so Eberle, stecke hinter den Bewegungsformen des Laufen – Springen – Werfen während der Grundausbildung, bereits hier käme es auf eine „breite“ und variable Orientierung an.
Das „Bewegungshandeln“ machte dann die Waldstetter Grundschulklasse, unterstützt durch die Trainer (Mit Christian Weber, WLV-​Team) vor: „Schnell weg, schnell drüber – schnell weiter.“ Den Kindern schien es zu gefallen. Sie wurden körperlich und kognitiv gefordert. Und immer wieder wurde der Begriff „Rhythmus“ erwähnt. Die nächste Praxisdemonstration zeigte systematisch die einzelnen Schritte, oder, „Bausteine“ auf, wie das „ach so hoch komplizierte“ (Eberle) Hürdenlaufen „leicht gemacht“ werden könne. Gerald Baiker, Claudia Moser und Walter Köpf zeigten mit ihrer LG–Staufen-​Schülermannschaft, wie jeder einzelne Baustein auf dem anderen aufbaue.
Schnell ran, schnell drüber, schnell weg – stets mit viel Rhythmus
Man kann auch sagen, den Läufern und Sprintern würde durch das richtige Training die Angst vor der Hürde genommen. Alles ist erlernbar: Schnell ran, schnell drüber, schnell weg, aber „Alles ist nichts“ ohne Rhythmus. Gerald Baiker moderierte gekonnt, alle Trainer gaben den drei Gruppen prägnante Anweisung, turnten vor, und die LG–Schüler machten es klasse nach. Vom Kleinen zum Großen – der erste Baustein, „Erwärmen mit kleinen Hindernissen“. Diese standen in unterschiedlichen Abständen, und gaben dementsprechend unterschiedliche Rhythmen vor. Mal ein Durchlaufen mit „Fußgelenksarbeit“ oder das Skipping im Kniehebelauf. „Zwei, drei, vier Kontakte“, gaben die Trainer vor. Die Schüler vertraten sich (fast) nie. Punktgenaue Landung, neben und zwischen den „Bricks“ (farbige Hartschaumstoff-​Hürde).
Auch das hürdenspezifische Dehnen und Mobilisieren war so ausgelegt, dass bereits der Sprung über das Hindernis simuliert wurde. Kniend, das andere Bein ausgestreckt, der Oberkörper verstärkte die Dehnung. Danach folgte die Liegestütz-​Stellung, mit dem „Ausfallschritt“ eines Beins in der Luft, mal rechts, mal links kreisend. Der Körper aber solle die „Waagerechte“ halten. Es folgten die Rhythmusübungen, tänzelnd anmutend, aber mit viel Sinn auch hier: „das rechte Bein seitlich hoch, nach hinten strecken“, als würde es bereits über die Hürde gehen – das „Nachziehbein“ weit vom Körper weg. Baiker davor: „Und was wir auch sehen, die Mädchen sind beweglicher als die Jungs“, was Fred Eberle mit einem, „So, das wissen wir dann auch…“, quittierte, das Publikum lachte auf. Und Eberle schob nach, weshalb das aber auch so sei (die Pubertät schafft Veränderungen).
Ab Baustein fünf hieß es dann von der niederen zur höheren Hürde, und vom kleineren zum weiteren Abstand zwischen den Hindernissen. Die Wettkampfabstände wurden im Dreierrhythmus durchlaufen.
Den ganzen Vormittag über zeigte sich das Publikum äußerst interessiert, bevor einige Teilnehmer nachmittags nach dem Imbiss selbst ran durften. Der Nikolauslehrgang ist längst sportartübergreifend, so war denn auch der Geislinger Fußballcoach Heinrich Bruß in der Großssporthalle. Wichtige Sachen für die Trainingsarbeit wolle er mitnehmen, z. B. „wie drückt man beim Sprint ab“, und wie schult man die „Kurzsprints“ generell, meinte Bruß. Schon längst würde der Fußball viel aus der Leichtathletik mitnehmen. Für die Aktiven und die Jugend. Bruß schätze die „akribische Technikarbeit“ innerhalb des „Lauf-​ABC“.
Die Lehramtsstudentin Sonja Hahn, zudem Trainerin des TV Steinheim war auch auch begeistert: „Die eine oder andere Idee ist für den Trainingsalltag schon dabei.“ Kurzum, nicht nur als Fortbildungstag kam der Nikolauslehrgang wieder bei allen Teilnehmern bestens an.
 

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