Chancen für benachteiligte Jugendliche
Arbeitsagentur, Schulen, Stadtverwaltung, Trägerverein und die Bundestagsabgeordneten betonten, wie wichtig die Arbeit des Berufsvorbereitungswerks Ruppertshofen ist. Bei der Vorstellung der umgebauten Räume in Gmünd wurde gewürdigt, dass vielen benachteiligten jungen Menschen durch Ausbildung eine echte Perspektive geboten wird. Von Gerold Bauer
SCHWÄBISCH GMÜND. Selten in der rund
60-jährigen Geschichte des Vereins Jugendhilfe Land
e.V. konnten so viele hochrangige Repräsentanten des öffentlichen Lebens zu einer Veranstaltung begrüßt werden wie gestern in der Lorcher Straße. Nicht zuletzt in den Fachbereichen Metall und Holz wurden die Ausbildungsräume erweitert, um die jungen Leute in einer industrienahen Arbeitsumgebung auf ihr künftiges Berufsleben optimal vorzubereiten. Ergänzend dazu gehören Praktika in ausgewählten Partnerbetrieben zur Ausbildung.
Klaus Paschko, vor wenigen Wochen als neuer Jugendhilfe-Vorsitzender neu gewählt, stellte zusammen mit Geschäftsführer Matthias Linder die Ausbildungsmöglichkeiten dieser sozialen Einrichtung vor. Jugendliche mit einem Förder– oder Hauptschulabschluss können im Berufsvorbereitungswerk moderne Ausbildungsberufe in den Bereichen Metall, Holz, Hauswirtschaft, Textilverarbeitung und Gastgewerbe erlernen. Diese Ausbildungsgänge sind in der Theorie reduziert und legen den Schwerpunkt auf praktische Fertigkeiten, so dass sie dank der guten, auch sozialpädagogischen Begleitung auch von Jugendlichen und jungen Erwachsenen bewältigt werden können, die aus den verschiedensten Gründen im rein schulischen Bereich Probleme hatten.
Lernbehinderungen, schwierige familiäre Umstände oder ein Migrationshintergrund können es jungen Schulabgängern manchmal sehr schwer machen, im Berufsleben beziehungsweise auf dem ganz normalen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Dank der besonderen Betreuung im Berufsvorbereitungswerk schafften bereits mehr als
1200 Jugendliche trotzdem einen qualifizierten Berufsabschluss, wie Matthias Linder nicht ohne Stolz in Erinnerung rief. Dabei gehe die Einrichtung mit der Zeit und erschließe ständig neue, am realen Arbeitsmarkt orientierte Angebote. Als Beispiel dafür nannte er das vereinseigene Gästehaus, in dem die gastronomische Ausbildung im realen Betrieb erfolge sowie die Kleinkindbetreuung.
Vorsitzender Klaus Paschko blendete zurück in die Nachkriegszeit, als in der Satzung des Vereins Jugendhilfe Land
e.V. die Aufgabe verankert wurde, „junge Buben und Mädchen davor zu bewahren, ins Elend abzurutschen“. Heute spreche man diesbezüglich von Rehabilitation und Integration, doch die Emotionen und das Herzblut seien beim Trägerverein mit dem Wechsel zu modernen Begriffen nicht verloren gegangen. Nach wie vor seien es, so Paschko, vor allem Bürgerinnen und Bürger aus Ruppertshofen, die als Vereinsmitglieder die Einrichtung tragen und stark machen. Paschkos Dank an die Kostenträger sowie die Partnerbetriebe war mit der Bitte verbunden, diese mögen auch in Zukunft die engagierte und effektive Arbeit des Teams vom Berufsvorbereitungswerk unterstützen.
Dr. Joachim Bläse würdigte namens der Stadt Gmünd „diese großartige Einrichtung“. Er freute sich auch über die Anwesenheit der beiden Bundestagsabgeordneten Norbert Barthle und Christian Lange. „Die Agentur für Arbeit kann nur effektiv helfen, wenn die Politik sie mit ausreichenden Mitteln ausstattet“, so Bläse. Da der Gmünder Raum überdurchschnittlich viele Arbeitslose junge Menschen aufweise, sei diese berufliche Qualifizierung besonders wichtig.
Dem pflichtete Hans-Joachim Gulde, Leiter der Agentur für Arbeit in Ostwürttemberg, voll und ganz bei. Denn über die Hälfte der arbeitslosen seien Menschen ohne irgendeinen beruflichen Abschluss. Das sehr breit aufgestellte Angebot des Berufsvorbereitungswerks sei daher sehr hilfreich. So könne man die demographische Entwicklung dahingehend nutzen, um die Fachkräfte von morgen auszubilden. Gulde sprach sich für ein koordiniertes Vorgehen und eine Bündelung möglicher Zuschüsse von Agentur, Landkreis und Stadt aus, um im Rahmen eines regionalen Netzwerks viel zu bewirken.
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