Offenhaltung der Naturräume wichtig
Dass Heimatverbundenheit in den Zeiten der Globalisierung ihre Berechtigung hat, dass Tradition und Weltoffenheit in Baden-Württemberg im Zusammenhang stünden und dass die Landschaft als „Kulisse für unsere Lebensbühne“ fungiert, unterstrich Minister Peter Hauck beim Landesfest 2009 des Schwäbischen Albvereins am Sonntag in Ellwangen. Von Angelika Rieth-Hetzel
OSTALBKREIS. Hauck betonte, die Kulturlandschaft sei einer ausgeprägten Dynamik unterworfen, wobei sich die Frage stelle, ob Landschaft wie ein Denkmal konserviert werden könne. „Die Politik muss sich diesen Fragen stellen, unser Mitstreiter ist dabei immer der Schwäbische Albverein.“ Kernpunkt der Untersuchungen sei, wie Landwirte diese „Landschaftskulisse“ bewirtschaften und dabei dennoch ein sicheres Einkommen erwirtschaften könnten.
Minister Peter Hauck forderte, dass sich im Land noch mehr Persönlichkeiten und Gruppen die Landschaftspflege zur Aufgabe machen, denn „eine Offenhaltung unserer Naturräume zum Nulltarif gibt es nicht“. Für den hauptamtlichen Naturschutz-Pflegetruppe des Schwäbischen Albvereins hatte Hauck in Ellwangen eine gute Nachricht im Gepäck. Er kündigte einen Landeszuschuss für ein neues Naturschutz-Einsatzfahrzeug von
30 000 ¤ an. Der Minister sprach pointiert über das Biosphärengebiet „Schwäbische Alb“, dessen Anerkennung durch die
UNESCO bevorstehe. „Wir wollen dieses Gebiet als Modell für Baden-Württemberg weiter entwickeln, eine Synthese herstellen mit dem Gebiet und den Menschen“. Ziel sei es, Regionen zu schaffen, die unverwechselbar seien. „Politik allein ist nicht mehr in der Lage, diese großen Aufgaben zu lösen, wir brauchen den gemeinsamen Schulterschluss und der Schwäbische Albverein ist ein wichtiger Berater und Partner beim Erhalt der Landschaft“.
In die gleiche Kerbe hieb Albvereinspräsident
Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, der – wie Präsidium und Vorstand – beim Landesfest in Ellwangen für vier Jahre wieder gewählt wurde. Das Jahresthema des Albvereins laute bewusst „Kulturlandschaft – gestern, heute morgen“, denn sie sei nicht nur Lebensraum für Tiere und Pflanzen sondern unverzichtbarer Erholungsraum für die Menschen. „Leider ist der Umgang mit ihr in unserer modernen Industriegesellschaft keineswegs nachhaltig“. Rauchfuß forderte mit Nachdruck, den Flächenverbrauch unverzüglich drastisch einzudämmen. „Die Land– und Forstwirtschaft ist in die Lage zu versetzen, unsere Kulturlandschaft durch Schaffung neuer Möglichkeiten der Wertschöpfung nachhaltig zu bewirtschaften und zu pflegen“. Innerhalb des Schwäbischen Albvereins, der mit
112 000 Mitgliedern der größte Wanderverein in Europa ist, gelte als oberste Priorität, so Präsident
Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, die Mitgliederwerbung zu verstärken, um das Aufgabenpaket der Zukunft schultern und finanzieren zu können.
Im Rahmen der internen Beratungen der Albvereinsgremien in Ellwangen erhielt deshalb die moderate Erhöhung der Vereinsbeiträge ab
2010 nach lebhafter Diskussion im Hauptausschuss eine Mehrheit. Im Fokus der Albvereins-Jugendorganisation stehen, wie deren Vorstandsmitglied Heiko Herbst formulierte, Untersuchungen und Gutachten zur Verwendung erneuerbarer Energien in den
22 Wanderheimen und der Stuttgarter
SAV–Hauptverwaltung. „Als anerkannter Naturschutzverband muss der Albverein hier eine Vorbildfunktion einnehmen!“
Das Landesfest
2009 in Ellwangen war für die Mitglieder des Albvereins und tausende von Besuchern ein zweitägiges Festival der Begegnung bei Tanz und Musik in der historischen Innenstadt Ellwangens. Nach dem Festumzug mit
500 Teilnehmern am Sonntag tanzten
150 Paare auf dem Marktplatz die von Albvereins-Kulturrat Manfred Stingel (Frommern) wieder entdeckte „Ellwanger Française“ des zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in Ellwangen lebenden Komponisten Paul Schumm. Oberbürgermeister Karl Hilsenbek will diese höfische Tanzformation in den Kulturfundus der Stadt, die durch den „Kalten Markt“ landesweit bekannt ist, aufnehmen.
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