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» Sport | Dienstag, 08. Dezember 2009

Boxen: In der Arena Ludwigsburg herrschte beim ersten Auftritt von Artur Hein in Baden-​Württemberg beste Stimmung

Alles was zum Boxen dazu gehört wurde am vergangenen Samstag in der Arena Ludwigsburg geboten. Schnelle Kombinationen, spannende Kämpfe, viele Showeinlagen und gute Stimmung auf den Rängen. 4500 Zuschauer feierten frenetisch den Sieg und die Titelverteidigung von Marco Huck.

Zwar boxte Marco Huck im Hauptkampf des Abends, doch eigentlich standen zwei andere Sportler in Ludwigsburg im Mittelpunkt. Für den Großdeinbacher Artur Hein und den Neckarsulmer Dominik Britsch war es jeweils der erste Kampf in der Nähe ihrer Heimat. Sonst steigen die beiden Berufsboxer meist weit entfernt von Baden-​Württemberg in den Ring. Kein Wunder deshalb, dass viele Freunde der beiden den Weg in die neue Arena in Ludwigsburg fanden. 4500 Zuschauer sorgten zwar nicht dafür, dass die Halle ausverkauft war, aber trotzdem kochte es unter dem Dach als die Kämpfe von Hein und Britsch auf dem Programm standen. Die Motivation war beiden anzusehen. Aber eben auch die Anspannung – keiner wollte als Verlierer den Weg nach Hause antreten. „Mir ist nach dem Kampf in der Kabine ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Das war ein guter Abschluss eines tollen Jahres“, bringt Hein seine Erleichterung nach einem tollen Auftritt zum Ausdruck. Kurz vor dem Ende der fünften Runde schickte er seinen Kontrahenten, Mile Nikolic, zum zweiten Mal auf die Bretter. Zu viel für den Serben, der sich vom Ringrichter auszählen ließ (siehe Bericht unten). Erfolgreich war auch Britsch, der gegen den Brasilianer Cleber Argente Alves seinen Junioren-​Weltmeistertitel der IBF verteidigte.
Die große Show veranstaltenen die beiden Youngsters noch nicht. Dafür waren andere an diesem Abend zuständig. Am höchsten anzusiedeln waren aus sportlichen Gründen die beiden Hauptkämpfe. So probte Alexander Povetkin für seinen großen Auftritt gegen Wladimir Klitschko. Als Weltrangenlisten-​Erster ist der Russe der nächste Pflichtherausforderer des Jüngeren der Klitschko-​Brüder. Dieses Kampf hätte eigentlich schon vor über einem Jahr stattfinden sollen, doch eine Verletzung machte Povetkin einen Strich durch die Rechnung. Ein Nobody aus den USA hatten seine Manager für ihn als Aufbaugegner herausgesucht. Der Amerikaner kam zwar als klarer Außenseiter nach Deutschland, konnte aber immerhin eine beeindruckende Bilanz vorweisen. 27 Siege in 28 Kämpfen sprechen eigentlich für Klasse, doch an die des 28-​jährigen Russen kam sie nicht heran. Schnell, beweglich und explosiv präsentierte sich Povetkin, dem in Fachkreisen durchaus zugetraut wird, die Alleinherrschaft der Klitschkos zu durchbrechen. Gegen Nolan jedenfalls hatte er keine Probleme einen Sieg einzufahren und fiebert nun seinem großen Kampf entgegen.
Der Höhepunkt des Abends war mit Sicherheit die erste Titelverteidigung von Marco Huck. Den Weltmeistergürtel der WBO im Cruisergewicht hat sich der Bielefelder in diesem Jahr erobert und in einem spannenden Kampf gegen den Briten Ola Afolabi verteidigt. Über die volle Distanz musste Huck dabei aber gehen und stand in der fünften Runde selbst kurz vor dem Knock out. Gegen Showmen Afolabi tat er sich schwerer als erwartet. Der Brite mit nigerianischen Wurzeln brachte die Halle zum Kochen. Schon beim Einlaufen provozierte das Publikum und handelte sich Pfiffe ein. Diese schienen dem 29-​Jährigen aber sichtlich zu gefallen. Immer wieder brachte er die Zuschauer mit seiner Gestik und Mimik gegen sich auf. Sogar Promoter Wilfried Sauerland wären am liebsten in den Ring gestürmt, um Afolabi an den Kragen zu gehen. Jedenfalls hielt es ihn nicht auf seinem Sitz. Dieses Spektakel ließ sich auch Artur Hein nicht entgehen. Mitten in seinem Fanblock verfolgte er den Kampf. „Huck hat mich überrascht. Ich hätte gedacht, er bekommt mehr Probleme. Er war sehr diszipliniert, ein klarer Sieg“, lautete sein Urteil. Auch die Kampfrichter entschieden einstimmig für den Deutschen, der nun wohl gegen den Süßener Firat Arslan antreten muss.
Der nächste Gegner von Hein steht dagegen noch nicht fest. Jetzt heißt es erst einmal Urlaub machen, Kräfte tanken und den Kopf frei bekommen. „Für März ist der nächste Kampf geplant“, so der Großdeinbacher, der noch lange Zeit in der Arena geduldig Autogramme schrieb und Fotowünsche erfüllte.
 

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